Chemcats scheitern im Pokal an Erstligist Osnabrück

Die Zweitliga-Basketballerinnen mussten sich dem Favoriten deutlich geschlagen geben. Der Trainer setzt auf eine junge Mannschaft und eine Spielerin, die nebenbei noch für einen Erstligisten aufläuft.

Vor einigen Monaten hätte diese Partie noch unter ganz anderen Vorzeichen stattgefunden. Da spielten die Chemcats noch in der Damen-Basketball-Bundesliga und der Gegner vom Samstag, die Mannschaft aus Osnabrück, eine Klasse tiefer. Am Wochenende waren die Rollen vertauscht: Osnabrück reiste nach dem Aufstieg ins Oberhaus als klarer Favorit zum Pokalspiel nach Chemnitz. Die Gastgeberinnen gingen nach dem freiwilligen Rückzug von Liga eins in Liga zwei mit einer völlig neuformierten Mannschaft und als Außenseiter in die Partie. Am Ende stand ein standesgemäßer 82:56 (37:31)-Erfolg für die Norddeutschen, die damit ins Achtelfinale einziehen.

Die körperlich unterlegenen Chemnitzerinnen liefen von Beginn an einem Rückstand hinterher, der bis zur ersten Pause auf zehn Punkte anwuchs. Im zweiten und dritten Spielabschnitt hielt die Mannschaft von Thomas Seltner vor allem dank guter Verteidigung besser mit und kämpfte sich auf vier Punkte heran (47:51). Die Osnabrückerinnen erwiesen sich letztlich aber als abgeklärter und zogen im letzten Viertel davon. "Bei uns war zum Schluss die Puste raus und Osnabrück hat dann jeden Wurf getroffen", meinte die Chemnitzerin Lucile Peroche. Ihr Coach ergänzte: "Die Gäste haben den Ball laufen lassen und wir konnten nur ein paar Stiche setzen."

Für den langjährigen Erstligisten war die Pokalbegegnung das erste Pflichtspiel nach dem freiwilligen Rückzug in die zweite Liga. Dort treten die Chemcats mit einer sehr jungen Mannschaft an. "Meine Führungsspielerinnen sind 21 Jahre alt", bemerkt Seltner. Die meisten seiner Basketballerinnen sind so jung, dass sie noch in der weiblichen Nachwuchs-Basketball-Bundesliga auflaufen. Angeführt wird die Mannschaft von Lucile Peroche, die als eine von wenigen Spielerinnen Erstliga-Erfahrung mitbringt. Sie ist auch der einzige Profi im Team - was im Frauenbasketball bedeutet, dass man nebenher arbeitet oder studiert. Peroche absolviert ein Mathematikstudium an der TU Chemnitz. Dank eines Zweitspielrechts läuft sie auch noch für Erstligist Halle auf. Einmal pro Woche reist sie in die Stadt an der Saale, um mit den Hallensern zu trainieren. Am Wochenende stehen in der Regel zwei Partien - eine im Dress von Chemnitz und eine im Dress von Halle - auf dem Programm. "Wenn die Partien gleichzeitig stattfinden, spiele ich aber für Chemnitz. Der Fokus liegt auf den Chemcats", sagt sie. Ziel sei es, sich mit der Mannschaft in der zweiten Liga zu etablieren, so die 21-Jährige. "Es wird oft vorkommen, dass der Gegner physisch stärker und erfahrener ist als wir", erklärt die TU-Studentin.

Ihren Gastauftritten bei Bundesligist Halle liegt eine Kooperation der Saale-Städter mit den Chemcats zugrunde. Die Chemnitzerinnen hatten damit die Hoffnung verbunden, Spielerinnen aus Halle, die dort den Durchbruch nicht schaffen, für ihre Mannschaft zu gewinnen. Das hat bislang nicht geklappt. Zwar habe er Gespräche mit Sportlerinnen geführt, die eher wenig Chancen auf Einsätze in der höchsten Spielklasse hätten, sagt Sebastien Tempel, sportlicher Leiter der Halle Lions. "Wir haben aber noch niemand gefunden, der den zusätzlichen Aufwand, nach Chemnitz zu pendeln, auf sich nehmen will." Er gebe aber die Hoffnung nicht auf und werde weitere Gespräche mit seinen Athletinnen führen. "Sie müssen das als Chance begreifen, wenn sie nach Chemnitz gehen", sagt Tempel.

Chemcats-Trainer Seltner muss also aller Voraussicht nach ohne Neuzugänge auskommen. "Wir probieren es mit der Mannschaft, die wir haben. Das ist ein junge Team, das kämpft und das es sich verdient hat", sagt er. Beweisen kann es sich das nächste Mal am Sonntag. Dann ist zum ersten Ligaspiel Alba Berlin zu Gast in der Schloßteichhalle.

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