Frischer Wind im Reichenbacher Montessori-Kinderhaus

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Die Lebenshilfe-Kita hat eine neue Leitung, die einst über Praktika Prinzipien des Hauses schätzen lernte. Seither hat sich in und außerhalb der Einrichtung einiges getan.

Reichenbach. Das von Politikern vor allem vor Wahlen eingeforderte Investieren in Bildung - am Montessori-Kinderhaus an der Reichenbacher Agnes-Löscher-Straße kann es seit einiger Zeit zum Beispiel im Garten der Lebenshilfe-Kita besichtigt werden. Dort nämlich wurde der in die Jahre gekommene Pool aufwendig saniert. Zudem steckte der Träger der Einrichtung Geld in Umbau und Umgestaltung des Spielhügels. So fördert ein neuer Kletteraufstieg mit Seil, eine Rutsche und ein langer Tunnel nicht nur das motorische Geschick der Kinder, sondern auch Mut und Selbstbewusstsein.

Und das ist so ganz nach dem Geschmack des neuen Führungs-Duos der 75 Kinder zählenden Einrichtung. "Selbstbewusstsein, Eigenständigkeit, Selbstbestimmtheit, das sind Tugenden, die wir nach den gleichlautenden Prinzipien Montessoris und der offenen Arbeit mit Kindern bewusst fördern", sagt Saskia Hierold. Die studierte Sozialarbeiterin, Montessori-Pädagogin und Heilpädagogin sowie ihr Stellvertreter René Ebersbach haben die Leitung der Einrichtung dieses Jahr nach relativ langer Vakanz übernommen - und sind beide damit gewissermaßen zu ihren Wurzeln zurückgekehrt.

Saskia Hierold hat nämlich während ihrer Elementarpädagogik-Ausbildung in Breitenbrunn vor mehr als zehn Jahren Praktika im Kinderhaus absolviert. "Nach diesen Erfahrungen hätte ich am liebsten gleich hier angefangen, leider war keine Stelle frei." So arbeitete die Reichenbacherin zunächst in einer Zeulenrodaer Kita. Als sie Wind von der Suche nach einer neuen Leiterin im Kinderhaus bekam, bewarb sie sich sofort. Seither gehen Neigung und Praxis bei ihr genauso Hand in Hand wie bei René Ebersbach. Wobei der berufliche Werdegang des 47-Jährigen das Zeug zur Schlagzeile nach dem Motto hat: Vom Banker zum Erzieher. Bis vor fünf Jahren war er nämlich Mitarbeiter der Sparkasse Vogtland mit Verantwortung als Filialleiter Reichenbach West und später Marktbereichsleiter mit insgesamt fünf Geschäftsstellen. Auch als Firmenkunden-Berater hat er das Einmaleins der Geld-Arithmetik beherrscht. Als die Sparkasse schließlich ihr Filialnetz stark ausdünnte, sagte sich René Ebersbach: "Jetzt oder nie. Ich hätte auch bleiben können, doch ich wollte noch einmal etwas anderes im Leben anfangen." Er erinnerte sich an seinen Zivildienst im Kinderhaus und fing nach einer erfolgreichen berufsbegleitenden Ausbildung zum Erzieher genau dort an. "Eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe. Ich hatte ein erfülltes Berufsleben als Banker, jetzt habe ich es hier."

Unter dem gestalterischen Einfluss der beiden hat sich die Kita nicht nur im Garten, sondern auch in der schmucken einstigen Fabrikanten-Villa verändert. So lernen die Kinder nun in weiteren Themenräumen das Leben und ihren Platz darin kennen. Dazu gehört eine Theaterbühne, ein Bauraum oder zum Entspannen und Genießen ein Ruheraum mit Musik und Hörspielen. Dort wie überhaupt in der Kita können die Steppkes mehr oder weniger nach dem Montessori-Prinzip "hilf mir, es selbst zu tun" spontan selbst entscheiden, mit was sie sich grüppchenweise beschäftigen.

Die Pädagogen lenken das kindliche Interesse im Rahmen gegenstandsübergreifender Gemeinsamkeiten jedoch auch in weniger attraktiv erscheinende Bahnen. "Das machen wir aktuell mit dem Thema Pferd, das sich ja aus vielen Perspektiven durchbuchstabieren lässt. Wir sehen also schon darauf, dass niemand zum Beispiel nur bei den Bauklötzen ist", erzählt René Ebersbach. Im Idealfall merken die Kinder so gar nicht, ein zunächst kaum beachtetes Feld zu beackern. Mit dieser vom Kind kaum wahrnehmbaren Lenkung, einer steten Ermunterung zum Experiment sowie einer auf Respekt und Rücksichtnahme gerichteten Erziehung sollen die Kinder im Rahmen eines so positiv erlebten Alltags eine selbstbewusste, selbstständige wie soziale Persönlichkeit ausbilden. Saskia Hierold: "Und die ist ja mehr denn je gefragt. Denken wir nur an Schule in Coronazeiten, die ja in eigenverantwortlichem Lernen eine Voraussetzung hat."

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