Geburtstagskind kündigt Rückkehr an

70 Jahre alt ist Johannes Kehrer seit Sonntag. Für Motorradrennen fühlt sich der Hohndorfer aber noch fit genug, wie er am Rande seiner Feier verriet.

Hohndorf.

So groß war der Andrang in der Garage von Johannes Kehrer noch nie. Wo der Hohndorfer sonst an seinen Motorrädern schraubt, saßen diesen Sonntagabend Familienangehörige, Nachbarn und Freunde mit Sekt beisammen. Dazu waren viele Schach- und Motorsportler gekommen, um ihrem langjährigen Weggefährten zum 70. Geburtstag zu gratulieren. Interessante Anekdoten aus der Vergangenheit wurden wieder hervorgekramt, doch genauso gab Kehrer Einblicke in seine Zukunftspläne. Und dabei kam auch etwas Überraschendes zur Sprache.

Wie in den vergangenen Jahren will er weiterhin seinen Sohn Nico Kehrer bei Rennen als Mechaniker und Betreuer unterstützen. Der Junior, der das Rennsportgen vom Vater geerbt hat, wird Ende September im tschechischen Most zu drei weiteren Superomono-Rennen der FIM-Europameisterschaft an den Start gehen. "Eine Woche vorher dient ein Rennen in Frohburg als Generalprobe", sagt Johannes Kehrer, der allerdings noch wesentlich weiter in die Zukunft blickt. So ist das Wochenende Mitte Mai 2020 schon dick als Renntermin im Kalender markiert. Allerdings wird Johannes Kehrer dann in Horice nicht seinem Sohn unter die Arme greifen, sondern selbst wieder am Gasgriff drehen.

Eine Honda RS 250, die sich der Junior angeschafft hat, aber derzeit nicht für Rennen nutzt, will der Routinier aus ihrem Dornröschenschlaf holen. Genauso wie die 250er-Maschine sieht sich der Hohndorfer selbst für eine Herausforderung gerüstet. "70 Jahre klingen viel, aber ich glaube, es geht immer noch. Ich fühle mich nicht so alt", sagt Johannes Kehrer. Ein gewisses Funkeln in seinen Augen ist dabei zu erkennen. Eigentlich war es nie weg, obwohl er schon zweimal das Ende seiner Laufbahn verkündet hat. 1998 sah er sich aus beruflichen Gründen zu diesem Schritt gezwungen: "Als Techniker bin ich damals mit dem Grand-Prix-Team von MuZ um die Welt gereist." Der ehemalige MZ-Technologe, der zur Wendezeit in den Versuchsbereich wechselte und später als Projektleiter an der Replica-Entwicklung beteiligt war, konnte so als Betreuer dem Rennsport treu bleiben.

Losgelassen hat ihn das Rennfieber nie. Und so kehrte Johannes Kehrer, der 1986 als einziger deutscher Fahrer den Pokal der Sozialistischen Länder in der 250er-Klasse gewonnen hatte, zurück auf die Piste. Zu seinen Erfolgen wie der DDR-Meisterschaft und der Silber-Replica-Trophy bei der "Isle of Man" kamen ab 2003 noch fünf tschechische Meistertitel. Nun sind dem Hohndorfer fünf Jahre Pause wieder mal genug. Dass er sein Comeback ausgerechnet in Horice plant, liegt nicht nur an seinen sechs Siegen auf den "300 Kurven von Gustav Havel": "Dort fühle ich mich einfach wohl."

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