Omas Geschenk bewährt sich nun

Gesamtweltcupsiegerin Julia Taubitz wechselt kurzzeitig das Metier: Derzeit näht sie Masken, verliert aber das Rodeln nicht aus den Augen.

Annaberg-Buchholz.

Die letzte Saison war eine erfolgreiche für die erzgebirgische Rennrodlerin Julia Taubitz. Mit dem Gewinn des Gesamtweltcups sowie Gold und Silber bei den Weltmeisterschaften und einem zweiten Rang bei der Europameisterschaft hat sie sportliche Zeichen gesetzt. Jetzt tut sie dies in schwierigen Zeiten auch in anderer Art.

"Es gab aber neben Höhen auch Tiefen, deswegen werde ich daran arbeiten, die Tiefen abzumildern", analysiert Julia Taubitz die Winterserie 2019/20. In dieser wurde auch die schnelle Sportlerin von der Corona-Krise ausgebremst. "Wenn es wieder losgeht, werde ich aber voll motiviert in die neue Saison starten", sagt die 24-jährige Annaberg-Buchholzerin.

Bereits seit zwei Wochen darf sie als Angehörige der Bundeswehr unter Auflagen wieder in der Kaserne von Oberhof für die kommenden Wettkämpfe trainieren - mit anderen maximal zu dritt und mit Abstand. "Es ist ein bisschen anders, aber wesentlich besser als zu Hause. Dort stehen Trainer und Kameraden dabei, auch die spezifischen Geräte für uns Rennrodler sind vorhanden", so Julia Taubitz. Wenn sie am Wochenende zu Hause ist, setzt sie sich oft an die Nähmaschine, um Mundschutze zu nähen. "Ein Weihnachtsgeschenk meiner Oma Eva. Wenn die Corona-Krise nicht gekommen wäre, hätte ich nicht so viel Zeit gehabt, diese auszuprobieren. Da ich aber zwangsweise viel Freizeit hatte, kam ich anfangs auf die Idee, mir einen Einkaufsbeutel zu nähen", erzählt die Rodlerin. An dem fertigen Werk habe sie Freude gehabt. "Als dann die Pflicht für den Mund-Nasen-Schutz kam, versuchte ich mich daran - für meine Eltern und Freunde." Da es im Netz Anleitungsvideos zuhauf gibt, habe sie sich schnell eingefuchst. "Seither habe ich schon ziemlich viele produziert. So viele, dass ich sie auch in Oberhof verteilt habe." Es hätten auch schon Leute angefragt, da es sich mittlerweile herumgesprochen habe.

Mitunter komme aber auch ein dummer Spruch. "So sollte ich eine Maske in den Farben von Dynamo Dresden nähen. Als eingefleischter Aue-Fan habe ich natürlich abgesagt", verrät Julia Taubitz.

Sie blickt trotz aller Unwägbarkeiten nach vorn. "Ich gehe davon aus, dass die Rennrodel-Saison regulär beginnt. Ob mit oder ohne Zuschauer, lasse sich nicht sagen. "Wir sind derzeit das einzige Land, das unter Auflagen im Stützpunkt trainieren darf. Die Sportler anderer Nationen, darunter Russland, Österreich und die USA, müssen zu Hause trainieren." Taubitz' Ziele sind klar gesteckt: "Auf alle Fälle will ich den Gesamtweltcup verteidigen und natürlich von der WM im kanadischen Whistler mit einer Medaille nach Hause fahren", so die Sportlerin des WSC Erzgebirge Oberwiesenthal.

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