Mädels legen in Männerdomäne oft mehr Biss an den Tag

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Als Exoten sehen sie sich nicht: Auch im Erzgebirge ist der Ringkampfsport durchaus weiblich besetzt. Und das mitunter sehr erfolgreich.

Aue.

Auf der Matte stehen sie den Jungs in nichts nach. Im Gegenteil, findet Björn Schöniger. Der Chefcoach der Auer Ringer legt seit einiger Zeit den Fokus wieder verstärkt auf die weibliche Besetzung in diesem Sport. Mit Gerda Barth und Lilly Pfau trainieren zwei Aushängeschilder beim FC Erzgebirge.

"Eine Weile wurde das Mädchen- und Frauenringen bei uns vernachlässigt, weil es vor allem um die Bundesliga-Mannschaft und den männlichen Nachwuchs ging", so Schöniger. In seiner Jugendzeit sei das anders gewesen. Dann aber tat sich erwähnte Lücke auf, ehe sich das vermeintlich schwache Geschlecht zurückkämpfte. Auf nationaler und internationaler Ebene wusste Gerda Barth im 61-Kilogramm-Limit vor allem 2019 zu überzeugen, holte unter anderem den deutschen Meistertitel und gehört seither zum Nationalkader. Die 17-Jährige wechselt nun von der A-Jugend zu den Juniorinnen. "Und muss sich teils vier Jahre älterer Konkurrenz stellen - das Corona-Jahr hat sie ganz schön ausgebremst", sagt Schöniger. Entmutigen ließ sich die Abiturientin aus dem Schneeberger Ortsteil Griesbach nicht. Sie trainiert fünf- bis sechsmal pro Woche, absolviert zusätzlich Lauf- und Krafteinheiten.

Während Gerda ihren Elan auch aus dem familiären Umfeld schöpft, besucht Aues zweiter weiblicher Nationalkader die Sportschule in Leipzig. "Heimweh kenne ich nicht", so Lilly Pfau, die auch den Vereinswechsel aus Chemnitz zum FCE kein Stück bereut. "Ich habe allein wegen Gerda viel bessere Trainingsmöglichkeiten, wenn ich zuhause bin", sagt die 16-Jährige, die sich über ein internes Turnier im Dezember für den Nationalkader empfahl. "Sie war die Beste ihrer Gewichtsklasse, hat sich den Status redlich verdient", findet Schöniger, auch wenn Lilly ein "echter" Wettkampf viel lieber gewesen wäre. "Die Chance, mich unter normalen Bedingungen zu beweisen, kommt hoffentlich bald", so Pfau, die gern mit Jungs trainiert. "Die sind nicht zimperlich. Das härtet einen selbst gut ab."

Das bestätigt Emily Haase vom RV Thalheim, die seit ihrem sechsten Lebensjahr ringt, dreimal deutsche und auch schon Europameisterin war. Mehr weibliche Konkurrenz würde sich die 21-Jährige wünschen. Ab Februar beginnt sie eine Ausbildung zur Fitnesskauffrau und will sich nach ihrer Verletzungsmisere wieder aufrappeln. "Noch mal eine EM oder WM bestreiten, das ist mein Ziel." Ihre Vereinskameradin Lilly Schneider ringt seit 2015 regelmäßig, inzwischen am Bundesstützpunkt Leipzig. Bei der 19-Jährigen, die 2022 Abitur machen will, stehen zehn Trainingseinheiten pro Woche im Terminkalender. Zu ihren großen Erfolgen gehören Auftritte auf internationaler Ebene. "Dieses Jahr strebe ich bei der EM in Dortmund eine Medaille an und trainiere hart dafür." Als Exotin sieht sie sich nicht. "So wenige sind wir gar nicht", so Lilly lachend. Das Gesamtpaket aus Technik, Koordination und Ausdauer reize sie besonders.

Schöniger bescheinigt den Mädels sogar mehr Biss. "Sie legen viel Disziplin an den Tag." Das zeige sich auch in der 15-köpfigen Gruppe der Jüngeren, die erst vor Kurzem ins Training einstiegen. Gut eine Handvoll Mädels zählt der RV Zschopau. "Wir hatten mal eine starke Riege", so Trainer Jens Hübner. Immerhin: Derzeit stehen zwei Viertklässlerinnen des Vereins vor der Aufnahmeprüfung an die Sportschule.

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