Der Alte des "Jahrhundertsturms" macht noch immer nicht Schluss

Einst hat er mit bekannten Größen gekickt. Doch während man von denen nur noch hört oder liest, sorgt Frank Seefeldt weiter auf dem Fußballplatz für Furore - als 58-Jähriger demnächst sogar in der Erzgebirgsliga.

Zschopau.

Wirkliche Pläne habe man in diesem Alter nicht mehr, sagt Frank Seefeldt. Sich große Ziele zu setzen, ist nichts für den 58-jährigen Zschopauer. Er macht einfach das weiter, was er schon immer getan hat: Fußball spielen. "Mit jungen Leuten etwas zu machen, hält mich selbst jung", nennt der Oldie sein Rezept, das ihm - und seinen Mannschaftskollegen - noch immer Erfolge beschert. Schließlich ist Seefeldt gerade mit der BSG Motor Zschopau Staffelsieger in der Kreisliga Ost geworden und damit in die Erzgebirgsliga aufgestiegen.

"Nur das i-Tüpfelchen hat gefehlt. Den Erfolg auf dem Platz zu feiern, ist schon ein ganz anderes Erlebnis", sagt der Stürmer mit Blick auf den vorzeitigen Abbruch der Saison. Zufrieden ist er dennoch, denn trotz seines hohen Alters hat er es in vielen Spielen in die Startelf des Staffelsiegers geschafft. So viele Tore wie früher hat er dabei nicht mehr erzielt, aber immerhin einmal getroffen. "Natürlich bin ich nicht mehr der Schnellste", gesteht Seefeldt. Aber das macht er mit seiner Erfahrung wett. Hier mal den "Körper reinstellen", da den schnellen Pass statt das Dribbling suchen - es gibt viele Szenen, in denen dem Rotschopf seine ganze Routine anzumerken ist.

Weil Angriffskollege Ulf Mortensen auch schon die 40 überschritten hat, wurde in Zschopau zuletzt vom "Jahrhundertsturm" gesprochen. Natürlich war das in erster Linie auf das Gesamtalter des Duos bezogen. Doch auch wenn einige Verletzungssorgen der BSG zu dieser Besetzung in vorderster Linie beitrugen, so hatte vor allem Frank Seefeldt großen Anteil daran, dass das Motor-Team seit November 2018 ungeschlagen geblieben ist. Nach einer tollen Rückrunde in der Vorsaison wahrte das Team auch im vorzeitig beendeten Spieljahr seine weiße Weste. Lohn dafür war der Aufstieg, von dem der 58-Jährige nicht einmal sagen kann, der wievielte es in seiner Laufbahn ist.

"Ich bin kein Statistiker und schreibe mir nichts auf", sagt Seefeldt. Und trotzdem kann er sich noch sehr gut an seinen allerersten Aufstieg im Männerbereich erinnern. Schließlich spielte er damals in Plauen vor 7000 Zuschauern. Obwohl die vielen Fans die gastgebende BSG Wema Aufbau lautstark unterstützten, schlug Seefeldt im Trikot der BSG Aufbau Krumhermersdorf zweimal eiskalt zu - genau wie Kollege Bernd Sachse. Beim Rückspiel zuhause steuerte er einen weiteren Doppelpack zum 5:0 bei.

Mit dem Aufstieg aus der Bezirks- in die DDR-Liga hatte es Seefeldt allen gezeigt. Gezeigt, dass er eigentlich in höhere Sphären gehört, denen er ja auch ganz nahe war. Weil der gebürtige Zwönitzer schon als Kind für seinen Heimatverein so oft traf wie kaum ein anderer, war der FC Karl-Marx-Stadt schnell auf ihn aufmerksam geworden. Mit 13 Jahren ging er an die Sportschule und wurde Teil der besten Nachwuchs-Mannschaft, die der FCK jemals hervorbrachte. "Wir haben die Kinder- und Jugendspartakiade gewonnen, wurden Schüler- und Jugend-Meister der DDR", erzählt der Angreifer, der es sogar in die Junioren-Nationalmannschaft schaffte.

Doch für ihn und einige Mitspieler fand die Zeit in dem legendären Team, zu dem unter anderem Reno Achenbach und John Bemme gehörten, ein jähes Ende. Als "jugendlichen Leichtsinn" bezeichnet er heute einen dummen nächtlichen Ausflug, der ihm und fast der gesamten Truppe den Rausschmiss beim Klub einbrachte.

Sieben Monate durfte Seefeldt daraufhin gar nicht spielen, ehe er daheim in Zwönitz wieder loslegte. Eine kurzfristige Begnadigung führte ihn zur BSG Motor Fritz Heckert Karl-Marx-Stadt. "Aber als die dort gefragt haben, ob ich der Partei beitrete, habe ich nein gesagt", so der Kicker: "Ich war vom Staat nicht überzeugt." So landete er in Krumhermersdorf, wo er es unter Trainer Gerd Schädlich erst in die fünf- und dann sogar in die zweigleisige DDR-Liga schaffte: "Damals haben wir sogar Zwickau geschlagen."

Aber noch hatte die DDR eine kleine Buße für ihn parat, denn Frank Seefeldt musste für anderthalb Jahre zur Armee. Nach der Rückkehr heuerte er in Zschopau an, wo er mit seiner Familie heimisch wurde. Abgesehen von einem kurzen Gastspiel bei Chemie Böhlen ist "der See" den Motorradstädtern bis heute treu geblieben.

Der Rotschopf mit dem Tor- riecher gehörte zu jener Zschopauer Elf, die sich über Jahre hinweg in der Landesliga etablierte und 1992 außerdem zum ersten Landespokalsieger Sachsens gekürt wurde. Während andere Spieler gingen, blieb er dem runden Leder treu. Zeitweise ließ er es immer mal ruhiger angehen, doch einen Rücktritt gab es nie. So konnte Seefeldt auch nach der Neugründung der BSG Motor Zschopau im Jahr 2005 einen wichtigen Teil dazu beitragen, dass es wieder bergauf ging. Gleich mehrere Aufstiege am Stück durfte er damals als Teil der Mannschaft bejubeln.

"Natürlich hatte ich auch Glück, weil ich nie eine richtig schwierige Verletzung hatte. Aber ich brauche auch die Bewegung. Das ist ein wichtiger Ausgleich zur Arbeit", sagt der Hobby-Radfahrer, der seinen beruflichen Traum nicht erfüllen konnte. Statt Sportlehrer zu werden, musste Seefeldt zunächst mit einem Job als Zerspaner vorlieb nehmen. Nachdem er unter anderem auch die Zschopauer Sportgaststätte übernommen hatte, ist er nun Bereichsleiter einer Gebäudereinigungsfirma. Den Einsatz von 50 Mitarbeitern muss er dort koordinieren.

Auf dem Rasen überlässt er die Kommandos lieber anderen: "Trainer, das ist nichts für mich. Ich will spielen." Also geht der Oldie weiterhin jede Woche zum Training. Ob er in der kommenden Saison dann in der ersten oder zweiten Mannschaft der BSG Motor zum Einsatz kommt, ist dem Routinier dabei fast schon egal. Pläne hat er in seinem Alter ja keine mehr. Dennoch könnte er demnächst zum ältesten Erzgebirgsliga-Torschützen der Geschichte werden.

1Kommentare
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    LutzWienhold
    25.06.2020

    „Beste Nachwuchsmannschaft, die der FCK jemals hervorbrachte“ mit Reno Achenbach und John Bemme - Recherche gehört wohl eher nicht zu den Stärken von Andreas Bauer...
    Aber natürlich tolle Leistung vom „See“