Pandemie trifft Zweikämpfer hart

Einzelmeisterschaften abgesagt, Bundesliga-Saison verschoben: Für die Ringer liegt aufgrund der Pandemie noch mehr im Ungewissen als für andere.

Aue.

Corona trifft das Ringen unerbittlich - alle deutschen Meisterschaften verschoben, alle mitteldeutschen abgesagt ... In Hochburgen wie Aue, Thalheim, Gelenau und Lugau ist kein spezielles Training möglich, an Leistungszentren und Sportschulen ebenso nicht. Die Nordrhein-Westfalen haben die Mannschaftskampfsaison, die im August beginnen sollte, gecancelt, andere Verbände könnten folgen. "Wenn, dann sind wir als direkte Kontaktsportler die Letzten, die sich wieder duellieren dürfen", lautet das nachvollziehbare Hauptargument.

In Sachsen war Mitte März Feierabend. Empfindlich erwischt es den aktuell stärksten Verein, den FC Erzgebirge Aue. "Das Training im Leistungszentrum in Bad Schlema ruht. Ganz viele Dinge sind offen", so Chefcoach Björn Schöniger, der wie so viele in Kurzarbeit lebt. Dabei hätte es eines der erfolgreichsten Jahre werden können. "Von Jugend bis Erwachsene hatten wir 18 Teilnehmer für deutsche Meisterschaften auf der Liste. Das gab es noch nie", sagt Schöniger. Thalheim mit zwölf, Gelenau mit fünf und Lugau mit vier Qualifizierten hätten das Sachsenaufgebot zu einem Großteil ergänzt. Alles für die Katz'? Viele sehen es als unwahrscheinlich, dass die Turniere nachgeholt werden. Hallenbelegungen, Kampfrichter und die vielen anderen Dinge für Ausweichtermine unter einen Hut zu kriegen, halten die Ringer für fast unmöglich. "Wir wären jetzt jedes Wochenende auf Achse", so Schöniger. "Allein sechs B-Jugendliche freuten sich auf die nationale Meisterschaft. Für viele, die mitten in den Vorbereitungen steckten und Aussicht auf Erfolg hatten, brach eine Welt zusammen." Hart treffe es zudem drei A-Jugendliche, die Chancen auf Titel und internationale Wettbewerbe hatten, die aus den anderen Erzgebirgsvereinen ebenso. "Ich habe pro Woche - mit Kitas und Ganztagsangeboten - um die 160 bis 200 Sportler betreut. Der Stress und der Trubel fehlen mir", gesteht Schöniger. Die meisten hielten sich an ihre Pläne, auch ohne Partner könne man Ringkampftechniken üben. Über eine Lauf-App kann er - sofern seine Schützlinge diese auf dem Handy aktivieren - sogar verfolgen, welches Pensum jeder schafft. "Gerda Barth zum Beispiel ist in drei Wochen um die 100 Kilometer gejoggt. Echt vorbildlich", betont der Trainer. Wann es wieder richtig läuft, ist ungewiss. Selbst mit Blick auf die Bundesliga, deren Start bereits auf Oktober verschoben wurde. Ob sie überhaupt beginnt, bleibt fraglich. Das Gleiche gilt für die Staffeln der Regional-, Landes- und Jugendligen.

Den Verantwortlichen bereiten zudem die Finanzen Sorge. FCE-Abteilungsleiter Uwe Günther spricht sicherlich im Namen aller, wenn er sagt: "Die Sponsoren kämpfen. Wir wünschen deshalb allen Gesundheit und möglichst geringe Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb." Hinzu kommt, dass alle Vereine Athleten aus dem Ausland unter Vertrag haben, etwa aus Polen, Tschechien und Ungarn. Dürfen sie einreisen? "Das weiß heute keiner", so Günther. (mit mas)

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.