Ex-Chemnitzer Becker gönnt CFC den Aufstieg

Der CFC hat einen großen Schritt in Richtung Dritte Liga gemacht. Der Club gewann in Nordhausen - auch dank des Fauxpas von Wacker-Kapitän Tobias Becker.

Den Fans war es nach dem Abpfiff egal, ob tatsächlich alle Bedingungen für den Wiederaufstieg des Chemnitzer FC in die Dritte Liga gegeben sind. Sie stellten den Schalter auf Stimmung um und erklärten den Gästeblock im Albert-Kunz-Sportpark Nordhausen zur Partyzone. Nach dem 2:1 (2:1)-Sieg bei Wacker Nordhausen scheint der Weg nach oben für das Team von Trainer David Bergner frei. Da Verfolger Berliner AK, der beim Tabellenletzten Optik Rathenow 1:0 gewann, eigenen Aussagen zufolge keine Drittligalizenz beantragt hat, könnte der Aufstieg aus sportlicher Sicht besiegelt sein. Über eine Lizenzerteilung für den wirtschaftlich angeschlagenen Chemnitzer Club hat der DFB allerdings noch nicht entschieden.

Während die Chemnitzer Akteure von ihren Fans gefeiert wurden, bedankten sich die Nordhausener Spieler bei ihrem Anhang. Darunter befand sich auch Kapitän Tobias Becker. Der aus Schilda bei Torgau stammende Kicker wurde in der Nachwuchsabteilung des CFC ausgebildet, lief für die A-Junioren unter anderem in der Bundesliga auf und von 2005 bis 2010 in der ersten Mannschaft. Nach einer verkorksten Saison, in der er mit mehreren Erkrankungen zu kämpfen hatte, kehrte er den Himmelblauen den Rücken und wechselte zum 1. FC Magdeburg. "Es war gegen Chemnitz für mich sicherlich kein normales Spiel, weil ich schon in der C-Jugend dorthin gewechselt bin und lange blieb. Aber mittlerweile ist so viel passiert und der CFC ist für mich doch ein Stück weg", sagte der Mittelfeldstratege am Freitagabend.

Er rückte nach einer halben Stunde in den Fokus. Nachdem Dejan Bozic das 1:0 für die Himmelblauen erzielt hatte, bekam Nordhausen einen Elfmeter zugesprochen, den Becker mit voller Wucht an die Querlatte hämmerte und damit verschoss. Wacker schaffte dann zwar zügig den Ausgleich, doch noch vor der Pause zirkelte Paul Milde die Kugel zur erneuten Führung sehenswert in den rechten oberen Winkel des Wacker-Tores. "Das war sicherlich eines der schönsten Tore von mir und genau so gewollt", kommentierte Milde seinen Siegtreffer.

Tobias Becker würde seinem ehemaligen Club die Rückkehr in die Dritte Liga gönnen. "Wenn man die gesamte Saison so konstant spielt und auch das notwendige Glück dazukommt, hat man den Aufstieg verdient", meinte Becker. Er gab aber zu bedenken, dass die Rahmenbedingungen stimmen müssten. "Ich bin nur ein Außenstehender. Aber ich hoffe, das der Verein endlich zur Ruhe kommt. Wenn der sportliche Erfolg nicht da wäre, würde es in Chemnitz vielleicht etwas anders aussehen", so der Ex-Chemnitzer.

Nach zwei Jahren bei Magdeburg und vier Jahren im Trikot von KSV Hessen Kassel heuerte er im Sommer in Nordhausen an, wo er einen Vertrag bis 2020 besitzt. "Fußball spielen macht mir Spaß, ich will es auch so lange wie möglich machen. Aber darüber steht auf jeden Fall meine Familie, in der ich längst meinen persönlichen Frieden gefunden habe", sagte Becker. Ihm mache es nach wie vor große Freude, mit den Wacker-Jungs aufzulaufen. "Man hat gegen Chemnitz gesehen, dass uns auf dem Weg zur Spitzenmannschaft noch etwas fehlt. In Nordhausen kann sich aber durchaus etwas entwickeln", sagte der Kicker, der mit seiner Familie auch in der Stadt wohnt. Am Mittwoch kann Becker mit seinem Team den großen Wurf landen. Denn im Halbfinale des Thüringer Landespokals empfängt Nordhausen den Drittligisten Carl Zeiss Jena. Gern würde Becker dann nach dem Abpfiff mit seinen Fans ausgelassen feiern.

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2Kommentare
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  • 2
    10
    Blackadder
    15.04.2019

    "Der Stab über den Chemnitzer Profifussball wurde nach der Trauerfeier im Stadion gebrochen."

    Tja, schön dumm, sowas selbst und ohne Grund auszulösen als Fußballverein.

  • 4
    6
    Lesemuffel
    15.04.2019

    Wie soll denn Liga 3 finanziert werden? Wer mutet sich zu, den von der Politik abgeschriebenen Club zu unterstützen. Weiter Regionalliga, da können die Chemnitzer wenigstens in Auerbach "ihre" Anzeigetafel bei Auswärtspielen betrachten. Und die guten Spieler, der Trainer? Werden ziehen, den Letzten beißen die Hunde. Der Stab über den Chemnitzer Profifussball wurde nach der Trauerfeier im Stadion gebrochen.

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