Unterwegs Richtung Eliteliga

Wie die Fußballer wollen auch Referees aufsteigen. Ein Annaberger pfeift nun in der Junioren-Bundesliga. Doch er will noch mehr.

Annaberg-Buchholz.

Der als talentiertester Nachwuchs-Referee im Erzgebirgskreis eingestufte Johnny Schiefer hat eine weitere Sprosse erklommen. In der neuen Serie darf der Annaberger als Unparteiischer in der Fußball-Bundesliga der B-Junioren auflaufen und erste Oberliga-Partien der Männer leiten. Mit Aleksandr Pirogov aus Görlitz und Nico Rich aus Hoyerswerda bildet er dann das Trio, das sich durchsetzen muss. Angst hat er davor nicht. "Je weiter oben die Spielklasse liegt, desto einfacher wird es", betont der 20-Jährige.

Diese Meinung basiert nicht auf dem Sportlichen, bei dem es durch das höhere Tempo immer schwieriger wird, die Situationen richtig einzuschätzen, sondern auf dem Publikumskontakt. "Die direkten Beleidigungen, die wir in Kreisklassen erleben, gehen in Stadien unter. Aus der großen Masse von Zuschauern treffen sie dich nicht so direkt wie auf dem Dorfplatz", erklärt Schiefer. "Mit mehr oder weniger dummen Sprüchen muss jeder leben - egal, ob in der Bundes- oder in der Kreisliga."

Eine kritische Situation mit ausrastenden Fans habe er noch nicht aushalten müssen. Sollte es mal dazu kommen, kann er auch seine andere Ausbildung nutzen. Seit zwei Jahren studiert er an der Polizeischule in Aschersleben, nachdem er 2016 sein Abitur am Landkreisgymnasium in Annaberg gemacht hatte. In Bezug auf seine Dienststelle in Sachsen-Anhalt lobt der 20-Jährige das Verständnis, das die Vorgesetzten für seine Schiedsrichtertätigkeit haben. Für sein zeitaufwändiges Hobby muss er dennoch Opfer bringen, auch wenn er von der Spitzenförderung des Verbandes profitiert. "Zweimal pro Monat fahre ich zu Lehrgängen nach Leipzig, drei- bis viermal im Jahr werde ich zudem zum DFB gerufen, um mich in Kaiserau oder in Frankfurt am Main weiterzubilden. Selbst bis zum Einsatz von Psychologen, Ärzten und Sportwissenschaftlern reicht unsere Betreuung."

Der Unparteiische will so weit wie möglich nach oben. Vier Sprossen sind's noch auf der Leiter bis zur Männer-Bundesliga. "Von Stufe zu Stufe wird es schwieriger, sich gegen die Konkurrenten zu behaupten." Ausschlaggebend für die Verantwortlichen sind vor allem Alter und Perspektive. Da hat Schiefer gute Chancen, denn er leitete bereits als 15-Jähriger Kreisliga-Spiele. Seitdem geht's für ihn bergauf. Als Fußballer spielte er unter anderem beim FCE Aue und beim VfB Annaberg. Als er sich entscheiden musste, tat er dies für die Karriere als Schiedsrichter.

Seitdem ist er fast jedes Wochenende im Einsatz. Zeit für Familie und Freunde bleibt da wenig, zumal er auch fit sein muss. "Rund zehn Kilometer laufe ich pro Spiel. Dafür sind mindestens vier Trainingseinheiten pro Woche nötig", sagt der gebürtige Bad Schlemaer. Ein Intervalltest, der 40 Läufe zu je 75 Meter beinhaltet, und einer mit sechs 40-Meter-Sprints hintereinander sind ohne Training nicht zu schaffen. Ständige Regel-, Theorie- und Konformitätsüberprüfungen kommen hinzu.

Dass ein Aufstieg in die Herren-Bundesliga auch finanzielle Anreize birgt, bestreitet Schiefer nicht. Deswegen will er sich aber nicht unter Druck setzen. Einerseits hat der Polizeikommissaranwärter einen guten Beruf in Aussicht, andererseits weiß er, wie schmal der Grat ist: "Auf die DFB-Liste schaffen es nur 0,32 Prozent aller Schiedsrichter, nur rund 20 von 77.000 in die Bundesliga."

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