Vom Talent zum Talenteschmied

Philip Hauck trägt die Aue-DNA quasi in sich. Der Enkel von Wismut-Legende Holger Erler war selbst auf dem Sprung in den Profi-Fußball.

Aue.

Es war ein langer Prozess und kein leichter Schritt. "Im Prinzip opferte ich alles, wofür ich mein Leben lang hart gearbeitet und auf vieles verzichtet habe", sagt Philip Hauck. Und doch ist er mit sich im Reinen, so der 26-Jährige. Vor drei Jahren hakte er eine mögliche Fußballkarriere im Profibereich endgültig ab. Seit einigen Wochen ist er haupt-amtlicher Nachwuchstrainer bei seinem Heimatverein, dem FC Erzgebirge Aue, und betreut im Nachwuchsleistungszentrum des Zweitligisten die B-Junioren.

Auch das ist keine leichte Aufgabe. Mit Saisonbeginn rückten zwei Jahrgänge aus der Altersklasse U 15 in die U 17 hoch, stiegen damit von der Landesliga gleich in die Regionalliga auf. In der Staffel Nordost belegen die Lila-Weißen derzeit Rang 10 im Feld von 13 Teams, darunter Erfurt, Jena, Rostock, Halle, Zwickau und Berliner Clubs. Die Ziele steckt Trainer Hauck mit Bedacht. "Wir wollen nichts mit dem Abstieg zu tun haben. " Die Arbeit mit Jugendlichen stelle eine besondere Herausforderung dar. "Da spielt viel rein - Privates, Schule und Dinge wie Pubertät oder andere Sachen im Zuge des Erwachsenwerdens", sagt Hauck, der mit seinen Schützlingen nicht nur stur trainiert, sondern auch viel mit ihnen redet.

Seine Ausbildung kommt ihm entgegen. Als er die eigene Fußballerkarriere zu den Akten gelegt hatte, studierte er in Breitenbrunn Jugendsozialarbeit. Praxispartner war der FCE, sein Einsatzort das Internat. Eine Weile fuhr Hauck mehrgleisig - studierte, war Trainer der U 15 mit viermal Training pro Woche plus Spielen am Wochenende und kickte in Lößnitz selbst. Positiver Stress, wie der Schneeberger sagt. "Ich hatte mein Ziel ja vor Augen." Mit dem Studium in der Tasche folgte Anfang Oktober die Festanstellung. In Lößnitz sei er für Notfälle zwar noch gelistet. "Aber ich konzentriere mich in erster Linie auf die neue Aufgabe als Vollzeitcoach", so der Enkelsohn von Aues Spieler- und Wismut-Legende Holger Erler. Im Internat ist Hauck als Trainer Schnittstelle zwischen Eltern, Schule und Talenten. Er besitzt die B-Elitelizenz und strebt die A-Lizenz an.

Dass er jetzt an diesem Punkt stehen würde, war noch vor fünf Jahren nicht absehbar. "Da hatte ich noch andere Ziele." Hinter Hauck liegt ein langer und entbehrungsreicher Weg. Von Aue ging es für das Fußballtalent 2009 nach Wolfsburg in die U 17 mit den Folgestationen U19 und VfL-Reserve, ehe er 2013 zu Aue II wechselte und ab 2014 zum Kader der Ersten gehörte. Zwei Jahre später kickte er beim TSV Steinbach und ab 2016 bei Landesligist FC Lößnitz, wo er im Juli seine aktive Karriere beendete. Der Traum vom Profifußball sei aufgrund von Verletzungen geplatzt. "Sie ereilten mich zu allem Übel stets zu ungünstigen Zeitpunkten." Etwa am Ende der Jugend-Zeit oder als es in Aue in der 2. Bundesliga richtig losgehen sollte. "Danach wieder rein zu finden, und das gegen extrem starke Konkurrenz, ist unheimlich schwer."

Es kostet Nerven, verlangt Disziplin - beides brachte Hauck mehrfach auf. "Doch ich bin auch ein Kopfmensch und habe viel gegrübelt, immer eigentlich. Das fiel mir vielleicht letztlich auf die Füße", sagt er. "Da haben in diesem knallharten Geschäft die entscheidenden zwei, drei Prozent gefehlt."

Nun bereitet er Talente auf eine mögliche Profikarriere vor. "Ich verstehe rückblickend sogar einige meiner Trainer besser, weil ich jetzt selbst in dieser Rolle bin", sagt der 26-Jährige. Bei aller Professionalität komme der Spaß nicht zu kurz. "Die richtige Mischung ist wichtig, um die jungen Leute abzuholen." Erwartet durchwachsen lief die Saison bisher für die 23-köpfige U 17. "Wir belohnen uns teils für unseren Aufwand nicht." Lernprozesse gehören dazu. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Ablenkungen allein medial vielfältig sind. "Nur ein Bruchteil der Jungs schafft den Sprung", weiß Hauck. Größter Unterschied zwischen der Jugend von gestern und heute? "Ihnen fällt es schwerer, sich zu fokussieren. Und sie müssen lernen, Niederlagen wegzustecken."

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