"Angst ist nicht erlaubt"

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Nach einigen Umwegen ist Lucy Glöckner wieder in der Motorradmeisterschaft gelandet. Im Team Gert56 nimmt sie es einmal mehr mit den Männern auf.

Krumhermersdorf.

Das German Endurance Racing Team 56 (Gert56) vermeldet Neues: Lucy Glöckner soll mit Toni Finsterbusch die Serie 2021 der IDM Superbike 1000 bestreiten. Vermutlich duelliert sich die einstige Sportlerin des Jahres im Erzgebirgskreis dann wieder als einzige Frau mit den Männern. Dazu rollt sie eine BMW M 1000 RR aus der Box. "Das ist eine Herausforderung für mich nach zwei Jahren Abstinenz", gibt die 30-Jährige offen zu. Und obwohl sie sich 2018 auf dem Schleizer Dreieck schwer verletzte, hat sie keinen Bammel. "Angst ist nicht erlaubt", betont sie.

Die mutige Dame ist keine Unbekannte im Team Gert56. Mit ihm bestritt sie Superstock-Rennen in der Endurance-WM. Als größten Erfolg sieht sie jedoch den 1. Platz beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans, der bleibt in Erinnerung. "Dort habe ich es geschafft, als bisher einzige Frau ganz oben auf dem Podest zu stehen. Der Sieg - mit Stefan Kerschbaumer und Toni Finsterbusch - ein Traum", erzählt Glöckner.

Bevor es im August 2020 zu diesem Auftritt in Frankreich kommen konnte, hatte die Krumhermersdorferin einiges auszustehen. "Stürze gehören zwar irgendwie zum Geschäft", so Glöckner, doch mit komplizierten Verletzungen müssen sie ja nicht unbedingt einhergehen. Taten sie aber: "2018 habe ich mir auf dem Schleizer Dreieck den dritten Lendenwirbel gebrochen, er war glatt durch", erzählt die 30-Jährige, die bei einer Aufholjagd einen Kontrahenten touchierte, in einem Reifenstapel landete und "es knacken hörte". Glück im Unglück: Keine OP, kein Gipsbett. "Es durfte alles von selbst ausheilen, nach sechs Wochen durfte ich langsam wieder anfangen zu fahren." Zweieinhalb Monate vor Le Mans musste sie zudem an der Schulter operiert werden. "In die Rotatorenmanschette sind Stifte eingesetzt worden, weil die linke Schulter immer wieder raussprang." Bänder- und ähnliche Schäden zählt sie schon gar nicht mehr auf.

Trotz aller Blessuren lässt sie der Rennsport nicht los. Deshalb ist sie nach ihrem Rückzug aus der Internationalen Deutschen Meisterschaft vorerst zur Abenteurerin geworden, hat den Pikes Peak in den Rocky Mountains von Colorado bezwungen. 2018 noch in knapp zehneinhalb Minuten, 2019 dann in 9:58:87 und als Zweite. Nach den 20anstrengenden Kilometern mit 156 Kurven und 1438 Höhenmetern erhielt sie den Titel "Rookie oft the year". 2021 schließlich folgte für die schnelle Dame, die 2000 auf dem Sachsenring ihr erstes Rennen bestritt und dabei noch angeschoben werden musste, weil sie zu klein war und nicht mit den Füßen auf den Boden kam, der Teamsieg beim 24-Stunden-Rennen in Frankreich.

Nun aber geht es zurück in die IDM. In der Superbike-Klasse hat sie in der Vergangenheit bereits gepunktet. "Bei Sprintrennen bin ich etwas aus der Übung, aber das wird wieder", gibt sich Glöckner optimistisch. Dabei ist sie ihre neue Maschine überhaupt noch nicht gefahren und wird dies wohl auch im März nicht können. "Für die Testrennen in Spanien sehe ich schwarz", sagt sie und verweist auf individuelles Fitnesstraining. "Viel im Schnee und mit dem Snowboard ins Tal, dann den Berg hoch stapfen, Lifte laufen ja nicht. Das gibt Kraft."

Die wird sie brauchen, wenn es irgendwann im Topspeed mit knapp 300 Sachen auf den Rennstrecken ernst wird. Am 30. April soll Auftakt auf dem Lausitzring sein. Spätestens dann kommt sie wieder auf den Geschmack, der Lucy Glöckner Anfang des Jahres an anderer Stelle verloren gegangen war. "Corona, was sonst", sagt sie. "Einige Sinne waren weg, Atemnot hatte ich auch", schildert sie ihre Begegnung mit dem Virus. Nun aber sei alles soweit in Ordnung - die IDM kann beginnen.

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