"Mit dem Basketballsport habe ich komplett abgeschlossen"

Der ehemalige Niners-Kapitän über seine Verletzung und das Leben nach der Karriere als Profisportler

Bis zum Ende der letzten Saison führte Michael Fleischmann die Chemnitzer Zweitligabasketballer als Kapitän aufs Feld - wenn er nicht gerade wieder verletzt war. Das lädierte Knie zwang ihn schließlich dazu, seine Karriere zu beenden. Warum er dem Leben zwischen Training und Spielen kein bisschen nachtrauert, erzählt der Familienvater im Gespräch mit Thomas Reibetanz.

Freie Presse: Nach einem Höhenflug zu Beginn der Saison haben die Niners gerade eine Schwächephase. Was sagt der ehemalige Kapitän dazu?

Michael Fleischmann: Nicht viel. Denn ich muss gestehen, dass ich die Saison der Niners nur am Rande verfolge. Ich habe mitbekommen, dass sie sehr gut gestartet sind und dass sie jetzt ein paar Spiele verloren haben. Viel mehr aber auch nicht.

Wirklich? Sie waren bis zum Sommer Kapitän des Teams ...

Ja, wirklich. Ich habe mit dem Basketballsport komplett abgeschlossen. Das liegt zum einen an meiner Knieverletzung, die immer schlimmer geworden ist. Leider hieß es im vergangenen Frühjahr immer wieder, das sei nicht so schlimm. Das stellte sich aber als Fehler heraus. Zum anderen war auch einfach der Akku leer. Ich war müde vom Profisport mit all seinen Entbehrungen.

Dabei heißt es immer, ein Sportprofi macht sein Hobby zum Beruf - besser geht es doch nicht.

Das stimmt schon. Wenn du aber eine Familie hast und nur noch damit beschäftigt bist, die Termine irgendwie so zu planen, dass du dir mit deiner Frau und deinen Kindern nicht nur noch die Klinke in die Hand gibst, ist das belastend. Ich war an den Wochenenden unterwegs, hatte zu wenig Zeit für meine Kinder. Das ist jetzt anders, und das genieße ich.

Den Sportler Michael Fleischmann gibt es also nicht mehr?

Im Moment nicht. Und ich kann aktuell auch nicht absehen, dass ich wieder anfange - obwohl es viele Angebote gab. Wir haben uns im Sommer entschieden, wieder nach Wolfenbüttel zu ziehen, wo meine ältere Tochter in die Schule und die jüngere in den Kindergarten geht. Meine Frau hat eine Anstellung als Leiterin eines Kindergartens gefunden, ich arbeite an meinem Abschluss als staatlich geprüfter Techniker. Ich habe im Sommer noch einmal eine Reha begonnen, um vielleicht doch noch einmal zu spielen - das hat aber nichts gebracht.

Fiel der Abschied vom Basketball wenigstens etwas schwer?

Ehrlich gesagt nicht, denn meine letzte Saison bei den Niners war sehr kräftezehrend. Körperlich, aber auch mental. Nach dem knapp verpassten Aufstieg im Frühjahr 2017 klappte in der Folgesaison nur noch wenig, und wir als Mannschaft waren immer die Schuldigen. Wir haben uns untereinander zwar gut verstanden, aber das Gesamtkonstrukt hat irgendwie nicht mehr gepasst. Der Umbruch, der jetzt gemacht wurde, war nötig. Und man hat ja auch gesehen, dass er zumindest zu Beginn der Saison erfolgreich war.

Jetzt aber ist der Wurm drin. Wenn die Niners am heutigen Freitag ihr Heimspiel gegen Trier verlieren, wäre das die dritte Niederlage in Folge. Wie kommt man aus so einer Situation wieder raus?

Um das zu beurteilen, bin ich zu weit weg. Generell denke ich aber, dass man als Team bereit sein muss, jedes Spiel zu gewinnen. Das nach den Verletzungssorgen und der Rückkehr einiger Leistungsträger wieder hinzubekommen, ist nicht immer einfach. Mit dem neuen Niners-Kapitän Malte Ziegenhagen bin ich gut befreundet und auch noch häufig in Kontakt. Wenn ich mit ihm spreche, höre ich viel Optimismus heraus, dass die Mannschaft wieder erfolgreich wird.


Michael Fleischmann

Der 32-Jährige wurde in Suhl geboren und sammelte in Stahnsdorf erste Erfahrungen im Profi-Basketball-Sport. Zwischen 2007 und 2010 stand er in Wolfenbüttel und Braunschweig unter Vertrag. Nach Stationen in Würzburg und Paderborn ging es 2013 nach Nürnberg. Im Sommer 2016 wechselte er nach Chemnitz, wo er das Team bis zum Ende seines Vertrages im vergangenen Sommer als Kapitän führte. Fleischmann lebt jetzt mit seiner Frau und den beiden Töchtern wieder in Wolfenbüttel. (tre)

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...