Zeitreise an den Ort des Grauens

Rolf Schneider ist einer der letzten Reichenbacher, die einst im Speziallager Mühlberg inhaftiert waren. Heute legt der 89-Jährige am Gedenkort Blumen der Stadt nieder.

Reichenbach.

Wie das ist, die Leidensgefährten von einst wiederzusehen? "Das kann sich niemand vorstellen", sagt Rolf Schneider. "Ich hoffe, dass sich so etwas nie wiederholt." Auch deshalb sei es wichtig, die Erinnerung daran lebendig zu halten. An das Grauen im einstigen sowjetischen Speziallager Mühlberg, mit dem sich etwa 40 Jugendliche aus Reichenbach Ende 1945 wie Tausende andere quasi über Nacht konfrontiert sahen. Verhaftet von deutschen Antifa-Leuten und von den Sowjets nach konstruierten Vorwürfen und ohne rechtsstaatliches Verfahren weggesperrt. Viele, die Forschung geht von mindestens 6700 Opfern aus, überlebten Mühlberg und die von dort nach Sibirien gehenden Transporte nicht.

Rolf Schneider, der als 16-Jähriger verhaftet worden war, kam nach drei Jahren frei. Heute fährt der 89-Jährige als einziger der fünf noch lebenden Reichenbacher Zeitzeugen zu einer Mahn- und Gedenkveranstaltung nach Mühlberg. "Die anderen sind angeschlagen, wir sind halt nicht mehr die Jüngsten", sagt Rolf Schneider. Aber er hat einen Blumenkranz des OB dabei. Raphael Kürzinger war im Vorjahr der erste Stadtchef überhaupt, der ein Treffen der Überlebenden besucht hat. Der OB hatte von bewegenden Begegnungen gesprochen und der Pflicht, den Opfern kommunistischer Willkür stets würdig zu gedenken.

Rolf Schneider war im Oktober 1945 vorgeworfen worden, Mitglied der nationalsozialistischen Untergrundgruppe "Wehrwolf" gewesen zu sein. Tatsächlich waren er und andere in ein Wehrertüchtigungslager eingezogen worden, um dort für den Volkssturm gedrillt zu werden. Doch als die Front nahte, rissen alle aus. "So war das. Und dafür hat man uns unsere Jugend geraubt."

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