Warum die Chefin der Chemcats auch nach Niederlagen lächelt

Lucile Peroche hat in den Nachwuchsauswahlteams für Deutschland gespielt und gehört zu den besten Spielerinnen ihres Vereins. Auch nach einer Saison mit nur einem Sieg will sie in Chemnitz bleiben - weil sie hier eine Zukunft sieht.

Dass die Saison 2019/20 eine schwere sein würde, war Lucile Peroche klar. Vor einem Jahr spielte sie mit den Chemcats noch unter einer US-amerikanischen Trainerin in einem international besetzten Team um den Klassenerhalt in der 1. Basketball-Bundesliga. Der wurde zwar geschafft, aus finanziellen Gründen zog sich der Verein aber aus der höchsten deutschen Spielklasse zurück. Trainerin und fast alle Spielerinnen verließen daraufhin den Verein, in dessen Führungsetage Machtkämpfe tobten.

Lucile Peroche blieb dennoch. "Weil ich mit der TU Chemnitz eine herausragende Uni in meinem Studiengang Mathematik habe", sagt sie heute. "Und zum anderen, weil Chemnitz und der Verein zu meiner Heimat geworden sind. Ich wollte mithelfen, dass es wieder bergauf geht." Peroche sollte die Chefin auf dem Parkett sein, um sie herum wurde eine Mannschaft mit Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs geformt - viele davon gehörten zu dem Team, das 2019 sensationell den Deutschen Meistertitel in der Nachwuchs-Bundesliga holte.

Am heutigen Samstag (16 Uhr in der Schloßteichhalle) steht das letzte Heimspiel der aktuellen Saison in der 2. Bundesliga an, es geht gegen den Tabellenführer Braunschweig. Die Gäste sind turmhoher Favorit, denn die Chemcats belegen mit nur einem Sieg aus 16 Spielen abgeschlagen den letzten Tabellenplatz. "Vielleicht gelingt uns ja die Überraschung", sagt Lucile Peroche. "Dass wir es können, haben wir eigentlich in jedem Spiel gezeigt."

Die 21-Jährige lächelt, als sie das sagt. Nicht weil es Galgenhumor in einer aussichtslosen Situation ist. Nein - sie mag ihr Team und den Weg, den der Verein gerade geht. "Unsere Lage hat die Mannschaft zusammengeschweißt. Wir sind eine Einheit, die sich nicht unterkriegen lässt", sagt die Führungsspielerin, die auch in der kommenden Saison für die Cats auflaufen will - egal, in welcher Liga sie antreten.

Denn der Abstieg in die Regionalliga ist keinesfalls besiegelt. Erst in den kommenden Tagen entscheidet der Verband, wie die Zweite Liga in der kommenden Saison zusammengesetzt wird. "Theoretisch sind es zu wenig Mannschaften", sagt Chemcats-Trainer Thomas Seltner. "Wir werden auf jeden Fall eine Wildcard beantragen." Sollte es klappen, dass die Cats weiter in der 2. Bundesliga aktiv sind, sieht Lucile Peroche gute Chancen, dass es sportlich besser läuft. "Wir haben in dieser Saison nur selten hoch verloren. In den meisten Spielen waren wir bis zum Schluss dran, am Ende hat dem jungen Team aber auch die Cleverness gefehlt", so die gebürtige Dresdnerin, die in der achten Klasse ans Chemnitzer Sportgymnasium gewechselt ist und mit der deutschen U 20 bei der Europameisterschaft gespielt hat.

Auch im Umfeld des Vereins sieht Peroche die aktuelle Saison als großen Schritt nach vorn. "Um unsere Mannschaft herum wächst hier wieder etwas zusammen, was es lange nicht gab", sagt sie. "Es kommen wieder mehr Fans zu den Spielen, der Nachwuchs feiert Erfolge, es gibt wieder mehr ehrenamtliche Helfer." All das sind Gründe, warum die Chefin der Chemcats auch nach Niederlagen lächeln kann.


Kommentar: Hochachtung

Es ist ja nicht nur so, dass die junge Frauenmannschaft der Chemcats trotz etlicher Niederlagen nicht aufgibt und in jedem Spiel aufs Neue versucht, so gut wie möglich aufzutreten. Dazu kommt, dass ein Großteil dieses Teams auch noch in der Nachwuchsbundesliga spielberechtigt ist. Deshalb haben sie an fast allen Wochenenden Doppeleinsätze, die bei den Spielerinnen an die Substanz gehen und bei den Verantwortlichen mitunter logistische Kunststücke verlangen, um die Fahrten quer durch Deutschland zu koordinieren. Dass es dennoch eine Aufbruchstimmung bei den Cats gibt, verdient Hochachtung.


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