Keine Vorteile beim Ticketkauf: CFC-Mitglieder sind verärgert

Drittligist Chemnitzer FC hat den Vorverkauf für Saisondauerkarten und für das Pokalspiel gegen den Hamburger SV gestartet - und damit eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Fürs Erste will der Verein aber nicht darauf reagieren.

Die Fanbetreuung in den sozialen Netzwerken klappt beim Chemnitzer FC eigentlich richtig gut. Aus dem aktuell stattfindenden Trainingslager in Polen werden regelmäßig Bilder und Videos hochgeladen, auch auf Fragen der Fans antwortet die Medienabteilung auf Facebook relativ schnell. Auf die fast 180 ausschließlich kritischen Kommentare sowie Nachfragen zum Ticketverkauf gab es bis Montag allerdings keine Regung vonseiten des Clubs. Und das macht die ohnehin schon enttäuschten Fans noch wütender.

Am vergangenen Freitag hatte der CFC verkündet, wie der Vorverkauf für das Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen Zweitligist Hamburger SV laufen soll. Knackpunkt dabei: In der ersten Verkaufsphase, die am Samstag startet, können nur Besitzer einer Dauerkarte oder Inhaber einer Tageskarte für das Testspiel am Freitag gegen den türkischen Erstligisten Alanyaspor Kulübü Karten kaufen. Ab Mittwoch startet dann der freie Verkauf. Was die Fans daran so aufregt: Vereinsmitglieder haben kein Vorkaufsrecht.

Keine Vorteile haben sie auch beim Kauf einer Dauerkarte. Hier gibt im Gegensatz zu den vergangenen Jahren keine Ermäßigung mehr für Mitglieder des CFC. Diese Vorgehensweise sucht bei Vereinen in der Region ihresgleichen. Beim FC Erzgebirge Aue, bei Dynamo Dresden und beim FSV Zwickau haben Mitglieder nicht nur Vorkaufsrechte, sie bekommen ihre Tickets auch zu günstigeren Preisen.

Nach der Insolvenz des CFC sind dessen Mitglieder nicht mehr verpflichtet, Beiträge zu zahlen. Insolvenzverwalter Klaus Siemon hatte aber dazu aufgerufen, den Neuanfang mit freiwilligen Zahlungen zu unterstützen. "Ich habe trotz Insolvenz und auf Bitten des Vereins meinen Mitgliedsbeitrag gezahlt. Und jetzt soll ich dafür kein Vorkaufsrecht für das Pokalspiel bekommen", empört sich ein Fan auf Facebook. Alle restlichen Kommentare klingen ähnlich, viele Fans kündigen ihren Austritt an und fordern eine Stellungnahme von der CFC Fußball GmbH, die seit Anfang dieses Jahres den ausgegliederten Profibereich organisiert. "Langsam wird es Zeit, sich mal seinen Fans, viele davon Mitglieder, und den hier gestellten Fragen zu stellen", schreibt ein Fan.

Im Gespräch mit "Freie Presse" vermutet dieser langjährige Anhänger eine Strategie dahinter, dass die Mitglieder verärgert werden. "Meine Vermutung ist, das man den Verein schwächen will. Je weniger Mitglieder dieser hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die GmbH die Gremien selbst aufstellen und beeinflussen kann." Seinen Namen will der Fan nicht in der Zeitung lesen. "Es wurden schon zu viele Stadionverbote unter ominösen Umständen erteilt", begründet er das.

Ein weiterer Kritikpunkt am Vorverkauf: Die Fanclubs erhalten für das DFB-Pokalspiel ein Sonderkontingent, das nur 200 Karten umfasst. Wie diese auf 90 Fanclubs verteilt werden sollen, ist für den neuen CFC-Fanbeauftragten Ralf Bernsdorf ein Rätsel. "Ich habe seit Freitag mehr als 100 Mails mit Anfragen erhalten. Ich weiß nicht, wer auf die Zahl 200 gekommen ist. Das geht so nicht", sagte er im Gespräch mit "Freie Presse". Er wolle sich nun bemühen, eine Lösung zu finden - auch zum Thema Vorteile für Vereinsmitglieder. Chancen auf Erfolg scheint er aber nicht zu haben. Wie CFC-Sprecher Steffen Wunderlich auf Anfrage mitteilte, habe der CFC die Kritik mitbekommen. "Und wir werden sie intern besprechen", sagt er. "Für den Vorverkauf für das Heimspiel gegen den HSV wird es keine Änderungen geben."


Kommentar: Chance vertan

Ohne Dich ist alles nichts. So steht es ganz groß auf der Homepage des CFC unter der Rubrik "Mitglieder".

Nach der Insolvenz im vergangenen Jahr wurden von den neuen Verantwortlichen viele Entscheidungen getroffen, mit denen langjährige Mitglieder nicht einverstanden waren. Der sportliche Erfolg aber gab der neu gegründeten GmbH recht, viele Mitglieder sahen den eingeschlagenen Weg zähneknirschend als alternativlos an und bezahlten sogar freiwillig ihre Beiträge.

Es wäre so leicht und auch ohne finanzielle Verluste gegangen, den treuen Mitgliedern mit einem Vorkaufsrecht für das HSV-Spiel Danke zu sagen, sie mit ins Boot zu holen. Diese Chance wurde vertan. Mehr noch: Gerade wo beim CFC Ruhe einzukehren schien, macht der Verein das nächste Pulverfass auf.

Bewertung des Artikels: Ø 4.6 Sterne bei 9 Bewertungen
4Kommentare
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  • 2
    7
    AliceAndreas
    09.07.2019

    Extrem schlau auch die Idee mit den 4 Karten im VVK für alle Dauerkarten Inhaber !!!
    Wenn also 1000 Leute mit DK auf der Süd kommen sind gleich mal 4000 Karten weg.
    Und die DK Inhaber der Sitzplätze werden am Samstag Ewigkeiten vor dem Monitor stehen um festzulegen wo denn die anderen 3 sitzen sollen. Das wird ein riesen Chaos!!!
    Dumm und unnötig das ganze!

  • 12
    4
    Lesemuffel
    09.07.2019

    @889024 Dann sollte dieser Vorstand aber genügend Kapital aufbringen, um der GmbH Contra geben zu können. Es geht hier um Profifussball. Wer seine Freizeit mit modern gegen alle und jene verbringen möchte, sollte auf Kreiklassenplätze gehen. Ohne Moos nix los. So einfach ist das. Von Zuschauereinnahmen und Mitglieder beiträgen kann man keine Profimannschaft erhalten, weder im Fussball noch in anderen professionellen Sportarten. Endlich mal begreifen!

  • 14
    2
    698236
    09.07.2019

    Ich würde den Vorteil auf die Clubmitglieder begrenzen, die auch weiterhin freiwillig ihren Mitgliedsbeitrag überwiesen haben. Vielleicht ist das ja mal ein Anreiz seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Club nachzukommen. Leider geht heute nichts mehr ohne Zwang.

  • 8
    5
    881924
    09.07.2019

    Mit der Schwächung des Vereins hat der Fan den Nagel auf den Kopf getroffen, scheint ein Insider zu sein. ;-) Hoffentlich riechen die ganzen Fans den Braten und setzen einen starken Vorstand im Verein ein der auch mal Contra gegenüber der GmbH gibt. Sport Frei



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