Wie sich ein Ex-Niners-Spieler langsam ins Leben zurückkämpft

Die Playoff-Spiele gegen Hamburg hatten für die Chemnitzer Basketballer kein gutes Ende. Dennoch gab es einen positiven und emotionalen Moment: Der bei einem Unfall schwer verletzte ehemalige Mitspieler Noah Berge besuchte die Mannschaft.

Gerade erst hatte ihr Team eine bittere 96:98-Niederlage im vierten Playoff-Halbfinale bei den Hamburg Towers kassiert, da war Basketball für die Niners-Spieler Malte Ziegenhagen und Jonas Richter auch schon wieder komplett unwichtig. Beim Kapitän und beim Youngster überwog direkt nach der Schlusssirene für ein paar Minuten die Freude über das Wiedersehen mit einem besonderen Zuschauer am Spielfeldrand: Noah Berge war in die Arena gekommen, um die Chemnitzer spielen zu sehen. "Zu sehen, dass er seinen Rollstuhl eigenständig bedienen konnte und dass er ohne Beatmungsgerät in der Halle war, hat mich sehr gefreut", sagt Malte Ziegenhagen, der sich in Hamburg kurz mit seinem ehemaligen Mitspieler unterhielt. "Bei aller Enttäuschung über unseren verpassten Aufstieg - so etwas macht einen froh."

Dass Noah Berge überhaupt noch einmal eine Sporthalle besuchen kann, grenzt an ein Wunder - denn lange Zeit schwebte der junge Mann in Lebensgefahr. Am 4. Oktober des vergangenen Jahres wurde er in Jena von einer Straßenbahn angefahren und schwer verletzt. "Ich habe absolut keine Erinnerung an meinen Unfall", sagt der 21-Jährige im Telefonat mit "Freie Presse". Wie Noah Berge sagt, habe er die erste Studentenparty in der neuen Heimat Jena besucht, wo er im Herbst an der Sportfakultät der dortigen Universität ein Studium aufnehmen wollte. "Ich weiß noch, dass ich meiner Freundin versprochen hatte, um zehn Uhr loszumachen", erinnert er sich. "Dass ich um zehn gestartet bin, weiß ich auch noch. Der Rest fehlt."

Ende Oktober erwachte Berge in der Uniklinik Halle aus dem Koma. Dort wurde er lange Zeit künstlich beatmet. "Vor eineinhalb Monaten wurde ich dann nach Hamburg verlegt, weil es hieß, dass man im Krankenhaus dort das eigenständige Atmen sehr gut erlernen kann", erzählt Berge. "Das hat sich bewahrheitet. Ich habe Fortschritte gemacht, muss nicht mehr beatmet werden."

Dass die Niners - der Club also, zu dem der ambitionierte Basketballer 2013 im Alter von 14 Jahren wechselte und dort vier Jahre lang ausgebildet wurde - ausgerechnet gegen Hamburg um den Aufstieg in die Bundesliga kämpften, gab Berge die Chance, das Team live zu sehen. "Der Besuch in der Halle war mein erster Gang in die Öffentlichkeit nach dem Unfall überhaupt. Es war sehr emotional, aber auch sehr schwer", sagt er. "Und dann haben die zu allem Überfluss auch noch verloren."

Bis Anfang August müsse er noch in der Hamburger Klinik bleiben, ehe er wieder nach Hause kann, sagt Berge. "Wie es dann weitergeht, weiß ich absolut noch nicht. Ich habe am Rande mitbekommen, dass es eine Spendenaktion für mich gegeben hat. Das ist natürlich eine großartige Sache, denn wir werden Geld für den passenden Rollstuhl und den Umbau der Wohnung in Leipzig brauchen." Mehr als 100.000 Euro waren binnen kurzer Zeit zusammengekommen, Berges Unfall hatte in ganz Deutschland für Schlagzeilen und für eine Welle der Hilfsbereitschaft gesorgt. Auch Bundesligavereine wie Alba Berlin und Bayern München sowie prominente Sportler und Schauspieler spendeten.

Zu seinem aktuellen Gesundheitszustand sagt Noah Berge: "Ich kann meine Schultern bewegen. Darunter nichts. Ich weiß nicht, ob sich daran noch einmal etwas ändert." Niners-Kapitän Malte Ziegenhagen und Jonas Richter, der während Berges Zeit am Chemnitzer Sportgymnasium zu dessen besten Freunden zählte, glauben fest daran. "Die Medizin macht Fortschritte. Und Noah ist ein Kämpfertyp", sagt Ziegenhagen. "Wir als Niners werden mit ihm in Kontakt bleiben und helfen, wo auch immer es geht."

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