Trotz Handicap in Erfolgsspur

Seine Behinderung hält Tischtennis-SpielerDominic Scheffler nicht davon ab, den Gegnern die Bälle um die Ohren zu schmettern. Der Gornsdorfer darf sich sogar Deutscher Meister nennen.

Gornsdorf.

Er zählt zu den Konstanten in der vierten Mannschaft des TSV Elektronik Gornsdorf. In der Hinrunde der abgelaufen Saison hat Dominic Scheffler kein Spiel seiner Mannschaft verpasst, die in der Kreisliga Stollberg am Ende auf Platz 3 landete, in der Rückrunde waren es lediglich drei. Und wenn er an der Platte stand, dann verließ er sie zumeist als Sieger. An Position 3 im Team gesetzt, ist der 23-Jährige nicht nur bei seinen Mannschaftskameraden anerkannt und beliebt, sondern wird auch von seinen Gegnern respektiert. Ein normaler Spieler, der aber trotzdem ein besonderer ist. Denn Dominic Scheffler spielt mit einem nicht zu übersehenden Handicap.

Pseudoachondroplasie. Hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich eine spezielle Form der Kleinwüchsigkeit, seine Gliedmaßen sind verkürzt. "Damit gibt es nur ungefähr 300 Menschen auf der Welt", sagt er. Sonderlich eingeschränkt sei er aber nicht, weder im Alltag noch auf dem sportlichen Parkett. "Da habe ich sogar einen psychologischen Vorteil, denn man wird doch oft unterschätzt", sagt er. Der einzige körperliche Nachteil, die kurze Reichweite, lässt sich dabei allerdings nicht wegdiskutieren. So sei es für ihn schwierig, bei der Eröffnung mit einem Top-Spin zu starten. Seine Stärken, auf die er seinen Stil ausgerichtet hat, machen dies aber wieder wett. Scheffler gehört zur Sorte der Defensivspieler, die relativ weit von der Platte entfernt stehen und wie durch Zauberhand jeden Schmetterball zurückbringen - was einen Gegner zermürben und ihn schnell zu leichten Fehlern zwingen kann. Zudem zeichne ihn mentale Stärke aus. "Rund 80 Prozent meiner Partien über fünf Sätze gewinne ich." Scheffler legt Wert darauf, dass er wegen seines Handicaps keine speziellen Boni erhält. "Was ich mache, ist Regelsport."

Zum Tischtennis kam der Auerbacher relativ spät, erst Ende der vierten Klasse. Erstmals habe er da im Türkeiurlaub gegen seinen Vater gespielt. Mit dem Wechsel aufs Gymnasium in Thum kurz danach ging es dann richtig los. "Dort gab es im Schulclub eine Tischtennisplatte, und ich habe mich wohl nicht so schlecht angestellt", sagt er schmunzelnd. Also schloss er sich dem TSV Elektronik Gornsdorf an, bei dem mittlerweile auch sein jüngerer Bruder Rick spielt.

Dominic Scheffler ist allerdings nicht nur im Ligabetrieb zuhause. Auch im Behindertensport mischt er kräftig mit - und das mit beachtlichem Erfolg. So wurde er im April im hessischen Bruchköbel deutscher Meister im Doppel, gemeinsam mit seinem Partner Dominik Rehn vom TTV Radebeul. Schon einen Monat zuvor hatte er in Brechen (ebenfalls Hessen) Einzel-Bronze bei den Deutschen U-25-Meisterschaften geholt und war Neunter im Doppel geworden. Gestartet war Scheffler dort allerdings nicht für Gornsdorf, sondern für Radebeul. Grund: Die Elektroniker waren zum damaligen Zeitpunkt nicht Mitglied im Sächsischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (SBV).

Das hat sich mittlerweile geändert. "Allerdings hat sich dieser Prozess wegen des Papierkrams ganz schön gezogen. Bestimmt drei Monate", sagt der 23-Jährige, der sich seitens der Verbandes unter anderem klassifizieren lassen musste. Als er mit dem Wunsch an seinen Verein herangetreten ist, habe es allerdings keine Probleme gegeben. Alle hätten sich aufgeschlossen gezeigt. Da die Jahreshöhepunkte - die beiden deutschen Meisterschaften - nun allerdings vorüber sind, liegt der Fokus als nächstes erst einmal auf dem Vereinssport.

Und auch noch auf einer anderen großen Leidenschaft, der der BWL-Student nebenbei frönt: dem E-Sport. Scheffler spielt Pokémon - was nach Kinderunterhaltung aussieht, ist tatsächlich ein hochkomplexes, rundenbasiertes Strategiespiel, eine Art Schach mit Comicfiguren. 2015, 2016 und 2018 war er bei den stets in den USA stattfindenden Pok´´emon-Weltmeisterschaften mit dabei.

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