Veilchen sagen nächstem Auswärtsfluch den Kampf an

Die Zweitliga-Kicker des FC Erzgebirge Aue wollen morgen in Fürth endlich mal wieder einen Sieg landen. Trainer Daniel Meyer reicht es aber nicht, wenn immer nur von Spiel zu Spiel gedacht wird.

Fürth.

Magere vier Punkte hat der FC Erzgebirge Aue bisher in dieser Saison in der 2. Fußball-Bundesliga auf gegnerischen Plätzen geholt - in acht Partien. Morgen ab 13 Uhr folgt der neunte Auswärtsauftritt, es ist zugleich der letzte in diesem Jahr. Mit der Spielvereinigung Greuther Fürth wartet ein Team auf die Veilchen, das in dieser Meisterschaft zu Hause noch ungeschlagen ist. Drei Siege und vier Remis stehen bei den Kleeblättern im heimischen Ronhof zu Buche.

Zudem sind die Franken nicht gerade ein Lieblingsgegner der Veilchen. Zwar gewann der FCE das bis dato letzte Duell beider Vereine im März in Aue 2:1, aber in Fürth setzten sich die Lila-Weißen zuletzt im Oktober 2010 durch. Seither gab es im Ronhof fünf Niederlagen. Diesen Fluch zu besiegen, ist laut Trainer Daniel Meyer relativ einfach: "Wir müssen ein Tor mehr schießen als die Fürther." Auch vor dem 2:1-Erfolg in Duisburg sei viel darüber geredet worden, wie lange der FCE beim MSV nichts geholt hatte. Seine Mannschaft lechze nach dem nächsten Dreier, schließlich sei der bisher letzte schon eine Weile her. "Dementsprechend beschäftigen wir uns nicht mit Statistiken, die uns nicht positiv Hoffnung machen."

Beschäftigt haben sich die Auer dagegen intensiv mit Fürths Torjäger Daniel Keita-Ruel (8 Treffer) und dessen Spielweise. Und Hoffnung macht neben dem Glauben an die eigenen Qualitäten, dass die Kleeblätter nach starkem Saisonstart zuletzt vor allem defensiv einige Pro-bleme hatten. "Diese Anfälligkeit ist uns aufgefallen. Wir haben versucht, da ein paar Muster zu erkennen", sagt Meyer. "Wir fahren dahin, um zu gewinnen, weil wir diesen Dreier einfach brauchen, um für Ruhe zu sorgen", erklärt der 39-Jäh-rige weiter, der jüngst während seiner ersten FCE-Mitgliederversammlung mit der wohl selbstbewusstesten und mutigsten Rede überraschte, die je ein Veilchentrainer aus solch einem Anlass gehalten hat.

Kurz lässt sich diese so zusammenfassen: Verantwortliche und Fans des FCE sollen aufhören, quasi nur von Spiel zu Spiel, von Punkt zu Punkt zu denken und sich auf diese Weise in der 2. Bundesliga von Klassenerhalt zu Klassenerhalt zu bibbern. Meyer fordert, auf ein eher langfristig ausgelegtes Konzept zu bauen. Zwischenzeitliche Rückschläge inbegriffen und einkalkuliert. Als Basis dient die ständige Entwicklung junger Spieler, und zwar gleichermaßen zugekaufter Akteure wie im Nachwuchsleistungszen-trum ausgebildeter Eigengewächse.

Wer mit dem Trainer spricht, dem nennt jener als Vorbild den SC Freiburg. Dessen kontinuierliche Arbeit eine Etage höher könne als Vorbild herhalten. Die nötige Geduld für eine solche Herangehensweise verlangt Meyer von der Führungsriege und nicht zuletzt von den Anhängern. Nur so kann der FCE nach Ansicht des Trainers dauerhaft im sportlich und wirtschaftlich immer schwieriger werdenden Profifußballgeschäft überleben.

Für seine Worte erntete Meyer während der Versammlung und danach im Netz viel Anerkennung. Es gab allerdings auch Ablehnung. So warfen einzelne Anhänger Meyer - mit Blick auf dessen juristische Ausbildung - hochtrabendes Advokatengerede vor, mit dem er von der durchwachsenen sportlichen Bilanz und seinen Fehlern ablenken wolle.

FCE-Präsident Helge Leonhardt ist nach eigenen Aussagen von Meyer überzeugt. Er lässt allerdings keine Zweifel daran, dass er als Vereinschef trotz allen langfristigen Denkens stets die aktuelle Tabellensituation genau im Auge behalten muss. Insofern zählt für den Trainer dann doch wieder jedes einzelne Spiel, also auch das morgen in Fürth.

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