Überall fliegt bald der Ball

Die Handballer nehmen so langsam Fahrt auf. Noch ist zwar unklar, wie und wann es konkret weitergeht, doch zumindest ist der generelle Stillstand in den Erzgebirgsvereinen beendet - in allen Ligen wird wieder trainiert.

Aue/Zwönitz/Annaberg.

Mit dem Handballspiel hat das aktuelle Training noch nicht allzu viel zu tun. Dennoch geht es in der Region wieder zur Sache, wenn auch teils mit untypischen Trainingsinhalten. "Freie Presse" hat sich bei den Männermannschaften aus drei Vereinen und unterschiedlichen Ligen umgehört.

Aue/Oberliga: "Immerhin konnten wir wieder starten", sagt Michael Hilbig, Coach des EHV Aue II. Diese Mannschaft belegte als Aufsteiger und Neuling in der vorzeitig beendeten Saison Platz 7 in der mitteldeutschen Oberliga. "Ein Superergebnis, das wir vielleicht noch hätten steigern können." Denn in vier Partien der noch ausstehenden fünf Spiele wäre es gegen Teams gegangen, die hinter den Erzgebirgern stehen. "Egal", sagt Hilbig. Der Abbruch der Serie habe schließlich alle getroffen. Und sei aufgrund der Lage im März richtig gewesen.

Nun trainieren die Auer wieder dreimal pro Woche - und müssen sich nach drei Monaten in Einzel- und Eigenregie als Mannschaft erst wieder zusammenraufen. "Das ist eine große Herausforderung", so Hilbig. Neben Laufeinheiten stehen Koordination und einmal pro Woche eine ausgiebige Radtour auf dem Programm. "Dabei achten wir auf den nötigen Abstand." Gesprächsstoff gebe es im Überfluss, so der Coach. "Den persönlichen Kontakt können Handy und Internet nicht ersetzen." Die Sporthalle auf dem Zeller Berg sei auch für den 16-köpfigen Kader des EHV II nutzbar. "Aber wir gehen viel ins Freie." Ende September sei der erste Spieltag der neuen Saison geplant. "Bis dahin bleibt genügend Zeit zur Vorbereitung, die wir aber auch brauchen", betont Hilbig. Denn fit seien alle. "Aber die Übung im Passspiel, verschiedene Techniken und das Zweikampfverhalten haben unter Corona natürlich arg gelitten."

Zwönitz/Sachsenliga: Auch der Zwönitzer HSV steckt mitten in der Vorbereitung auf die neue Spielzeit, sagt Vorstandsvorsitzender Ralf Beckmann: "Seit Anfang Juni trainieren wir wieder." Aufgrund der langen Pause stehen beim Sachsenligisten vorerst aber vor allem Kraft- und Ausdauertraining im Vordergrund. "Das Spielerische kommt dann später, jetzt müssen die körperlichen Grundlagen gelegt werden", so Beckmann. Auch personell hat sich beim HSV einiges geändert. "Wir freuen uns sehr, dass Vaclav Kotesovec nach seiner langwierigen Rückenverletzung wieder ins Training eingestiegen ist", sagt der Vorsitzende, der gleichzeitig mit Toni Schlömer einen Abgang vermelden muss. "Toni hat aus familiären Gründen die Handballschuhe an den Nagel gehängt", so Beckmann. Auch einen neuen Spieler für den Aufbau habe er im Fokus, noch sei aber nichts spruchreif.

Überraschend bleibt aber die Konstanz auf der Trainerposition der Sachsenliga-Handballer, die auch zur Saison 2020/21 von Frank Riedel besetzt wird. Der half nach dem Rücktritt von Bill Hofmann interimsmäßig aus und wollte das eigentlich nur bis zu diesem Sommer tun. Der Sinneswandel hat pragmatische Gründe, wie Ralf Beckmann erklärt: "Aufgrund der Corona-Situation war es schwierig, einen geeigneten Kandidaten zu finden." Mit Riedel gebe es die beste Lösung, auch wenn er nur bis zum Saisonende zugesagt hat. "Danach müssen wir sehen, dass wir eine passende Person finden."

Annaberg/Bezirksklasse: Geübt wird seit zwei Wochen auch in den Reihen der Bezirksklasse-Mannschaft des HC Annaberg-Buchholz. "Es ist aber schwierig, die Spannung aufrecht zu halten", gibt Präsident und Trainer Felix Schneider unumwunden zu. Deshalb ist er glücklich, dass es ab nächste Woche wieder in die Halle und an den Ball geht. Mit den bisherigen Athletikeinheiten und Läufen im Freien sei das nicht zu kompensieren. "Unsere Männer brauchen das Wurftraining, das Zusammenspiel, das taktische Miteinander. Das macht einfach mehr Spaß", betont der Trainer, dessen Sieben nach der Quotientenregel als Tabellendritter der Bezirksklasse Chemnitz sogar mit dem Aufstiegsgedanken konfrontiert wurde. "Den Gang in die Bezirksliga haben wir zunächst abgelehnt. Wir bauen viele A- und sogar B-Jugendliche in unsere Männermannschaften ein, wollen diese nicht gleich überfordern", so Schneider. Wenn die Jungs aber weiterhin so mitziehen und eine Steigerung gelingt, werde 2021 die Bezirksliga sicherlich angegangen. Auch deshalb, weil der HCAB aktuell keine Abgänge zu beklagen hat. Noch aber sei alles eine Gleichung mit vielen Unbekannten und Hygienekonzepten. "Deshalb hoffe ich, dass Anfang Juli zur Spielbezirkstagung Genaueres verkündet wird", so der HCAB-Präsident. (ane/frgu/mas)

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