22.000 Kilometer pro Jahr für den Sprung nach ganz oben

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Pierre-Pascal Keup vom ESV Lok Zwickau hat mit einem Sieg in Italien aufhorchen lassen. Von ungefähr kam der Erfolg indes nicht. Denn der Radsportler hat ehrgeizige Ziele.

Neuwürschnitz/Zwickau.

Als Straßenradsportler Pierre-Pascal Keup aus Neuwürschnitz bei der Trofeo de Gasperi in Italien kürzlich als Erster ins Ziel kam, hat er nicht nur die Arme nach oben gerissen vor Freude. Er kreuzte die Arme, um Schlägel und Eisen zu symbolisieren - die gekreuzten Hämmer. Abgeguckt hatte er sich die Siegerpose bei einem seiner Idole. Biathlet Erik Lesser, bekennender Fan von Fußball-Drittligist FC Erzgebirge Aue, hatte seine Triumphe ebenso bejubelt.

Mit Fußball hat Keup, der für das Team Lotto-Kern-Haus startet und seit vielen Jahren Mitglied beim ESV Lok Zwickau ist, wenig am Hut, aber das Erzgebirge liebt er. In Aue wurde er geboren, beim SV Mittweidatal Raschau-Markersbach stieg er als Kind aufs Rennrad. Mit Bernd Fehst als seinem ersten Trainer schrubbte er hunderte Kilometer während einer Saison. Inzwischen reichen hunderte Kilometer längst nicht mehr. 2021 saß Pierre-Pascal Keup, der in seiner Jugend Mitglied des Wolfgang-Lötzsch-Nachwuchsteams bei Lok Zwickau war, mehr als 22.000 Kilometer im Sattel.

Weniger werden es dieses Jahr garantiert nicht. Zu den größten Erfolgen der Saison gehören zwei Top-10-Plätze bei der Babygiro. Der zweifellos größte Erfolg, der auf mehr hoffen lässt, war der Sieg bei der Trofeo de Gasperi. Das Kuriose daran: Keup hatte sich für dieses Rennen gar nichts ausgerechnet. Doch 50 Kilometer vorm Ziel fuhr er Attacke. "Ich wusste, dass ich am Berg zu tun habe." Seine Tagesverfassung aber war bestens und der Neuwürschnitzer packte den Berg viel besser als gedacht. "Ich hatte mir meine Kraft offenbar gut eingeteilt. So kam ich mit 39 Sekunden Vorsprung ins Ziel." Auf dem Zettel hatte ihn bei diesem Wettkampf kaum einer. "Ich hätte mich taktisch vermutlich anders entschieden, wenn ich bessere Beine gehabt hätte", so Keup, der von Paul Voß trainiert wird. Zudem konnte er sich bei der Trofeo auf seine Teamkollegen verlassen. Ein Mannschaftskamerad hatte die Verfolger beim Versuch, die Lücke zu schließen, am Nachfahren gestört.

Mehr als der Radsportlaie denkt, ist ein Straßenrennen im besten Sinne des Wortes Teamsport. Das weiß der Erzgebirger, der sich oft in den Dienst seiner Mannschaft stellt. "Bei einem Rennen ordnen sich alle dem potenziellen Sieger unter", so der 21-Jährige, der in der kommenden Saison den Sprung in ein Pro-Continental-Team oder in die World Tour, die höchste Rennserie im Straßenradsport, schaffen will. Zur World Tour gehören die Tour de France, der Giro d`Italia und die Flandern-Rundfahrt. "Ich weiß, dass das sehr ehrgeizig klingt, aber es ist so: Entweder schaffe ich diesen Sprung oder ich muss neue Prioritäten setzen", sagt Keup, der in Mittweida im sechsten Semester Biotechnologie studiert. Aufgrund der vielen Wettkämpfe sei er vom Wissensstand her erst im vierten Semester. "Es ist sehr schwer, beides unter einen Hut zu kriegen", sagt er. Doch seine Dozenten bringen viel Verständnis mit. "Ich kann meine Prüfungen so legen, dass es passt." Um sportlich voranzukommen, hat Keup jetzt einen Manager. Jörg Werner aus Erfurt betreute unter anderem Tony Martin als mehrfachen Weltmeister im Einzel- und Mannschaftszeitfahren und die Olympiasiegerinnen Lisa Klein und Kristina Vogel.

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