Unterwegs zu neuen Abenteuern

Nach der Wüste im vergangenen Jahr will der Stollberger Extremsportler Jens Fritzsch im Juni die Albanien-Rallye in Angriff nehmen. Doch wegen des Coronavirus gehen nicht alle Blütenträume in Erfüllung.

Stollberg.

Zum Glück ist das Jahr lang. Das mag sich Jens Fritzsch derzeit denken. Vielen abgelegenen Ecken der Welt hat der Stollberger seinen sportlichen Stempel bereits aufgedrückt. Als Ultramarathonläufer war er unter anderem in Island unterwegs, am Yukon River bei minus 45 Grad und in der knochentrockenen Atacama-Wüste in Chile. Mit dem Enduro-Motorrad startete er im vergangenen Jahr bei der Tuareg-Rallye im Sand Algeriens. Wer einmal Blut geleckt hat, will weiter, immer weiter. Fritzsch ist da nicht anders, nach der Herausforderung ist für ihn vor der Herausforderung. Doch auch er, dem ansonsten kein Berg zu hoch und kein Pfad zu steil ist, hat mit den Umständen zu kämpfen, die das Coronavirus mit sich bringt. Ein unsichtbarer, mächtiger Gegner.

Ende April wollte der 51-Jährige die 51 Kilometer lange Harzquerung von Wernigerode nach Nordhausen in seinen Laufschuhen in Angriff nehmen - gewissermaßen als Training für die geplante Teilnahme am Transsylvania Ultra Trail im Mai, der die Teilnehmer binnen 30 Stunden 102 Kilometer weit durch die Karpaten führt - mit Start und Ziel am Dracula-Schloss. Doch daraus wird erst mal nichts. Der Ultra Trail wurde auf September verschoben, die Harzquerung gleich auf das kommende Jahr.

Bleibt Projekt Nummer drei, die Rallye Albania. Die führt Motocrosser, Pkw- und Lkw-Fahrer Mitte Juni acht Tage lang über 1745 Kilometer quer durch Albanien, Fritzsch hat für die Motorradkategorie gemeldet. "Kein Sand diesmal, sondern viele Steine", sagt der Extremsportler, der hofft, dass das Ereignis planmäßig über die Bühne geht - von einer Absage oder Verschiebung habe er bislang nichts gehört. Im Vorjahr in Algerien hatte er mit der Elektronik seiner Maschine große Probleme, die ihn letztlich weit zurückwarfen. Deshalb kommt diesmal ein älteres, robusteres Motorrad zum Einsatz - eine alte Yamaha, die er seit etwa 20 Jahren besitzt. "Die ist zuverlässig", so Fritzsch. Einmal gründlich auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt habe er das Gefährt trotzdem. Bei Rallyes, die ihn weiter weg und zum Teil bis nach Übersee führen, kaufe er sich sonst stets eine Enduro-Maschine beim Händler, die er für Langstreckenzwecke entsprechend umbaue. "Da muss dann zum Beispiel der Tank vergrößert werden."

Die Liebe zu Motorsport und Laufen hat sich bei Jens Fritzsch parallel entwickelt, sie prägt ihn seit seiner Kindheit. "In der Schule habe ich gemerkt, dass ich beim Laufen auch wirklich gut bin", sagt er. 1996 sei er dann seinen ersten Stadtmarathon gelaufen, was er heute meide wie der Teufel das Weihwasser. "Solche Läufe kann ich nicht ausstehen. Zum einen wegen der Menschenmassen und zum anderen, weil sie unheimlich langweilig sind." Also verlegte er sich auf die längeren Distanzen und auf Orte, die die meisten Menschen hierzulande nur von Hörensagen kennen und nicht mal im Urlaub aufsuchen. Immer, wirklich immer, ist er allein unterwegs, denn Laufen in der Gruppe ist ihm ein Gräuel. Und oft stimmt er unterwegs Lieder an, die in der Einsamkeit außer ihm keiner hört. Besonders gern intoniert er Arbeiterlieder, hat er einmal gesagt.

Und noch etwas ist speziell: Wo immer Jens Fritzsch einen Ultramarathon oder eine Rallye angeht - kein Veranstalter sieht den Stollberger ein zweites Mal. "Dann kennt man ja alles schon. Es gibt einfach zu viele interessante Veranstaltungen auf der Welt." Einzige Ausnahme: Er erreicht das Ziel nicht und damit keine Platzierung. Aber das, sagt er, sei noch nie vorgekommen.

Was ihn noch reizt? Die Antarktis. Läufe gebe es dort, die wegen zu geringer Anmeldezahlen aber nicht immer zustande kommen würden. Die Planungen über Rumänien und Albanien hinaus gehen auch Richtung Südamerika. Beim Ultra Bolivia über sieben Etappen und 220 Kilometer durch die Salar de Uyuni, die größte Salzwüste der Erde, will er gern dabei sein.


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