Mit harten Jungs aus dem Schatten der "Schwarzen Perlen"

Die Wasserballer des SC Chemnitz haben sich mit einem Turnier in der eigenen Halle auf den Saisonstart vorbereitet. Das nächste Pflichtspiel hat es gleich in sich - doch Vorfreude besiegt Angst.

"Da gibt's was auf die Badekappe", sagt Lars Brand, wenn er an das Spiel seiner Mannschaft am kommenden Wochenende denkt. Eigentlich ist er als Trainer der Wasserballmänner des Schwimmclubs Chemnitz (SCC) ja dafür da, seine Jungs zu motivieren. "Das werde ich auch am Samstag tun - eine Chance haben wir wohl dennoch nicht", sagt Brand.

Denn der Gegner heißt SV Bayer Uerdingen und gehört zu den großen Namen im deutschen Wasserball. Seit 1995 gehörte das Team aus dem Ruhrpott ununterbrochen zur Gruppe A der Bundesliga, nach einem personellen Umbruch kam in diesem Sommer der Abstieg in die leistungsschwächere Gruppe B. Am kommenden Samstag sind die Uerdinger dennoch klarer Favorit beim Zweitliga-Team aus Chemnitz. "Wir freuen uns auf dieses Spiel, auch wenn es ein ganz schwerer Brocken wird", sagt Nico Brunner. Er gehört zu den "jungen Wilden", mit denen die Männermannschaft des SCC in den kommenden Jahren aus dem Schatten des Frauenteams treten will.

Die "Black Pearls", übersetzt heißt das "Schwarze Perlen", spielen mit vielen Sportgymnasiastinnen und einigen Nationalspielerinnen in der Frauen-Bundesliga, Chemnitz ist im Damenwasserball Bundesstützpunkt. "Das ist natürlich eine andere Hausnummer und ein sehr erfolgreicher Weg, den wir so nicht gehen können", sagt Männertrainer Lars Brand. "Unser Ziel ist es, mit Jungs aus der Region eine Mannschaft aufzubauen, die in der Zweiten Liga mithalten und in ein paar Jahren vielleicht auch mal nach weiter oben schielen kann."

Neben Nico Brunner gehört auch Trainersohn Ben Brand zu den Talenten, die immer mehr in die erste Männermannschaft drängen. Beide sind 17 Jahre jung, beide spielen seit sieben Jahren Wasserball - und das sieht man den athletischen jungen Männern auch an. "Das Training und die harten Wettkämpfe machen die Jungs fit", sagt Trainer Brand, dessen Sohn irgendwie keine Wahl hatte, für welchen Sport er sich einmal entscheidet. "Nein, ich musste zum Wasserball", sagt Ben Brand und lacht. "Bereut habe ich das aber nie. Ich mag es, mich beim Sport so richtig auszupowern."

Bei einer Spielzeit von vier mal acht Minuten mit ständigen Schwimmbewegungen, Würfen und etlichen Zweikämpfen, die nicht selten unter der Gürtellinie und damit außerhalb des Sichtfeldes der Schiedsrichter stattfinden, ist Wasserball für ihn dann die perfekte Sportart.

Nico Brunner sieht das ähnlich. "Vor zwei Jahren sind wir aus dem Jugend- in den Männerbereich hochgekommen. Hier geht es ganz anders zur Sache. Wer hier nicht mitmacht, geht im wahrsten Sinne des Wortes unter", sagt der junge Mann, der wie sein Teamkollege eine Ausbildung in einem technischen Beruf absolviert. "Wenn du nach einem Spiel aus dem Wasser kommst, bist du oft völlig im Eimer und hast auch den einen oder anderen blauen Fleck. Männersport eben." Und so gehen die zwei jungen Wasserballer auch am Samstag wie echte Männer ins Becken und werden sich vor dem großen Favoriten nicht verstecken.

Am vergangenen Wochenende konnten die Chemnitzer ihre Form testen, bei einem gut besetzten Turnier in eigener Halle schafften sie es bis ins Halbfinale. "Das war richtig gut", sagte Trainer Brand zum Abschneiden seiner Jungs beim "Nischl-Cup".

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