Talent tritt in Papas Fußstapfen

Nathalie König hat das Laufen für sich entdeckt. Kaum verwunderlich. Ist sie doch die Tochter von Langstrecken-Ass Thomas König. Trotzdem geht sie ihren eigenen Weg.

Bockau.

Schreiben, laufen, schreiben. Immer abwechselnd, fast jeden Tag. So beschreibt Nathalie König die Zeit, in der sie die Abschlussarbeit ihres Bachelor-Studiums zu Papier brachte. "Das Laufen war der perfekte Ausgleich", so die 22-Jährige, die in gewisser Weise in die Fußstapfen ihres Vaters Thomas tritt. Der Bockauer gilt als Langstrecken-Ass, hat manchen Marathon und Ultra-Lauf sehr erfolgreich bestritten. Die Tochter indes zog nur ab und zu mal mit. Jetzt nimmt sie sich läuferisch viel vor.

Beruflich geht es mit dem Master-Abschluss im Industriemanagement weiter. "Via Fernstudium", so König. Zeit fürs Laufen wolle sie sich nehmen. "Unbedingt sogar." Seit Jahresanfang trainiert sie ernsthaft, steigerte sich von drei bis vier Einheiten pro Woche auf eine tägliche Taktung. Der Ehrgeiz hatte sie 2018 beim Glauchauer Herbstlauf gepackt. Für zehn Kilometer standen 46:48 Minuten auf der Uhr. "Das hat mich gewurmt." So war sie diese Distanz schon schneller gelaufen: 2016 beim Mitteldeutschen Marathon in Halle in 45:40 Minuten. Jenes Großereignis steht am Sonnabend wieder in ihrem Terminplan. Und die aktuelle Bestzeit kann sich sehen lassen: Beim Alsterlauf in Hamburg fiel vor wenigen Wochen die 38. Nathalie König benötigte 37:49 Minuten.

Doch zurück auf Anfang: Nach dem Glauchauer Herbstlauf startete die Bockauerin bei lokalen Rennen wie Auer Silvester- und Zwickauer Adventslauf, stieg in die Sachsencup-Serie ein. In Eilenburg war sie Erste ihrer AK und drittschnellste Frau (40:53), in Leipzig gelang ihr das erneut - nur schneller (40:27) In Hohburg war sie schnellste Frau. Auch die Stundenlaufserie in Zwickau spulte sie beinahe mühelos ab. Mit 57.446 Metern hängte sie die weibliche Konkurrenz ab und musste auch nur zwei Männern den Vortritt lassen: Papa Thomas (58.810) und Martin Ganzon (57.675).

Dass sie ihn bald überholen wird, damit necken ihn andere Läufer ab und zu. Thomas König stört es nicht. "Es freut mich sogar", sagt er. Nie habe er sein Kind gegängelt, sich ihm anzuschließen. "Es war allein ihre Entscheidung. Sonst würde sie nicht so gute Fortschritte machen." Seit Juli trainiert Nathalie mit eigenem Coach. "Ich wurde angesprochen, willigte ein. Damit erreichte alles eine viel professionellere Ebene - von regionalen Läufen wechselte ich auf größere Veranstaltungen."

Der Blick "von außen" sei ihr wichtig. "Das bringt mich voran." Bei der City-Night in Berlin etwa dufte sie schon im Elitefeld starten. Ein einmaliges Erlebnis - und mit 38:19 Minuten eine Superzeit. Doch auch die 38 sollte unbedingt fallen, was wie erwähnt beim Alsterlauf in Hamburg gelang. Sicher auch dank Papas Genen. Doch noch viel mehr zähle eiserne Disziplin - im Training, beim Laufen und bei der Ernährung. So verzichtet die 22-Jährige auf weißes Mehl und raffinierten Zucker. Obst und Gemüse sind ihre Energiespender. Als Verzicht empfinde sie das nicht. Langfristig sei die Marathondistanz das Ziel. Das brauche einen soliden Aufbau. Für die zehn Kilometer am Sonnabend in Halle gibt ihr der jüngste Erfolg zusätzlich Kraft: Nach dem Finale des Sachsencups stand Nathalie König mit maximal möglichen 140 Punkten aus sieben Läufen als Siegerin der Frauen fest. Vater Thomas gelang das in der AK 50 der Männer.

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