Wie der Polizeisportverein sein großes Jubiläum vorbereitet

Die rund 1200 Mitglieder starke Gemeinschaft feiert 2020 das hundertjährige Bestehen. Eines der schönsten Geschenke könnte der Start von zwei Vereinsmitgliedern bei den Olympischen Spielen in Tokio werden.

Es dürfte sich um den dynamischsten 100-Jährigen der Stadt handeln: 2020 feiert der Chemnitzer Polizeisportverein (CPSV) sein großes Jubiläum. Die Gründungsmitglieder werden zur Fete entschuldigt fehlen, sie haben längst das Zeitliche gesegnet. Wären sie noch unter uns, könnten sie eine Menge erzählen. Zum Beispiel über den Bau einer Fußballarena an der Gellertstraße, der heutigen Spielstätte des Chemnitzer FC.

Von 1932 bis 34 ließ der Polizeisportverein als einer der damals führenden Klubs in Sachsen dort ein Stadion errichten. Legendäre Spieler wie Erwin Helmchen sorgten dafür, dass der Verein deutschlandweit bekannt wurde - unter anderem durch einen 5:2-Sieg im Juni 1934 gegen den FC Madrid, bei dem mit Ricardo Zamora einer der weltbesten Torhüter zwischen den Pfosten stand. Von den Chemnitzern musste sich Zamora jedoch regelrecht abschießen lassen.

Solch spektakuläre Ereignisse hat der CPSV heute zwar nicht mehr zu bieten, dennoch hat der Verein in der städtischen Sportszene nach wie vor eine führende Rolle inne. "2019 war für uns ein erfolgreiches Jahr. Wir nehmen mit unseren annähernd 1200 Mitgliedern in 20 Sportarten rege am Sportbetrieb teil", betont Volker Lange. Er ist seit zwölf Jahren Präsident des CPSV. "Vier sollten es nur werden", bemerkt Lange. 2019 konnte der Verein vor allem wieder mit der Ausrichtung eines Top-Ereignisses im Radsport überzeugen: Die Erzgebirgsrundfahrt wurde zum 40. Mal ausgetragen. "Nächstes Jahr im Mai gibt es eine weitere Auflage. Wir werden dieses Highlight im sächsischen Radsport erhalten. Die Veranstaltung wird ebenfalls ganz im Zeichen des hundertsten Vereinsgeburtstages stehen", kündigt der 64-Jährige an.

Zudem hat der CPSV noch drei weitere "große Sachen" zum Jubiläum in Vorbereitung, wie Pressesprecher Reinhard Walther erklärt. "Anfang Juli laden wir zu einem Schwimmfest für jedermann ins Sportforum ein. Das Motto lautet: 100 mal 100, was heißen soll, dass 100 Schwimmerinnen beziehungsweise Schwimmer jeweils 100 Meter zurücklegen", sagt Walther. Ebenfalls im Juli soll auf der Anlage an der Forststraße ein Erlebnissportfest mit Rahmenprogramm für Familien steigen. Anfang September stehe schließlich noch eine Festveranstaltung im Chemnitzer Hof für Mitglieder und geladene Gäste auf dem Programm. Der exakte Gründungstag des Vereins ist übrigens der 16. August 1920.

Obwohl der CPSV als Breitensportgemeinschaft daherkommt, kann er seinen runden Geburtstag sogar mit der Teilnahme von zwei seiner Mitglieder an den Olympischen Spielen in Tokio krönen. "Ich wünsche mir sehr, dass wir in Japan mit unseren Bahnradsportlern Joachim Eilers und Stefan Bötticher dabei sind", hofft Vereinschef Lange auf die Qualifikation der beiden Aushängeschilder. Außerdem drücke man dem gehandicapten Leichtathleten Hans-Ulrich Prill für dessen angepeilten Start bei den Paralympics in Tokio die Daumen.

Seinen alltäglichen Sportbetrieb in der Stadt bietet der CPSV mithilfe zahlreicher ehrenamtlicher Mitstreiter an drei Standorten an: Neben der Forststraße am Fuße des Sonnenbergs sind dies die Halle an der Ernst-Wabra-Straße im Heckertgebiet und ein Kampfsportzentrum auf zwei Etagen an der Kappelbachgasse. "Wir unterbreiten also auch an sozialen Brennpunkten Freizeitangebote, wollen damit die dortige Entwicklung positiv beeinflussen. Etwa zehn Prozent unserer Mitglieder haben einen Migrationshintergrund", erklärt Lange.


Nach Kunstrasenbau weitere Investitionen geplant

Ein vorgezogenes Präsent zum 100. Geburtstag hat sich der CPSV bereits vor wenigen Wochen mit der Eröffnung eines Kunstrasenplatzes an der Forststraße gemacht. Es handelt sich um die erste Sportstätte in Sachsen, deren Flutlichtanlage mit LED-Lampen ausgestattet ist und die ohne Kunststoffgranulat auskommt. Stattdessen ist der Kunst- rasen umweltfreundlich mit Sand verfüllt. Die Gesamtkosten lagen bei reichlich einer halben Million Euro, 50.000 davon trug der CPSV.

Das soll es aber noch nicht gewesen sein: Ab 2021 plant Präsident Volker Lange für insgesamt 1,9 Millionen Euro ein weiteres Projekt: Der Naturrasenplatz an der Forststraße soll erneuert werden. "Und auch unsere Leichtathletik-Anlage wollen wir modernisieren, sie soll eine neue Bahn erhalten", so Lange. Das sei wieder nur mit Fördergeldern möglich. 2021 wird der CPSV finanziell entlastet. Dann sind laut Präsident beide Kredite für die 2002 eingeweihte Sport- halle an der Forststraße getilgt. (ms)

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