Aufatmen im Kollektiv

Im vierten Anlauf haben die Ringer des RSK Gelenau den ersten Saisonsieg in der Regionalliga eingefahren. Das Derby in Lugau war dabei an Spannung kaum zu überbieten.

Gelenau.

Stefan Saul schaut auf die Uhr. Quälend langsam verrinnen die Sekunden. Der 32-jährige Freistilringer mit dem markanten Bart ist der Letzte seines Teams auf der Matte. 1:1 steht es im finalen 75-Kilo-Kampf gegen Deward Stier. Das würde dem Lugauer für den Sieg in diesem Duell reichen, denn er hat die letzte Wertung erzielt. Doch es wäre ein Pyrrhussieg. Denn der eine Zähler aus diesem Vergleich wäre für den Gesamterfolg zu wenig, der Lugauer muss höher gewinnen. Saul weiß das. Statt zu attackieren wählt er den Verteidigungsmodus - bis die Digitalanzeige endlich auf null steht und die Gäste sich kollektiv in die Arme fallen. Der erste Saisonsieg in Sack und Tüten, ein Lichtstreif am Horizont. Ausgerechnet im Derby.

"In so einer Situation weiß man natürlich, was Sache ist", gab Saul hinterher zu Protokoll. Ein schöner Kampf sei es nicht gewesen. "Ich hätte Risiko gehen können, aber das hätte das Mannschaftsergebnis gefährdet", so der Gelenauer, der den Konkurrenten aus Lugau schon vor der Saison zu jenen Teams gezählt habe, gegen die im Kampf um den Klassenerhalt gepunktet werden könne. Gelenau-Coach Björn Lehnert zeigte sich stolz auf sein Team "Ich hatte schon vorher gesagt, dass wir hier was reißen können, wenn es optimal läuft. Und so war es dann auch", kommentierte er die beste Saisonleistung seiner Männer.

Dabei ging es aus Sicht der Gelenauer alles andere als gut los. Weil sie das Limit bis 57 Kilogramm nicht besetzt hatten, erhielten die Gastgeber die ersten vier Zähler kampflos, gleich danach ließ sich Superschwergewichtler Lucas Kästel von seinem Gegner Alexander Tyschkowski auf die Schultern legen. Doch danach begann sich die Überraschung bereits anzubahnen. Daniel Franke drehte den Kampf gegen Libor Milichovsky (61 kg/F), Kamil Wojciechowski (98 kg/F) schulterte Max Kirmse. Und auch Hassan Ismail schlug sich bei seinem ersten Saisoneinsatz im 66-Kilo-Limit gegen Tim Hamann achtbar und unterlag nur knapp nach Punkten. Nach der Pause drehten die Gäste dann weiter auf. Zwar musste Klassiker Felix Franke (71 kg) seinen Kampf nach einer Ellbogenverletzung vorzeitig aufgeben. Doch der erfahrene Fabian Jänicke (86 kg/k), der seinen halb so alten Gegner Anton Vieweg nach Punkten niederrang, sowie Sebastian Müller, der Martin Richter nicht die Spur einer Chance ließ, ließen die Blütenträume der Gäste weiter reifen - die zu ihrem aktuellen Punktestand zudem stets vier Punkte addieren konnten, da Lugau im letzten Kampf bis 75 Kilogramm (klassisch) keinen Athleten gemeldet hatte. So hing, beim Stand von 13:11 für Lugau alles vom letzten Kampf zwischen Saul und Stier ab - mit dem bekannten Ausgang.

Morgen wollen die Gelenauer nachlegen. Ab 15 Uhr empfangen sie die punktgleiche Germania aus Potsdam. "Wir wollen den nächsten Sieg. Es sieht so aus, dass wir unser stärkstes Aufgebot über die Waage schicken können", so Lehnert.

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