Dressurpferd gleicht Sechser im Lotto

Nie würde Madlen Kasper ihren Wim hergeben. Mit dem Deutschen Pony holt die Langenbergerin bei Turnieren Schleife auf Schleife. Nun peilt das Duo erneut einen Aufstieg an.

Langenberg/Schwarzbach.

Wim ist für Madlen Kasper wie ein Sechser im Lotto. "Es hat sofort funktioniert mit uns beiden", so die 38-Jährige. Sie untermauert das mit Wim bei fast jedem Turnier. Ohne Schleifen und Pokale kehrt das Dressur-Duo selten in den heimischen Stall nach Schwarzbach zurück. "Wir sind erfolgsverwöhnt", gibt die Langenbergerin zu und schmunzelt.

Hinter den Erfolgen steckt hartes Training. Wim ist ein etwas zu groß geratenes Pony mit einer Stockhöhe von 1,61 Meter. Madlen Kasper kaufte das treue Tier vor zehn Jahren. "Da war er drei Jahre alt, kaum ausgebildet oder beritten. Nicht einfach." Die beiden sind längst unzertrennlich, ein eingespieltes Team. "Vor Wim war ich nie mit einem Pferd auf Turnieren." Nach nur einem gemeinsamen Jahr voller Arbeit an Trab und Galopp lief es 2009 im Dressur-Viereck in Lößnitz wie am Schnürchen. Schon das Debüt ließ vermuten: Da ist mehr drin. "In der Kategorie E fingen wir an, machten im Herbst das Abzeichen und stiegen 2010 in die Klasse A auf." 2011 wiederholte sich das Prozedere beim Gang in die L.

Seither dekorieren sich Pferd und Reiterin auf jährlich bis zu zehn Turnieren mit Schleifen, Kreismeistertiteln, Urkunden. Zuletzt gab es fünf Siege in Folge. Dafür wird zwei-, dreimal in der Woche geübt. Viel Unterstützung bekommt Madlen von den Reitstall-Besitzern. Angela Schneider und ihre im Reitsport international erfolgreiche Tochter Alina (16) trainieren teils mit Wim, der gerade den fliegenden Galoppwechsel lernt. "Sie spornen auch mich an. Die neue Übung ist eine Herausforderung", so Madlen. Sie traut es ihrem "Hauptgewinn" zu. "Wir haben bisher alle Lektionen auf die Reihe gekriegt, vertrauen uns voll." Fast in jedem Preisrichter-Protokoll stehe, dass das Duo in der fünfminütigen Kür - Elemente und Gangarten sind vorgeschrieben - äußerst harmonisch wirke. "Ich brauche kein Millionenpferd. Nur Wim."

Die Kür entsteht durch Verlagerung des Gleichgewichts des Reiters - möglichst ohne dass es Jury oder Zuschauer bemerken. Ein Dialog im Stillen also. Die Leistung hätte mehr Wertschätzung verdient, findet die Langenbergerin. "Es ärgert mich, dass alle auf Fußball fixiert sind." Da fließe eine Menge Geld. Zeitgleich gehe der Reitsport in der Region sowohl bei Dressur als auch Sprung zusehends unter. "Dabei ist es ein sehr anspruchsvoller Sport." Ein teurer dazu. Stall, Futter, Sattel, Startgebühr: Alles kostet. Deshalb fallen bei Madlen Kasper, die in einer Beierfelder Firma in drei Schichten in der Produktion arbeitet, Shopping und Frisörbesuche oft aus.

Bei Tochter Celine ist es im Ansatz ähnlich. Die 15-Jährige, leidenschaftliche Handballerin, ist Pferdenärrin. "Im Oktober will sie mit Wim vielleicht das erste Turnier wagen", so die stolze Mama, die heuer unter anderem wegen des privaten Hausbaus kürzer trat. "Ziel für 2019 ist der Aufstieg in die Klasse M." Wim beschnauft es prompt und bekommt eine liebevolle Streicheleinheit über den langen Nasenrücken.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Lesen Sie auch
    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...