SV Eiche: Schachspieler nimmt achtstündige Anreise in Kauf

Štefan Mazúr kommt aus der Ostslowakei und ist die Nummer eins beim Chemnitzer Sachsen- ligisten. Auch für andere europäische Clubs fährt er weite Strecken.

Wenn er trainiert, setzt er sich an den Laptop. Der Slowake Štefan Mazúr analysiert in den Schach-Datenbanken im Internet, welche Züge sein Gegner am häufigsten wählt, und entwirft daraus eine eigene Strategie. "Wenn meine Vorbereitung Erfolg hat, ist das spannend - aber wenn der Kontrahent anders spielt, muss ich anfangen zu denken", erklärt der 25-Jährige mit einem Lächeln. Mazúr tritt für den SV Eiche Reichenbrand an. Er trägt den Titel eines Internationalen Meisters (weltweit höchste Einstufung nach Großmeister) und ist damit stärkster Spieler im Team.

Der Kontakt mit den Eiche-Denksportlern kam nach einem Sieg Mazúrs beim Turnier Chemnitzer Turm Open zustande. Für Punktspiele reist er aus dem rund 870 Kilometer entfernten Michalovce nahe der Grenze zur Ukraine an. Die Fahrt mit Bus oder Zug nimmt jeweils rund acht Stunden in Anspruch, so Mazúr. Dank "Spenden privater Schach-Enthuasiasten" erhält er eine Aufwandsentschädigung, berichtet Günter Schmidt, Abteilungsleiter Schach bei Eiche.

Für Punktspiele eine dermaßen weite Strecke zurückzulegen, ist für Štefan Mazúr nichts Besonderes: Er ist neben zwei Ligen in der Slowakei auch in Österreich und Ungarn aktiv und nimmt an Turnieren teil. Für rund 80 Spiele pro Jahr reist er nach eigener Aussage quer durch Europa, aber auch nach Abu Dhabi. "Normal für Profis", fügt er hinzu. Mit dem königlichen Spiel angefangen hatte er als Achtjähriger. Mutter und Schwester waren seine ersten Herausforderer. Es folgten Schachspiele in der Schule, Turnier- gewinne, der Titel Stadtchampion. Mit neun Jahren wurde er erstmals Slowakischer Meister in seinem Altersbereich und holte den Titel später in allen Jugendklassen.

In diesen Tagen erlebt er, wie er sagt, seinen größten Erfolg: Mazúr führt als Mannschaftskapitän das slowakische Team bei der Schacholympiade in Georgien an. Seine Aufgabe sei es, die Spieler auszuwählen, vor Partien zu beraten und danach den Verlauf zu analysieren. Mazúr macht keinen Hehl daraus, dass er selbst gern zum Großmeister aufsteigen würde. Das könnte schwierig werden, denn seit diesem Monat konzentriert sich der 25-Jährige nicht mehr nur aufs Schachspielen. Der Slowake, der einen Master-Abschluss in Psychologie in der Tasche hat, trat einen festen Job in einer Personalabteilung an. Eine bewusste Entscheidung. "Schach wird immer eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen, aber ich möchte, dass es um mehr geht als 64 Felder", unterstreicht Mazúr. Für Eiche Reichenbrand werde er in dieser Saison dennoch regel- mäßig am Spitzenbrett sitzen.

Noch tritt die Mannschaft in der Sachsenliga als vierthöchster Spielklasse an. Doch Abteilungsleiter Schmidt will mehr, schließlich verfüge man neben dem Slowaken noch über weitere gute Spieler. "Wir rechnen uns Chancen auf den Aufstieg aus", sagt Schmidt. Daran ändert sicherlich auch der missglückte Auftakt nichts: Beim SK König Plauen II unterlagen die Chemnitzer deutlich - trotz des Sieges von Štefan Mazúr.

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