"Was mich anwidert, ist die Art und Weise"

Turnen: Vertreter aus dem Erzgebirge äußern sich zum Fall Gabi Frehse

Frohnau/Thalheim.

Es sind inzwischen turmhohe Wellen, die der Fall Gabi Frehse schlägt. Über Jahre hinweg soll die Trainerin des TuS Chemnitz-Altendorf Turnerinnen schikaniert und Medikamente ohne ärztliche Verordnung verabreicht haben. Mehrere ehemalige Schützlinge der 60-Jährigen, insbesondere Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer, hatten die Vorwürfe erhoben.

Das Thema lässt auch die Turner im Erzgebirge nicht unberührt. Zum Beispiel in Thalheim. Beim SV Tanne trainiert Hans Dost seit mehr als einem halben Jahrhundert Mädchen und junge Frauen. So manche Turnerin, die er im Laufe dieser Zeit unter seinen Fittichen hatte, trainierte auch in Chemnitz unter Gabi Frehse. Dost springt Frehse, die er seit 40 Jahren kenne, zur Seite. "Sie kann knüppelhart sein, ist aber fair. Wer sportlich etwas erreichen will, muss auch mal Qualen ertragen", sagt der 78-Jährige. Zu konkreten Vorwürfen, etwa dem Medikamentenmissbrauch, könne er nichts sagen. "Aber was mich wirklich anwidert ist die Art und Weise, wie jetzt eine Sportlerin, die vor allem dank Gabi Frehse solche Erfolge wie den Weltmeister-Titel 2017 gefeiert hat, im Nachhinein derart schmutzige Wäsche wäscht."

Ähnlich sieht Jürgen Schramm die Problematik. Der Vorsitzende des ATV Frohnau stellt klipp und klar fest: "Das hat Gabi Frehse nicht verdient. Ich habe solche Erfahrungen nicht gemacht." Er sieht die jetzige Entwicklung als Kampagne. "Warum, wenn doch Pauline Schäfer unter Gabi Frehse solch angeblichem Martyrium ausgesetzt war, ist ihre jüngere Schwester Helene drei Jahre später ebenfalls nach Chemnitz gewechselt?", fragt er in den Raum. Schäfer, gebürtige Saarländerin, und Frehse hatten nach der EM2018 ihre Zusammenarbeit wegen unterschiedlicher Trainingsvorstellungen beendet. Während Schramm schon mehrfach mit seiner Kollegin gesprochen habe, will Dost dies ebenfalls bald tun. "Ich wollte das nicht überstürzen, werde mich aber bei Gabi melden." (jüw/mas)

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
33 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    Impfwort
    14.12.2020

    Ist die Sonn' am untergehn, scheint's abendmild so wunderschön - das Ihr Eindruck, liebe Turnerinmutti, im Zenit d.Trainerkarriere Gabi Frehses. Bitter anders die Jahre, als die sich durch unbedingten Ehrgeiz ersehnte Machtzuwächse u. Verfügungsgewalt verschaffte. Wir haben die Abrissbirne nicht kommen sehen, die 10, 15 Jahre später das seelische Gerüst unserer Tochter immens u. bleibend zerrüttete. Darin sind wir heute gefangen. Der DTB hat meine Kritik vor exakt 9 J. bloßgestellt, setzt nun eine Aufarbeitungskommission ein. Das Aufnahmegespräch m. unserer Tochter nahm 5 Std., der anderen jungen Frauen 4-6 Std. in Anspruch; angesetzt waren jew. 2 Std. Details gelangen selbstredend nicht an die Öffentlichkeit, schon aus Platzmangel. Genügt Ihnen das, oder! Nur - d. Mädels brauchen sich Brief u. Siegel vom DTB KEINE Unterstützung erwarten! Das zeigen d. Erfahr. vieler Jahre. Know-how im Umgang m. Krisen ist beim DTB m. d. ganzen dt.-dt. Sportgeschichte im Rücken bestens ausgeprägt.

  • 4
    2
    Britazeitung
    13.12.2020

    Ich hätte zu den Kommentaren gerne die richtigen Namen der Personen die solche Kommentare schreiben. Unter einem Synonym kann ich auch schreiben und muss nicht dafür einstehen was ich geschrieben habe. Ist man dafür zu feige, hat man Angst dass man damit konfrontiert wird?
    Ich selber habe Gabi im Training erlebt und kann nicht sagen das da ein Kind oder Jugendlicher auf irgend eine Art und Weise in verbaler Weise nieder gemacht worden ist. Wenn Sie ,, Imfwort‘‘ solche Anschuldigungen bringen dann hätte ich gerne Ihren kompletten Namen gesehen. Haben Sie die Anschuldigung erst beim DTB gemacht? Ich zitiere hier ,,regelmäßiger Wiederholung mit wüsten Verbalentgleisungen auf das unwürdigste den ihr anvertrauten Sportlerinnen gegenübergetreten ist‘‘ Oder gehen Sie hier gleich auf Hexenjagd. Denn Anonym kann jeder. Ich verstehe nicht wie die Freie Presse solche Artikel auch noch bringen kann. Brita Zander

  • 4
    5
    Impfwort
    12.12.2020

    Das Weltbild der zitierten Herren lässt sich mit "Sport im Ostblock" überschreiben. Mildernde Umstände.
    Es geht nicht darum, dass die Turnerinnen einem harten Training nicht gewachsen gewesen wären. [ Frehse ist zeitlebens Autodidaktin gewesen, hat im Tun gelernt u. übernommen von russischen, ukrainischen, rumänischen, niederländischen u. studierten einheimischen Trainern u. Trainerinnen, die sie reihenweise in Abfolge angestellt, man kann sagen durchgeschleust hatte, was für sich genommen kein Vorwurf ist. ]
    Verwerflich ist, wie sie in regelmäßiger Wiederholung mit wüsten Verbalentgleisungen auf das unwürdigste den ihr anvertrauten Sportlerinnen gegenübergetreten ist, diese in der individuellen Persönlichkeitsentwicklung nachhaltend beschädigt u. in der Psyche massiv u. bleibend verunsichert hat!
    Das war der Terror allgegenwärtiger Erniedrigungen, den die Mädchen u. jungen Frauen ohne ursächliches eigenes Verschulden Woche für Woche über mehrere Jahre hindurch auszuhalten hatten.