Talentschmiede blickt auf 50 Jahre zurück

In Schwarzenberg ist Biathlon seit 1969 eine Institution. Pünktlich zum Jubiläum schafft ein Mädel des PSV den Sprung auf die internationale Ebene. Und holt Staffelsilber bei der Weltmeisterschaft.

Schwarzenberg.

Die mit Blick auf Medaillen internationale Durststrecke des PSV Schwarzenberg hat pünktlich zu "50 Jahre Biathlon" eine zarte 19-Jährige beendet: Hanna-Michéle Hermann aus dem Lößnitzer Ortsteil Grüna ließ die Mitglieder ihres Heimatvereins jubeln, als sie dieses Jahr bei der Jugend-Weltmeisterschaft (JWM) in der Slowakei Silber mit der Staffel gewann. "Ein Riesenerfolg, der Hanna-Michéle von Herzen zu gönnen ist", sagt Thomas Aurich, Trainer und Abteilungsleiter Biathlon im PSV.

Nach seinen Worten gab es für den Verein, der seine Heimstatt samt Rollerbahn, Funktionsgebäude und Schießstand unterhalb des Hofgartens hat, das letzte Mal 1998 JWM-Edelmetall. "Damals auch eine Staffelmedaille - Gold in Kanada durch Maik Muth", so Aurich. Hanna-Michéle Hermann, die wie so viele vor und nach ihm das Einmaleins des Biathlons in Schwarzenberg lernte, sei viel zuzutrauen. Im Winter 2018 sorgte sie mit ihrer ersten Nominierung für eine JWM - damals in Otepää in Estland - für Aufsehen, schlug sich als Jüngste und einzige Sächsin vor allem dank toller Laufergebnisse wacker und legte Ende 2018 mit ihrem Sieg bei "Biathlon auf Schalke" eindrucksvoll nach. Denn in Gelsenkirchen gewann sie mit ihrem Partner Julian Hollandt die German Team Challenge - vor 25.000 Zuschauern in der Veltins-Arena. Noch schwerer aber wiegt das Slowakei-Silber. Weitere Erfahrungen sammelte die junge Frau, die an der Eliteschule des Wintersports in Oberwiesenthal in den vergangenen Wochen ihre Abiturprüfungen ablegte, unter anderem in der IBU-Junior-Cup-Serie.

Dass es ein Talent wieder in die internationale Szene geschafft hat, freut Aurich und das gesamte Umfeld im PSV sehr. "Nach besagter Durststrecke gab es zuletzt leistungsmäßig einen sehr positiven Trend." Das sei auch der hervorragenden und größtenteils ehrenamtlichen Arbeit in Schwarzenberg geschuldet. Fünfmal in Folge - von 2010 bis 2014 - wurde der Verein mit dem Titel "Talentstützpunkt des Jahres" geehrt, bei dessen Vergabe die Ergebnisse des Schülerbereichs ausschlaggebend sind. Derzeit werden im PSV 28 junge Biathleten vom Schüler- bis Juniorenbereich trainiert, davon sind sieben schon an den Fichtelberg delegiert. "Drei weitere befinden sich auf dem Sprung", so Aurich, der mit sechs Übungsleitern am Talentstützpunkt natürlich leistungssportlich orientiert arbeitet. "Aber prinzipiell ist bei uns jeder willkommen, der Biathlon ausprobieren und ausüben will." Ein früher Einstieg sei wichtig, um technisch und konditionell grundsätzliche Voraussetzungen für Erfolge zu schaffen. "An sich ist das Grundschulalter optimal", sagt Aurich.

Von den 600 Mitgliedern des PSV gehören etwa 60 der Abteilung Biathlon mit 50-jähriger Geschichte an. Im Ausrichterteam Westerzgebirge in Zusammenarbeit mit andern Vereinen der Region ist es eine 30-köpfige Kampfrichter-Riege, die es ermöglicht, auch größere Wettbewerbe - etwa im Zuge des deutschen Schülercups - am Fichtelberg zu stemmen. Ehrgeiz, Talent und Trainingsfleiß zeichnen laut Aurich einen guten Biathleten aus. "Die Anforderungen sind vielseitig." Das spiegelt sich im Training wider. So reicht es im Sommer vom Radfahren über Inliner und Schwimmen bis Skiroller. "Um alle Muskelgruppen abzuholen", so Aurich schmunzelnd. Denn optimale Fitness ist im Winter beim Mix aus Skilanglauf und Treffsicherheit am Schießstand das A und O.

Gefeiert werden 50 Jahre Biathlon in Schwarzenberg am 1. Juni. Vormittags gehen am Hofgarten die Erzgebirgsspiele über die Rollerbahn, ehe ab 17 Uhr eine Festveranstaltung folgt. Erwartet werden gut 200 Gäste, darunter frühere Übungsleiter, treue Förderer und erfolgreiche Athleten wie André Sehmisch.


Werdegang des Biathlon-Sports in Schwarzenberg

1969 bilden Werner Siegel, weitere sportbegeisterte Polizisten und elf Jungs den Grundstock der Sektion Biathlon in der damaligen SG Dynamo Schwarzenberg. Erstausstattung: gebrauchte Holzskier und drei Diopter-Luftgewehre. Unterhalb des Hofgartens entsteht eine asphaltierte Rollerbahn mit Nebenanlagen wie einem kleinen Schießstand. Das Schneetraining erfolgt in Jägerhaus, Johanngeorgenstadt oder gar in Tellerhäuser.

Andreas Sasse qualifiziert sich als erster Schwarzenberger für eine DDR-Meisterschaft. Bernd Ullmann erfüllt 1972 erstmals die Normen, die den Weg ins Leistungszentrum zu Dynamo Zinnwald ebnen. Ab 1974 delegiert man Talente an die Kinder- und Jugendsportschule Altenberg. 1975 die Goldpremiere: Zwei DDR-Schülermeister stammen aus der inzwischen etablierten Sektion, die als Bezirkstrainingszentrum eingestuft ist.

50 Schwarzenberger Biathleten werden von 1972 bis 1988 nach Zinnwald delegiert - das zeugt von der soliden Ausbildung. Von 1973 bis 1979 erkämpfen Schwarzenberger bei DDR-Meisterschaften und zentralen Spartakiaden sieben Gold-, 13 Silber- und 18 Bronzemedaillen. Nicht mitgerechnet ist dabei das Edelmetall der nach Altenberg/Zinnwald Delegierten.

Ende der 1970er-Jahre erfolgt eine staatliche Förderung, was hauptamtliche Trainer ermöglicht. Es gibt 25 Übungsleiter, 40 Kampfrichter und 130 Talente. Zunehmend agieren die Schwarzenberger als Ausrichter von Wettkämpfen. Anfang und Mitte der 1980er-Jahre schlägt für frühere Schwarzenberger die große Stunde auf internationaler Ebene, etwa für Olaf Schmidt, Birk Anders, Thomas Pawliczek, Andreas Heymann und Frank Köhler. Ab 1983 gehört Weltklasse-Biathlet André Sehmisch zur Nationalmannschaft. Er feiert große Erfolge bei Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen und im Weltcup.

1985 hat die Sektion etwa 150 Mitglieder, darunter gut 100 aktive Biathleten. Dazu kommen 50 ehrenamtliche Kampfrichter. Die Schwarzenberger arbeiten mit anderen Vereinen aus der Region eng zusammen, vor allem im Zusammenhang mit größeren Wettbewerben. In den Jahren nach 1990 wird das im Kampfrichterteam Westerzgebirge forciert. Nach der Wende geht die SG Dynamo im Polizeisportverein (PSV) Schwarzenberg auf. Erster Leiter der Biathleten ist Klaus-Dieter Schumacher, der 1993 Landestrainer wird und sich für den neuen Olympiastützpunkt in Oberwiesenthal stark macht.

Schwarzenberg wird zum Landesstützpunkt ernannt und delegiert Talente an den Fichtelberg. Der mit Abstand erfolgreichste Schwarzenberger ist Ricco Groß, der allein 13 Goldmedaillen bei WM und Olympischen Spielen holt. Bis 1999 hatten Schwarzenberger Biathleten bei internationalen Wettkämpfen 44 Medaillen, darunter 24 goldene, erkämpft.

Nach 1990 stehen zum Beispiel Stefan Drechsler, Mike Haase, Mirko Janßen, Maik Muth und David Böthig für die Erfolgsgeschichte des PSV, der immer mehr auch als Ausrichter in den Fokus rückt. 2002 bildet sich das Ausrichterteam Westerzgebirge und organisiert seither mit vereinten Kräften im Winter größere Wettkämpfe am Fichtelberg. (stl/ane)

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