Ziel: Gekommen, um zu bleiben

Beinahe wäre die gestrige Mitgliederversammlung des FSV Zwickau geplatzt. Zur Beschlussfähigkeit haben anfangs 15 Stimmberechtigte gefehlt.

Zwickau.

Die teils hitzigen Diskussionen, die noch am Vortag auf Facebook geführt worden waren, fanden gestern Mittag im Klubhaus Sachsenring keinen Widerhall. Auf der Mitgliederversammlung des FSV Zwickau ging es sachlich-konstruktiv zu. Einen großen Anteil daran hatte mit seinem souveränen Auftreten der Vorstandssprecher und Schatzmeister Tobias Leege, der in seinem ausführlichen Geschäftsbericht alle Themen abhandelte.

Verbleib im Vorstand: "Ich bin weiter bereit, meine Funktion auszuüben", erklärte Tobias Leege unter dem Beifall der Anwesenden. "Aber mit der Maßgabe, die Neuausrichtung des Vorstandes gemeinsam vorzunehmen." Der Rückzug von zwei Vorstandsmitgliedern wurde mit persönlichen Animositäten begründet. "Die Unstimmigkeiten wären lösbar gewesen", meinte Aufsichtsratschef Jürgen Naumann.

Nachlizenzierung: Die DFB-Auflagen wurden erfüllt. Dank großer gemeinsamer Anstrengungen von Verein, Fans und Sponsoren wurde das prognostizierte Minus von 411.000 Euro in ein Einnahmeplus von 66.000 Euro verwandelt. Reserven gibt es aber weiterhin: Von sieben VIP-Logen im Stadion sind nur dreieinhalb dauerhaft vermietet.

Einnahmen: Für 2016/17 rechnet der FSV bei 5,2 Millionen Euro Einnahmen mit einem Überschuss von 305.000 Euro. Der ist laut Tobias Leege auch nötig, um den Fehlbetrag von 235.000 Euro auszugleichen, der zum 30. Juni 2016 nicht durch Eigenkapital gedeckt war. Als Gründe nannte der Vorstandssprecher die Finanzierung einiger Spieler ohne externe Arbeitgeber, die geringeren Sponsoreneinnahmen als geplant und bilanzielle Gegebenheiten gemäß den buchhalterischen Anforderungen des Lizenzierungsverfahrens: Die Aufstiegsprämie musste in die Bilanz der vergangenen Saison eingehen, obwohl sie erst in der neuen Serie ausgezahlt wird. Grund zur Sorge gibt es allerdings keine: Der FSV hat alle fälligen Rechnungen bezahlt, es ist Geld in der Kasse. Zum 29. Januar betrug die Liquidität des Vereins 100.000 Euro.

Die Mitgliederzahl hat sich von 1500 auf 2035 erhöht. Etliche sind scheinbar aber nur eingetreten, um an ein Ticket fürs DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV zu kommen. Die Rückstände von Beiträgen belaufen sich auf 25.000 Euro.

Die Zahl der Sponsoren ist unwesentlich auf 192 angewachsen, die Sponsorenbeiträge wurden aber auf 2,004 Millionen Euro verdoppelt.

Die Satzung des FSV ist nicht mehr zeitgemäß. Das betrifft nicht nur die völlig überholte 15-Prozent-Hürde. Neu geregelt werden sollen unter anderem Größe und Aufgaben der Gremien. Zudem fordert der DFB einen hauptamtlichen Geschäftsführer und einen hauptamtlichen Verantwortlichen f'ür die Finanzen. "Wir wollen den Verein nicht neu erfinden, sondern an die Gegebenheiten anpassen", betont Jürgen Naumann. Zur Überarbeitung wurde eine siebenköpfige Satzungskommission gewählt, der je ein Vertreter aus Vorstand, Aufsichtsrat, Ehrenrat und Geschäftsstelle sowie drei von der FSV-Mitgliederversammlung bestimmte Personen angehören.

Erste Mannschaft: Mit 2,092 Millionen hat der Kader des Aufsteigers ein vergleichsweise bescheidenes Budget. Hinter Zwickau stehen nur die zweiten Vertretungen der Bundesligisten. Die vom Verein ausgegebenen Ziele für diese Saison heißen Klassenerhalt und Teilnahme am DFB-Pokal. Das langfristige gemeinsames Ziel: den Profifußball für die Stadt und Region dauerhaft etablieren. Der Wunsch war auch auf der Leinwand im Klubhaus zu lesen: Gekommen, um zu bleiben.


Verspäteter Beginn wegen fehlender Beschlussfähigkeit

Im Klubhaus Sachsenring ging es gestern später los als geplant. Für die Beschlussfähigkeit müssen laut Satzung 15 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder anwesend sein. Das wären aktuell beim FSV Zwickau 225. 20 Minuten, nachdem es losgehen sollte, waren aber nur 210 da. Daraufhin wurden die Taschentelefone gezückt, um rasch noch Leute aus dem Bett zu klingeln und herbei zu ordern. Sonst hätte man alle unverrichteter Dinge heimschicken und binnen acht Wochen neu einladen müssen.

Die Spannung am Eingang wuchs. 10.45 Uhr fehlten elf stimmberechtigte Mitglieder, 11.03 Uhr acht, fünf wurden aber noch erwartet. Das ehemalige Verwaltungsratsmitglied Jürgen Weber scherzte: "Früher haben wir manchmal bis nach Mitternacht gesessen. Heute geht es gar nicht erst los." 11.06 Uhr verabschiedete sich das Ziegner-Team zum Training. 11.19 Uhr wartete man noch auf einen, der 11.20 Uhr eintraf. Mit 226 stimmberechtigten Mitgliedern war es am Ende sogar einer mehr als nötig.

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