Einstige Hochburg leitet Umbruch ein

Die großen Zeiten des Annaberger Handballs sind zunächst vorbei. Ein Berg Arbeit liegt vor den Verantwortlichen, wollen sie das schlingernde Schiff vor gänzlichem Kentern bewahren. Hoffnung, dass dies gelingen kann, gibt es durch Aktivitäten im Nachwuchs.

Annaberg-Buchholz.

Mit den Pokalspielen für die Männer bei der HSG Striegis und für die Frauen daheim gegen Lichtenstein/Oberlungwitz beginnt für die Mannschaften des Handball-Clubs Annaberg-Buchholz die Saison 2019/2020. Am kommenden Sonnabend werden diese Begegnungen ab 15.30 und 17 Uhr ausgetragen. Die Verantwortlichen des HCAB richten ihre Blicke aber weiter als bis in die beginnende Spielzeit.

Dies ist auch notwendig, denn der Handballsport in der Kreisstadt hat eine Talfahrt hinter sich. Die Männer sind nach Abstieg, Aufstieg und Klassenerhalt freiwillig aus der Bezirksliga eine Etage nach unten gerückt. Die Frauen gleich unten geblieben, obwohl die Möglichkeit des Aufstiegs in die Bezirksliga gegeben war. "Zu viel Aderlass inklusive Trainer" heißt es in Bezug auf die Männer, "zu früh, um nach oben zu klettern" bei den Frauen. Eine komplizierte Situation, die der noch junge Vorstand vor der Brust hat. "Aber wenn wir sie nicht anpacken, wird es gleich gar nichts", betont Vereinspräsident Felix Schneider.

Im Nachwuchs gibt es aufkeimende Pflänzchen ebenso wie zunächst verwelkte. Auf der einen Seite sind Mini- und Maxi-Gruppen für die Jüngsten ins Leben gerufen worden, auf der anderen fehlen inzwischen die A-Jugend-Mannschaften. Selbst in der Pestalozzi-Schule Buchholz, einst die absolute Hochburg für die Talententwicklung im Handballsport der Kreisstadt, wird derzeit keine Arbeitsgemeinschaft oder Trainingsgruppe angeleitet. Folge des Ganzen: In der beginnenden Spielzeit wird es nur noch sieben Mannschaften geben: vier männliche (Männer, B-, C- und D-Jugend) sowie drei weibliche (Frauen, C- und B-Jugend), letztere nimmt aber nicht am Punktspielbetrieb teil. Soweit die Fakten, mit denen der neugewählte Vorsitzende des HCAB, Felix Schneider, auch nicht glücklich ist.

Doch wie nun weiter? So einfach ist das nicht. "Aber wenn wir kapitulieren, kommen wir auch nicht voran", so Schneider. Das Augenmerk richte sich auf die Nachwuchsentwicklung. "Wir fangen unten an. Ein Schulangebot in Buchholz wird es bald wieder geben, Aktionen in Schulen und das Einbinden der Bildungseinrichtungen in die Festtage zum Jubiläum 2020 ebenso", beteuert der Vorsitzende. Ihm schwebt vor, dass so etwas wie "Handball ist cool, da muss ich hin" die Runde macht. Denn eins ist Schneiders Ansicht nach klar: "Ein Umbruch muss her." Immerhin hätten vier bis fünf Schulen Interesse am Handballsport bekundet. In einigen sind ehemalige und aktive Handballerinnen direkt an der Basis: Petra Sonnemann, Katrin Meyer und Cornelia Schulz sind Sportlehrerinnen, nennt Schneider drei Beispiele. Mit ihnen gelte es, den Hebel anzusetzen, um für das Handballspiel wieder mehr Kinder zu begeistern.

Die aber brauchen Vorbilder, deshalb werde auch unter den Erwachsenen intensiver trainiert. "Die Männer sind dienstags und donnerstags mit Ball und Spielformen beschäftigt, mittwochs kommt eine Athletikeinheit dazu", sagt Schneider zum erweiterten Konzept. Diesbezüglich lobt er die Zusammenarbeit mit den Kraftsportlern, die ihre Räume und Geräte zur Verfügung stellen - "und sogar Trainingspläne für unsere Spieler ausarbeiten." Grund für die Intensivierung des Trainings ist auch, dass Lücken gestopft werden müssen. Grund: Mit Falco Repmann, Stefan Herklotz, Thomas Rösch, Michael Schindler und Trainer Uwe Eger haben gleich fünf Aktivposten ihr Laufbahnende bekanntgegeben. "Bei Uwe Eger ist es eine Auszeit, wir hoffen, er kehrt zurück", so Schneider, der ansonsten die Männermannschaft ausschließlich aus den eigenen Reihen auffüllen kann. "Aus dem Nachwuchs und der ehemaligen zweiten Mannschaft", fügt er an.

Felix Schneider steht nicht nur an der Spitze, sondern er geht derzeit darüber hinaus. Denn neben dem Aufwand als Vereinschef hat er sich zudem die Bürde des Herrentrainers auferlegt. Eine Situation, die den 39-Jährigen sicherlich nicht entspannter werden lässt. Doch aller Anfang ist eben schwer - aus Sicht der Handballfans lässt sich nur hoffen, dass das Konzept aufgeht.

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