"Diesem Ziel ordne ich allesunter"

Gewichtheben: Max Lang will mit einer Ernährungsumstellung den Weg zu den Olympischen Spielen ebnen

Drebach.

In der Gewichtsklasse bsi 81 Kilogramm hat Max Lang im vergangenen Jahr so manchen Erfolg gefeiert. Warum er nun ein Limit tiefer startet und wie er das geschafft hat, verrät der 27-Jährige, der aus Drebach stammt, im Gespräch mit Olaf Wirth.

Freie Presse: Waren Sie mit dem Jahr 2019 zufrieden?

Max Lang: Obwohl nicht alles gelang, bin ich grundsätzlich zufrieden. Für mich stand Platz 14 bei der Weltmeisterschaft in Thailand zu Buche, bei der Europameisterschaft in Georgien wurde es Rang 9. Nicht zuletzt wurde ich Deutscher Meister in der Klasse bis 81 Kilogramm.

In dieser Gewichtsklasse starten Sie nun nicht mehr. Warum?

Das hängt mit dem komplizierten Qualifizierungssystem für die Olympischen Spiele in diesem Jahr zusammen. Über Weltranglisten, die ich bei ausgewählten Wettkämpfen mit Punkten füllen kann, muss ich mich qualifizieren.

Das bedeutet konkret?

Ich muss an einer Mindestanzahl an Qualifizierungswettkämpfen teilnehmen und am Ende unter den besten Acht einkommen. Zudem darf der Beste eines jeden Kontinents zu Olympia. Ein weiterer Haken ist, dass pro Gewichtsklasse nur ein Starter pro Land möglich ist. Und bei all diesen Faktoren sehe ich in der Klasse bis 73 Kilogramm die größeren Chancen.

Da musste wohl das Weihnachtsessen ausfallen?

Überhaupt nicht. Ich habe die Waage komplett außer Acht gelassen, sportlich und mental Urlaub in meiner Heimat Drebach gemacht.

Was kam denn auf den Tisch?

Nach dem gemeinsamen Kirchgang gab es an Heiligabend traditionell Neunerlei, anschließend war Bescherung angesagt.

Über welche Geschenke durften Sie sich freuen?

Seit 2017 gibt es jedes Jahr zu Weihnachten einen erzgebirgischen Schwibbogen für mich. Diese leuchten in der Weihnachtszeit in den Fenstern meiner Wohnung in Sandhausen. Ich will behaupten, wir sind die Einzigen mit dieser Beleuchtung in ganz Sandhausen.

Zurück zum Essen beziehungsweise Nichtessen. Wie schaffen Sie Ihr neues Gewicht?

Seit April des letzten Jahres arbeite ich mit einem Ernährungsberater zusammen, habe eine radikale Ernährungsumstellung hinter mir. Zudem koche ich selbst und kann damit meine Zutaten selbst bestimmen. Seitdem habe ich neun Kilo abgenommen. Das fiel nicht immer leicht, da die regelmäßige Trainings- und Wettkampfbelastung gleich geblieben ist.

Ist das die einzige Neuerung in Ihrem Sportlerleben?

Nein. Mit André Dörrzapf, selbst ehemaliger Gewichtheber und in meinem Alter, habe ich einen neuen Trainer in Mutterstadt. Da ich sein einziger Schützling bin, genieße ich ein komplett individuelles Training. Ich absolviere ein anderes Kraft- und Techniktraining, wollte zudem einfach einen neuen Reiz Richtung Olympische Spiele setzen.

Großes Ziel Olympia. Da war doch mal was?

Daran brauchen Sie mich nicht zu erinnern, das bleibt wohl ewig im Kopf. Wegen eines zu wenig gehobenen Kilogramms verpasste ich Olympia 2016 in Rio de Janeiro. Traurig, aber wahr.

Das heißt, Ihre volle Konzentration gehört der Qualifikation für Tokio in diesem Sommer?

Ja, diesem großen Ziel ordne ich alles unter. Ich will mir nicht vorwerfen, nicht alles getan zu haben. Sollte ich die Olympia-Teilnahme nicht schaffen, würde ein Teil in meinem Puzzle fehlen.

Was sollten die Erzgebirger über den ehemaligen Fußballer Max Lang noch wissen?

Ich bin weiterhin - und das hilft im Leistungssport ungemein - bei der Bundeswehr angestellt und werde nach Olympia einen Lehrgang zum Feldwebel absolvieren. Ich trainiere in Mutterstadt, wo ich für den dortigen AC auch in der 1. Bundesliga hebe. In Sandhausen, wo ich mit meiner Freundin Caro lebe, gehe ich regelmäßig zum Zweitliga-Fußball ins Stadion, verfolge damit auch das tolle Abschneiden des FC Erzgebirge Aue. Auch zur Familie daheim sowie zu meinem Ex-Verein Chemnitzer AC gibt es regelmäßige Kontakte.


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