Schülerverkehr anfangs unterschätzt

Zum Vogtlandnetz 2019+ entspann sich eine rege Diskussion im Reichenbacher Stadtrat. Vertreter des Verkehrsverbundes Vogtland standen Rede und Antwort.

Reichenbach.

Mit dem Vogtlandnetz 2019+ wird das Busnetz im Vogtlandkreis komplett überarbeitet. Im Vergabeverfahren können bis 9. Oktober Angebote eingereicht werden. Bis Jahresende soll der Zuschlag erteilt werden. Das hat Thorsten Müller, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Vogtland (VVV), am Montagabend den Reichenbacher Stadträten ebenso erläutert wie die neue Struktur mit Plus-Bus, Regio-Bus, Stadt-Bus, Ruf-Bus, Bürger-Bus und Schülerverkehr. Dabei gingen er und Verkehrsplaner Sebastian Eßbach speziell auf Fragen aus Reichenbach ein.

Schülerverkehr: Linken-Stadtrat Thomas Höllrich forderte erneut: "Der Schülerverkehr sollte umsteigefrei sein." Sonst, so befürchtet er, würden noch mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto fahren und das Chaos vor den Schulen zunehmen. Thorsten Müller räumte ein: "Das Thema Schülerbeförderung haben wir anfangs unterschätzt. Der neue Fahrplan hat nicht mehr viel mit dem zu tun, was heute gefahren wird." Für jeden Schüler sei eine ordentliche Busverbindung nötig. Damit sei der VVV noch nicht fertig. Laut Müller wolle man noch vorm Jahreswechsel mit Eltern, Schülern und Schulen ins Gespräch kommen. "Wir wollen es gut machen. Ich kann aber nicht versprechen, dass es für jeden schmerzfrei ist", sagte er.

Anbindung Solbrigplatz und Krankenhaus: Die Stadt plant bei der Neugestaltung des Solbrigplatzes eine Bushaltestelle im Bereich Albertistraße, damit das neue Ärztehaus der Woba gut erreichbar ist. Laut Sebastian Eßbach binden die Linien 80 (Rotschau - Treuen), 85 (Stadtbus Am Fernblick - Siedlung) und 86 (Netzschkau - Wolfspfütz) das Ärztehaus an die Region und die Stadtteile an. Es halten wochentags pro Stunde 2,5 Busse. Die Paracelsus-Klinik ist mit den Linien 81 (Greiz - Gewerbering Kaltes Feld), 82 (Hauptmannsgrün - Reichenbach - Neumark), 84 (Elsterberg - Krankenhaus Reichenbach), 86 (Lengenfeld - Netzschkau) erreichbar.

Fußgängerzone: Die Stadt Reichenbach will die geplante Fußgängerzone in der unteren Zwickauer Straße auch vom Busverkehr befreien. Laut Thorsten Müller wurde der VVV davon überrascht. Es gebe "derzeit kein feingeplantes Alternativkonzept", zumal das Einbahnstraßensystem große Umwege verlangen würde. Müller schätzt 50.000 Euro Mehrkosten durch längere Strecken. Die Querung der Fußgängerzone sei auch für die Anbindung des Solbrigplatzes nötig. Stadtrat Lutz Quellmalz (Gewerbeverein Mylau) forderte: "Unsere Interessen sollten in Ihre Überlegungen einfließen." "Fahrgäste sind auch Kunden", sagte Müller und mochte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Keine Stadt ist so dumm, eine Einkaufszone ÖPNV-frei zu halten."

Stadt-Busse abseits der Hauptstraßen: CDU-Stadtrat Stephan Hösl kritisierte, dass die Stadt-Busse künftig über enge Straßen im Wasserturmgebiet rollen sollen, während sie die Kaufland-Haltestelle auslassen. Für neue Haltestellen fielen in Wohngebieten zudem Pkw-Stellplätze weg. "Wenn wir wollen, dass die Menschen mit dem ÖPNV mobiler werden, dann muss man sie dort abholen, wo sie wohnen", argumentierte Torsten Müller. Damit gehe man auf Wünsche von Bürgern und Politikern ein. Die Midi- und Kleinbusse seien dafür geeignet.

Busse und Fahrer: Die Anzahl der Busse reduziert sich im Vogtlandnetz 2019+ um 25 bis 30 Prozent. Die Anzahl der Fahrer bleibe in etwa gleich, so Müller. Sie sollen aber deutlich mehr Lohn bekommen.

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