Krasser Außenseiter sorgt für Überraschung

Der Stollberger Tim Wendler hat bei der Quali für die Deutsche Einzelmeisterschaft im Schach einen starken 6. Platz erreicht. Dass er überhaupt dabei sein durfte, verdankt er einem Umstand.

Stollberg.

Dass es mit dem Turniersieg nichts werden würde, war von vornherein klar. Doch Tim Wendler konnte hinterher trotzdem strahlen. Als krasser Außenseiter ins Rennen gegangen, überzeugte der Nachwuchsspieler des Schachvereins Stollberg-Erzgebirge bei den sächsischen Qualifikationswettkämpfen für die Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft der Altersklasse U 18. Platz 6 unter 11 Startern, ein mehr als respektables Ergebnis für den 18-Jährigen, der überhaupt nur mitspielen durfte, weil die Erzgebirger das Turnier ausrichteten.

Weil eine ungerade Zahl an Teilnehmern an den Start und Wendler mit der absolut niedrigsten DWZ-Zahl von 1418 ins Rennen ging, erhielt er in der ersten Runde ein Freilos, das ihm einen Punkt aufs Konto spülte. Danach musste er gegen zwei der stärksten Gegner ans Brett. Dem Plauener Simon Burian sowie dem Topfavoriten Genchung Wong vom USV TU Dresden (DWZ: 2106) unterlag der Stollberger nach großem Kampf.

Dann jedoch schlug die Stunde des 18-Jährigen. Gegen den nominell ebenfalls stärkeren Jan-Niklas Bedrich (VfB Schach Leipzig) behielt Wendler im Mittelspiel die Oberhand und führte die Partie sicher zum Sieg. "Das war eine Glanzleistung von ihm", lobte Vereins-Vize Steffen Hold seinen Schützling. Auch im Abschlussduell gegen den Niederwiesaer Niklas Preißler hatte der Stollberger leichte Vorteile, am Ende stand ein Remis. "Mit seinen 2,5 Punkten hat Tim die weitere Entwicklung seines dynamischen Aufstiegs in unserem Verein untermauert", so Hold.

Den Turniersieg holte sich Genchung Wong, der sich damit als einziger für das Bundesfinale qualifizierte - Zeit und Ort stehen noch nicht fest. Auf Platz 2 kam nach einem dramatischen Finale Hai Lam Bui (Dresden-Leuben) vor Kasimir Lieberwirth (Turm Leipzig) ins Ziel. Der Elbestädter geriet in Zeitnot und machte den letzten seiner 40 Züge zwei Sekunden vor Ablauf der 75-minütigen Bedenkzeit.

Ungewohnt war für die meisten Teilnehmer des Spiel mit Trennwänden aus Plexiglas. Als vor Monaten die Corona-Pandemie begann, hatten die Stollberger selbst die Idee dafür, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Die selbst gebauten Konstruktionen aus Holz beziehungsweise Metall hätten sich bereits mehrfach bewährt. "Alle Teilnehmer hatten dadurch optimale Spielbedingungen", so Hold.

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