Gelungene Aktionen helfen bei Neuanfang

In Fürth ist Robert Herrmann zum dritten Mal für die Veilchen in der 2. Fußball-Bundesliga von Anfang an aufgelaufen. Diesmal durfte er am Ende auch jubeln.

Fürth.

Freude und Trauer liegen oft so dicht beieinander. "Mit links und 40 Fieber. Helden leben ewig - Legenden sterben nie! Ruhe in Frieden Markus Beyer." So ist es auf dem Spruchband zu lesen gewesen, das Fans des FC Erzgebirge Aue am Sonnabend beim 5:0-Sieg (1:0) im Fürther Stadion zum Gedenken an den vor wenigen Tagen im Alter von nur 47 Jahren gestorbenen Box-Champion und Veilchen-Anhänger aus Schwarzenberg zeigten. Just in diesem Gänsehautmoment fiel das erste Auer Tor an diesem Tag.

Trauer spielte in der jüngeren Vergangenheit auch im Leben des Mannes eine große Rolle, der eben jenen Eckball trat, der zu Florian Krügers 1:0 führte: Robert Herrmann. Der 25-Jährige war über- raschend in der Startelf aufgetaucht und ist mit diesem Spiel vielleicht einen großen Schritt vorwärtsgekommen - bei seinem Neuanfang nach einem schweren Schicksalsschlag, dem Suizid seines Vaters. Um in dieser schweren Zeit näher bei der Familie sein zu können, wechselte der gebürtige Strausberger vor dieser Saison vom SV Sandhausen zum FCE. Doch so richtig gut lief es sportlich für den Mittelfeldmann erst einmal nicht. Er stand bei den 0:1-Auswärtsniederlagen gegen Union Berlin und den SC Paderborn jeweils 90 Minuten auf dem Feld, hatte zudem zwei Kurzeinsätze bei den Heimpleiten gegen Sandhausen und den HSV. Am Sonnabend in Fürth erledigte Herrmann seine Aufgaben aber unaufgeregt und souverän. Dabei glaubten die Franken offensichtlich, über seine Seite leichter durchzukommen. Sie hatten sich getäuscht. Nachdem Aue darüber hinaus im Ronhof weitere sechs Ecken ohne Tor-Erfolg geblieben war, legte sich der 25-Jährige das Leder zurecht - und tatsächlich fiel das 1:0.

Kurz vor Schluss schnappte sich Herrmann noch einmal spontan den Ball. "Das war nicht abgesprochen. Ich war halt als Erster da", beschrieb Herrmann schmunzelnd die Szene vor seinem kuriosen ersten Zweitliga-Treffer überhaupt. Fürths Torhüter Sascha Burchert parierte den Strafstoß des Auers. "Dass der Ball von der Latte genau vor meinen Kopf springt, passt zu diesem Spiel. Wir hatten einfach auch das Glück auf unserer Seite", freute sich Herrmann. Es sei schwer in Worte zu fassen. "Heute hat bei uns wirklich alles geklappt. Unbeschreiblich."

Dabei habe er erst kurz vorm Spiel erfahren, dass er von Beginn an ran darf. "Ich war immer geduldig, habe im Training Gas gegeben. Ich denke, ich konnte die Chance nutzen", sagte Herrmann. Alles Weitere werde er sehen. Auch wenn er äußerlich ruhig gewirkt habe, sei die Anspannung doch groß gewesen. "Aber wir sind gut ins Spiel gekommen, und dann legt sich die Nervosität." Bei allem verständlichen Jubel über den "superwichtigen Dreier" geht Herrmann davon aus, dass alle im Team das 5:0 richtig einordnen.

Das hofft auch Trainer Daniel Meyer, der statt Dennis Kempe in Fürth auf Herrmann setzte, weil der offensiv einen Tick mutiger sei. "In seiner Zeit in Wolfsburg hat er sehr, sehr viele Tore vorbereitet. Wir wollten da ein Zeichen setzen. Er hat das sehr gut gemacht", so der Coach. Herrmann sei ein richtig, richtig guter Spieler, der eine schwere Zeit hinter sich hat. "Er war schon ein paarmal dicht dran. Wir haben uns gesagt, wir gehen das Risiko ein und lassen ihn mal laufen, und das hat ja gut funktioniert."

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