Siebenmeter krönt Karriere

Der Auer Ausnahme-Handballer Eric Meinhardt durfte in seinem letzten Zweitliga-Spiel mit dem EHV über ein 28:27 jubeln. Was folgte, war ein bewegender Abschied.

Lößnitz.

Ein Dramaturg hätte es nicht besser niederschreiben können: Das letzte Spiel von Ausnahme-Handballer Eric Meinhardt bildete das würdige i-Tüpfelchen auf seiner beispiellosen Karriere in den Reihen des EHV Aue. In letzter Minute gelang dem scheidenden Kapitän am Sonnabend der umjubelte Siegtreffer zum 28:27 (13:16) gegen den Tabellensechsten TuS N-Lübbecke. Und zwar mit einem Siebenmeter - die Paradedisziplin des 33-Jährigen.

Die 1720 Fans in der Lößnitzer Erzgebirgshalle hielt es nicht mehr auf den Sitzen. Stehend und klatschend zollten sie dem Kapitän Respekt, der vor der Zweitliga-Partie durch Andreas Thiel den Titel "Spieler des Jahres" verliehen bekam. Der frühere Weltklasse-Torhüter Thiel, der lange für die Nationalmannschaft spielte, 430 Siebenmeter hielt und wegen außerordentlicher Reflexe "Hexer" genannt wird, betonte: "Das ist kein Publikumspreis, sondern die verdiente Wertschätzung durch die gegnerischen Mannschaften." Dass es ein nervenaufreibender Abend ist, zeigte sich mit Anpfiff. Nichts wollte den Gastgebern gelingen, die 0:5 (8.) zurücklagen. Bengt Bockhorn schoss das erste Auer Tor - und gab den Startschuss zur Aufholjagd. Nach dem 13:16 zur Pause erzielte Mindaugas Dumcius den ersten Ausgleich zum 17:17 (36.), ehe Kevin Roch mit dem 18:17 (37.) die erste Führung markierte. Es schien, als legten alle eine Schippe drauf, auch wenn es knapp zuging. Beim 27:27 und Aue im Angriff schwappten Zuschauerwellen durch die Halle. Nach einem Foul entschieden die Schiris auf Siebenmeter - und trotz aller Emotionen um ihn herum versenkte Eric Meinhardt den Ball im gegnerischen Tor, das 28:27.

Danach geriet der Sieg fast zur Nebensache. Jörg Meinhardt rang am Spielfeldrand um Fassung, während er seinen Sohn im Jubel nicht aus den Augen ließ. Viele hatten mit Tränen zu kämpfen, als es nach der Verabschiedung von Jort Neuteboom, Mindaugas Dumcius und Jan Faith daran ging, den Kapitän ziehen zu lassen. Dazu gab es Fotos, bewegte Bilder und Grußvideos, etwa von Bundestrainer Christian Prokop, dem einstigen EHV-Coach Runar Sigtryggsson und anderen Wegbegleitern, von denen viele weitere persönlich nach Lößnitz gekommen waren. Darunter Vater und Sohn Rothenburger, Maik Nowak, Michal Tonar, Janar Mägi, Clemens Kurzweg, Marcel Schäfer und viele mehr. Gut 550 Spiele, knapp 2100 Tore - 16 Jahre Handball in der ersten Mannschaft. Eric Meinhardt schrieb Handballgeschichte. EHV-Manager Rüdiger Jurke fiel der Abschied schwer. "Wir hatten viele Kapitäne, sehr gute. Aber du warst der Beste", sagte er. "Ein toller Spieler, ein toller Mensch - und mein Freund", fügte Jurke hinzu. Eric Meinhardt ergriff gefasst das Wort. "Ein großes Dankeschön an alle Fans für die jahrelange Unterstützung. Ich wünsche mir, dass ihr weiter so großartig hinter dieser tollen Mannschaft steht." Spieler des Jahres sei er nur dank "dieser" Jungs geworden, betonte er mit Blick aufs Team. "Als Kapitän hatte ich das Privileg, das Training zu beenden. Auf diese Weise verabschiede ich mich heute aus tiefstem Herzen auch von Euch, liebe Fans: Glück auf", sagte er und legte das Mikro aus der Hand.

Noch viele sagten ihm persönlich Adé - und es fühlte sich unwirklich an. Doch es gibt kein Zurück, der Kapitän ist von Bord und beginnt als Lehrer für Biologie und Sport einen neuen Lebensabschnitt. Das Erzgebirge trägt er sicher weiter im Herzen. So wie die Erzgebirger ihn.

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