"Ein unersetzbarer Verlust"

Die Regionalliga-Ringer von Eichenkranz Lugau müssen in der kommenden Saison ohne ihren besten Mann auskommen. Ersatz ist nicht in Sicht, obwohl der Verein ungewöhnliche Wege beschritt.

Lugau.

Wer den Wert von Alexander Tyschkowski für den SV Eichenkranz Lugau erfahren will, der braucht sich nur einmal die Statistik der vergangenen Regionalliga-Saison anzuschauen. Nur zweimal ging der Hüne in seiner Gewichtsklasse bis 130 Kilogramm sportlich als Verlierer von der Matte, oft genug war er der Lichtblick in einer desolaten Mannschaft - so wie beim 4:28 Anfang Oktober 2018 in Berlin, als er die einzigen Punkte für die Erzgebirger beisteuerte.

Vorbei. Einen auf der Ringermatte jubelnden Tyschkowski wird es nicht mehr geben, weder in Lugau noch anderswo. Der Superschwergewichtler tauscht den Kampfanzug gegen die Uniform, beginnt eine Polizeiausbildung in Rothenburg in der Oberlausitz. "Für uns ist das ein unersetzbarer Verlust", sagt Trainer Jan Peprny. Ihn treibt seit Wochen die Frage um, wer nun in der neuen Saison in der höchsten Gewichtsklasse für die Eichenkränze an den Start gehen wird. "Wir haben sogar auf Facebook einen öffentlichen Aufruf gestartet. Leider ohne Erfolg", so Peprny. Ein Kämpfer aus Ungarn, der sich gemeldet hat, habe pro Kampf 600 Euro plus Anreisekosten gewollt. "Das konnten wir uns nicht leisten." Immerhin: Ab 2020 soll Stephan David, derzeit beim TSV Kottern im Allgäu aktiv, die Gewichtsklasse besetzen. "Ihn hatten wir schon vor der vergangenen Saison im Visier, aber dann hatte sich Alex entschieden, noch ein Jahr ranzuhängen und in Bayern verlängert", sagt Peprny. Für 2019 sei inzwischen eine Übergangslösung die wahrscheinlichste Variante. "Möglicherweise geht Jan Richtsteig hoch, auch wenn er mit seinen nur 95 Kilo etwas leicht ist."

Als einziger Neuzugang steht der Pole Krzysztof Sadowik fest, der als Stammbesetzung eingeplant ist und entweder im Limit bis 80 oder bis 85Kilogramm ran soll. Der Kontakt sei über dessen Landsmann Robert Dobrodziej (57 kg) zustande gekommen, der ebenfalls zu den Lugauer Leistungsträgern im vergangenen Jahr zählte. Dem stehen neben Tyschkowski zwei weitere Abgänge gegenüber. So wechselt der Tscheche Libor Milichovsky (61 kg) nach acht Jahren in Diensten der Erzgebirger nach Kempten. "Es dürfen pro Kampf nur zwei Ausländer starten. Für jeden ausländischen Ringer unter Vertrag bezahlen wir aber eine vierstellige Summe pro Saison an den europäischen Verband", so Peprny. Zudem schließt sich 75-Kilo-Mann Deward Stier dem SV Luftfahrt Berlin an und wird demzufolge in der kommenden Saison gegen seine alten Kameraden antreten.

Bleibt noch die Jugend: Hier dürfte Max Lauterbach seine ersten Regionalliga-Einsätze erhalten - auch wenn er mit seinen 55 Kilogramm noch an Gewicht zulegen müsse, wie Peprny betont. Nachwuchstalente wie Merlin Fritzsche oder Nils Brendel, die auf Turnierebene bereits eindrucksvoll in Erscheinung getreten sind, würden hingegen noch einige Jahre benötigen. "Dazwischen klafft bei uns eine Lücke", sagt der Trainer.

Die neue Saison in der Regionalliga Mitteldeutschland startet am 31.August mit zehn Mannschaften. Die Lugauer empfangen zum Auftakt die Wettkampfgemeinschaft Pausa/Plauen. Der Bundesliga-Absteiger ist das einzige neue Team in der Liga, zählt laut Peprny aber nicht zu den Kandidaten für einen Spitzenplatz. "Die müssen nach dem Abstieg eine komplett neue Mannschaft aufbauen und sind deshalb aus meiner Sicht durchaus schlagbar." Der Lugauer Coach ist nicht nur wegen des Tyschkowski-Abgangs vorsichtig, was die neue Saison betrifft. Im vergangenen Jahr prognostizierte er im Vorfeld einen Platz in der oberen Tabellenhälfte. Nach gutem Start wurde das Team infolge einer katastrophalen Rückrunde dann Letzter. "Das wollen wir diesmal nicht werden, und genau dies ist auch unser Saisonziel", sagt Peprny, der - neben Plauen - die Vereine aus Gelenau, Potsdam und Berlin als Mannschaften nennt, "die wir hinter uns lassen können."

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