Die Selbstkritik des einstigen CFC-Aufstiegshelden

Vor gut sieben Jahren hatte Benjamin Förster die Chemnitzer mit 25 Saisontreffern in die Dritte Liga geschossen. Am Mittwoch spielt er erstmals gegen seinen Ex-Verein und zieht eine schonungslose Bilanz seiner Karriere.

Fußball-Chemnitz war im Freudentaumel. An jenem Mai-Samstag im Jahr 2011 gab es kein Halten mehr. Tausende Fans feierten die Spieler des Chemnitzer FC auf dem Rathausplatz, nachdem die sportliche Überraschung vollbracht worden war. Nicht der klare Favorit RB Leipzig, sondern die Himmelblauen um Trainer Gerd Schädlich hatten den Aufstieg in Liga drei und damit die Rückkehr in den Profi-Fußball geschafft. Besonders gefeiert wurde ein junger Stürmer, der in jener Saison 25 Treffer erzielte, darunter den entscheidenden zum 1:0-Heimsieg gegen RB am vorletzten Spieltag: Benjamin Förster. "Die DVD zum Aufstieg habe ich mir in den vergangenen Jahren noch mehrfach angeschaut", sagt Förster heute.

Der gebürtige Karl-Marx-Städter hat 17 Jahre lang das CFC-Trikot getragen und steht nun vor einer für ihn besonderen Partie: Erstmals tritt er gegen seinen Ex-Verein an. Förster ist bei Regionalligist VSG Altglienicke gelandet. Die Berliner empfangen am Mittwoch den Spitzenreiter aus Chemnitz, der den ersten Fleck auf seiner weißen Weste bekommen soll. "Wir wollen mindestens ein Unentschieden erreichen. Sollte ich ein Tor erzielen, werde ich aber nicht jubeln, dafür habe ich dem CFC zu viel zu verdanken", betont der 28-Jährige.

Vom Alter her müsste Förster jetzt auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn sein. Er hatte von einer großen Karriere geträumt. "Nach dem Aufstieg mit Chemnitz 2011 war für mich klar, dass es Richtung Bundesliga geht", sagt der Torjäger. Angebote habe es auch gegeben. "Aus verschiedenen Gründen ist aber kein Wechsel zustande gekommen", bemerkt Förster. Er blieb beim CFC, wo er 2014 von Coach Karsten Heine aussortiert wurde. "Ich wäre auch so gegangen, war reif für einen Tapetenwechsel", fügt er hinzu.

Es zog ihn ins Saarland zur SV Elversberg. Ein Fehler. "Das würde ich nicht noch mal machen. Ich war zu weit weg von meiner Familie, habe mich nicht wohl- gefühlt", berichtet Förster. Es folgten die Stationen Wacker Nordhausen und Energie Cottbus, wo er in den vergangenen zwei Jahren unter Vertrag stand. Nach einer starken ersten Saison wurde Förster wie schon so oft in seiner Laufbahn von Verletzungen geplagt. "Ich hatte eine Leisten-OP und einen Riss des Syndesmosebandes", erklärt der Stürmer. So konnte er beim Drittliga-Aufstieg der Lausitzer nur viermal auflaufen. In diesem Sommer dann die klare Ansage von Trainer Claus-Dieter Wollitz: "Er sagte mir, dass es für mich schwer wird zu spielen. Hätte ich mich auf die Bank gesetzt, wäre das ein weiteres verlorenes Jahr gewesen", so der 28-Jährige.

Schließlich flatterte das Angebot der VSG Altglienicke ins Haus. "Es war ansprechend, sodass ich mich schnell für die Berliner entschieden und bis 2020 unterschrieben habe", berichtet der Ex-Chemnitzer. Auch wenn der Vereinsname provinziell klingt: Die Kicker des Viertligisten sind mit einer Ausnahme Vollprofis, sagt Förster, der eine selbstkritische, schonungslose Bilanz seiner bisherigen Karriere zieht. Dass es mit Liga zwei oder eins nicht geklappt hat, liege an ihm selbst. "Ich habe nicht hundertprozentig für den Sport gelebt, bin in Chemnitz des Öfteren um die Häuser gezogen", gesteht Förster. Auch von seiner Familie und von Freunden müsse er sich anhören, dass er längst nicht das Maximale aus seinem Talent herausgeholt hat. "Ich hätte es weiter bringen müssen." Inzwischen sind die wilden Zeiten vorbei. "Ich habe eine kleine Tochter, bin ruhiger geworden", sagt der Wahl-Berliner.

Der finanzielle Niedergang seines Ex-Vereins CFC sei für ihn keine große Überraschung gewesen, erklärt der einstige Aufstiegsheld. "Nach meinem Weggang 2014 wurden pro Saison zehn Spieler verabschiedet und zwölf neue geholt. Diese wilden Verpflichtungen waren Schwachsinn", meint Förster. Es stimme ihn traurig, dass all das, was zu seiner Zeit beim Club aufgebaut worden war, leichtfertig aufs Spiel gesetzt wurde.

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