Zwischen Erfolg und Desaster

Motorsport: Annaberger wird in alte Zeiten versetzt

Annaberg-Buchholz.

Dietmar Graupner ist ein Motorradexperte. Mit seiner Idee eines Fünf-Gang-Getriebes sollte allerdings ein anderer zum Erfolg kommen. Der ehemalige Rennfahrer aus Annaberg erinnert sich zugleich an ein Frohburg-Desaster.

Die MZ 250er Zweizylinder galt lange als schnellste Rennmaschine, doch die Zuverlässigkeit ließ zu wünschen übrig. Das brachte den für den MC Zschopau startenden Graupner auf eine Idee: Es müsse ein 250er-Einzylinder-Motorrad geben, das die Schnelligkeit einer Renn- und die Zuverlässigkeit einer Geländemaschine vereint. "Ich hatte erkannt, dass die Einzylinder-Bultaco der Zweizylinder-MZ unterlegen war. Aber wir hatten die Einzylinder-Geländemaschinen - und die waren Weltklasse", erinnert sich der 84-Jährige. 1963 nahm er deswegen Kontakt mit dem Zschopauer Club und der Rennsportabteilung auf. "Die jedoch signalisierten kein Interesse, weil sie im Projekt keinerlei Siegchancen sahen."

Doch der Annaberger-Buchholzer, der damals in Schönfeld wohnte, blieb hartnäckig. Er überzeugte den Konstrukteur Erich Bergauer, Versuchsleiter und Ingenieur Herbert Friedrich und Motorenspezialist Gotthard Säuberlich von seiner Idee. Der Bau des 250ccm-Einzylinder-Motors mit Fünf-Gang-Getriebe verzögerte sich aber über die Saison 1964 hinweg. Im September war es dann so weit, der Rennfahrer sollte in Frohburg antreten. Doch der Auftritt, den Dietmar Graupner so herbeigesehnt hatte, mutierte zum Desaster: "Ich wollte unbedingt starten, obwohl zuvor keine Zeit blieb, das Motorrad einzufahren. Es kam, wie es kommen musste: Im Rennen flog ich in hohem Bogen ab und landete schwerverletzt im Krankenhaus." Wenig später erreichten ihn Briefe des Coswigers Hartmut Bischoff, der das Fünf-Gang-Getriebe, am besten gleich das ganze Motorrad haben wollte. "Wir wurden uns einig", erinnert sich Graupner. Dies sagt er allerdings nicht ohne Wehmut. Dafür hatte er kürzlich ein Déjàvu: In Dorfchemnitz entdeckte er Teile seines Motorrades an der HB, mit der Hartmut Bischoff dann Erfolge einfuhr.

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