Niners vor Spiel gegen Bayreuth: Die neuen Helden treffen auf einen alten

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Die Niners Chemnitz empfangen am Samstag in der Basketball-Bundesliga das Team aus Bayreuth. Nach dem bisherigen Saisonverlauf kommen sie um die Favoritenrolle nicht herum - weil Neuzugänge wie Nelson Weidemann die Stars der letzten Saison sehr gut ersetzt haben. Einer davon kehrt am Samstag zurück.

Chemnitz.

Es soll ja Spitzensportler geben, die in ihrer Freizeit die Ruhe mögen und lieber unerkannt bleiben wollen. Nelson Weidemann gehört offensichtlich nicht dazu. "Ich finde es unglaublich cool in Chemnitz", sagt er. "Das ist mein erster Verein, bei dem ich von Fans auf der Straße angesprochen werde. Ich liebe es, wie die ganze Stadt mitgeht und wie laut die Fans in der Halle sein können." Oder anders gesagt: Nelson Weidemann fühlt sich bei seinem neuen Verein, den Niners, rundherum wohl.

Und das sieht man dem 22-Jährigen auch auf dem Spielfeld an. Mit 14 Punkten, drei Rebounds, drei Assists und drei Steals ("geklauten" Bällen) gehörte er beim 90:82-Sieg der Chemnitzer im Ligaspiel in Hamburg ebenso zu den besten Spielern seiner Mannschaft wie beim 87:85 zuletzt im Pokal gegen Ulm - hier steuerte er 15 Punkte, drei Rebounds, einen Assist und zwei Steals zum Erfolg bei. "Ja, es läuft ganz gut bei mir gerade", sagt Weidemann und ergänzt sofort: "Ich kann aber nur glänzen, weil das ganze Team super harmoniert und mich immer wieder in gute Positionen bringt."

Es ist also keineswegs so, dass sich der gebürtige Berliner nur deshalb in Chemnitz wohlfühlt, weil es hier so viele positiv verrückte Fans gibt. Auch sportlich könnte es gerade kaum besser laufen - für Weidemann kein Zufall. "Wir haben in der Vorbereitung sehr hart gearbeitet. Das zahlt sich jetzt aus", sagt er. "Dass wir zum Start gleich mal gegen drei Playoff-Teams der vergangenen Saison gewinnen, ist zwar schon etwas überraschend. Es war aber auch jedes Mal verdient."

Was harte Arbeit in der Vorbereitung bedeutet, weiß seit diesem Sommer kaum einer besser als Nelson Weidemann. Nachdem er, das große Basketballtalent, 2016 zum FC Bayern München gewechselt war, wurde er zunächst nach Bamberg und in der vergangenen Saison nach Göttingen verliehen, um dort Spielpraxis zu sammeln. Noch immer halten die Münchner an ihrem jungen Spielmacher fest, auch nach Chemnitz ist er nur ausgeliehen - diesmal aber für zwei Jahre. "Offiziell bin ich seit dem 2. August hier, ich habe vorher aber schon einige Wochen allein mit Trainer Rodrigo Pastore gearbeitet", sagt Weidemann. "Das hat mir wirklich viel gegeben und ich habe den Verein, die Stadt und alles, was dazugehört, in Ruhe kennenlernen dürfen. Das hat mich nur noch mehr darin bestärkt, zu den Niners zu wollen."

Dass das Losglück seinem neuen Verein gerade ein Pokalspiel gegen seinen eigentlichen Arbeitgeber beschert hat, freut Nelson Weidemann besonders. "Aber nicht, weil es gegen die Bayern geht. Sondern weil es ein Pokal-Viertelfinale ist. Ich hoffe, dass ich die Messe dann mal rappelvoll erleben kann." Am 14. November empfangen die Chemnitzer den FC Bayern München im Pokal, zuvor gibt es aber noch fünf Spiele in der Liga zu bestreiten. Und wenn die Chemnitzer so weiterspielen wie bisher, wird es wohl nicht bis Mitte November dauern, ehe die Messe bis auf den letzten der 4700 erlaubten Plätze gefüllt ist.

Einer, der die Niners-Heimstätte ausschließlich ohne Fans kennengelernt hat, wird sie am Samstag erstmals lautstark erleben: Mit Marcus Thornton haben die Gäste aus Bayreuth den besten Chemnitzer Scorer der vergangenen Saison in ihrem Kader. Der US-Amerikaner war im Sommer 2020 zu den Niners gekommen und hatte großen Anteil am Klassenerhalt des Aufsteigers. Von den Fans wurde er zum wichtigsten Spieler der Saison gewählt. Dennoch suchte er im Sommer dieses Jahres beim BBL-Konkurrenten eine neue Herausforderung - auch, weil er dort international spielen kann.

"Ich freue mich sehr auf meine Rückkehr und über die Chance, die tolle Atmosphäre in der Messe mit den Chemnitzer Fans endlich mal erleben zu können", sagte Thornton der "Freien Presse". Die Niners seien sehr stark in die Saison gestartet, er wolle aber mit Bayreuth den ersten Sieg in dieser Saison holen. "Das wird also für alle ein lustiges Spiel", so der 28-Jährige.

Die Oberfranken haben erst ein BBL-Spiel (74:86-Niederlage in Gießen) absolviert, weil sie Ende September am Qualifikationsturnier für den Europe Cup im russischen Krasnojarsk teilgenommen und dieses gewonnen haben. Damit sind die Bayreuther neben Alba Berlin und Bayern München (Euro League), Ratiopharm Ulm und den Hamburg Towers (Euro Cup), den MHP Riesen Ludwigsburg und den EWE Baskets Oldenburg (Champions League) sowie den Merlins Crailsheim (Europe Cup) das achte deutsche Team, das in dieser Saison international spielt.

Nelson Weidemann jedenfalls freut sich auf den nächsten starken Gegner, den er und seine Niners vor der Brust haben. "Natürlich wollen wir den nächsten Sieg holen, auch wenn das sehr schwer wird", sagt er. "Aber mit unseren fantastischen Fans im Rücken ist jeder Gegner schlagbar." Wenn das tatsächlich gelingt, wird Weidemann wohl bald keinen Schritt mehr unbemerkt durch Chemnitz laufen können.

Liveticker Vom Heimspiel der Niners gegen Medi Bayreuth berichtet "Freie Presse" am Samstag ab 19.30 Uhr in einem Liveticker auf www.freiepresse.de

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