Zwei Urgesteine treten kürzer

Eines haben Lienhard Patzak und Wolfgang Stemmler mit Sicherheit gemeinsam: Sie leben für den Ringkampfsport, in Zukunft aber nicht mehr im Bereich der Aktiven.

Aue.

Sie sind nicht wegzudenken aus der Abteilung Ringen des FC Erzgebirge Aue. Dennoch treten Lienhard Patzak und Wolfgang Stemmler kürzer. Als Fans und Zuschauer, soviel ist sicher, bleiben die Urgesteine den Veilchen aber treu.

Herbert Wende, der als Vater der Auer Ringergilde gilt, stellte 1961 den ersten Ausweis von Patzak aus. "Trainiert wurde damals in der Diesterwegschule. Ein Freund erzählte mir davon." Patzak ging hin und fand Gefallen an dem Sport. "Mein Vater war Fußballfan und sagte, dass ich dabei bleiben müsste, wenn ich mich einmal fürs Ringen entscheide." Der Neustädtler blieb dabei - sein Leben lang. Je einmal war er DDR-Meister in der Jugend und bei den Männern, wurde zur Talentschmiede nach Luckenwalde delegiert. "Ich kehrte nach der Armeezeit wieder zurück", so der 71-Jährige, der sein Studium zum Diplom-Sportlehrer mit dem Spezialfach Ringen abschloss. Zudem war er Verbandstrainer der Junioren-Nationalmannschaft. Auch beim FCE übernahm er einige Ämter: Abteilungsleiter, Geschäftsführer und Trainer der Ersten. "Inzwischen ist das Ringen für mich die schönste Nebensache der Welt", sagt er und schmunzelt. Er freue sich, dass der Zuspruch sowohl bei Aktiven als auch Fans zugenommen hat. Es gab auch andere Zeiten. "Bei den ersten Punktkämpfen in den Siebzigern auf dem Brünlasberg hatten wir zehn Zuschauer, einen Kasten Getränke und zwei Turnbänke." Wie sich von da an alles entwickelte, sei einmalig.

Wolfgang Stemmler erlebte diesen Werdegang ebenfalls mit. Mitglied seit 1961, stand er lange auf der Matte. Der Bockauer trat in der Oberliga an und war Vierter der DDR-Meisterschaft. Sein größter Erfolg und zugleich Schlusspunkt der aktiven Zeit: Platz 2 bei der Weltmeisterschaft der Veteranen 2015. Viele Jahre war er Übungsleiter und gab seine Erfahrungen an den Nachwuchs weiter. Der 68-Jährige liebt seinen Sport, sagt aber auch: "Irgendwann muss Schluss sein. Da hat man das Alter und sollte aufhören." Dem Ringen ist er nach wie vor eng verbunden. Keinen Heimkampf der Lila-Weißen verpasst er. Wie er einst zu diesem Sport kam? "Ich bin mitgenommen worden von anderen", erinnert er sich. Sein Heimatort Bockau sei einst eine Ringer-Hochburg gewesen. Der Sport hatte im Laborantendorf eine lange Tradition. "Ringen bedeutet mir sehr viel. Will man das leben, gehört eine Partnerin dazu, die das Ganze mitträgt."

Zum Ende der jüngsten Erstliga-Saison wurden Stemmler und Patzak vom FCE ausgezeichnet - für ihr langjähriges Engagement und ihre Erfolge in und mit der Abteilung. Damit einher ging der Abschied aus dem Bereich der Aktiven.


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