Bedrohte Kiebitze überleben auf Maisacker

Dank des Zusammenspiels von Naturschutz, Landwirtschaft und Ehrenamt brütet eine seltene Vogelart erfolgreich.

Werdau.

Jens Halbauer, langjähriges Mitglied des Vereins sächsischer Ornithologen, hat an diesem Montag einen flugfähigen jungen Kiebitz über dem Acker in Langenbernsdorf beobachtet. "Die Brut war also erfolgreich. Wie viele Vögel aus den vier Nestern genau geschlüpft sind, kann ich im Moment nicht sagen", so der 46-Jährige, der aber von sieben Tieren ausgeht.

"Dieser Bruterfolg ist wirklich spektakulär", sagt Jens Hering, Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Zwickau und selbst leidenschaftlicher Ornithologe. Er freut sich, dass der Kiebitz nun wieder in der Region heimisch ist. Im Landkreis Zwickau sei das seit rund 15 Jahren das einzige Vorkommen der streng geschützten Vögel.

Im April hatte Jens Halbauer auf einem Maisfeld die kleine Kiebitzkolonie entdeckt. Es musste schnell gehandelt werden. "Bei den Mitarbeitern der Koberland eG, die den Acker bewirtschaften, fanden wir sofort eine kompetente Ansprechpartnerin", sagt Jens Hering. Diana Knüpp, verantwortlich für den agronomischen Bereich im Landwirtschaftsunternehmen, musste sich nicht lange bitten und etwas erklären lassen: "Wer so viele Jahre wie ich in der Landwirtschaft arbeitet, der hat auch etwas für die Natur übrig. Wir arbeiten auf unseren Feldern nach bestem Wissen und Gewissen, auch was den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln angeht. Keine Frage, dass wir das Kiebitzprojekt unterstützt haben."

Die schwierigste Aufgabe stand den Naturschützern aber noch bevor: Sie mussten auf dem riesigen Maisacker die vier Nester aufspüren. "Einer ging voraus, ein anderer im Abstand mit dem Fernglas hinterher. Wo ein Altvogel aufflog, wurde genauer gesucht", erklärt Jens Hal-bauer das Prozedere. War das Nest gefunden, wurde es mithilfe von Tomatenstangen in einer Ausdehnung von zehn mal zehn Metern weiträumig markiert. Der Traktorfahrer wurde in die Sache eingeweiht und wusste, dass er die Brutstätten weiträumig umfahren musste. Um den jungen Kiebitzen Nahrung zu verschaffen, legten die Landwirte nahe der Nester einen Misthaufen an. "Auf dem trockenen, harten Maisacker hatten die Kleinen kaum eine Chance, Futter zu finden", erklärt Hering die Maßnahme. Wenn alles gut geht, kommen die Kiebitze, die Zugvögel sind, nächstes Jahr wieder.

"Die Aktion ist ein hervorragendes Beispiel für eine gute Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Ehrenamtlichen", sagt Jens Hering. Eine Erfolgsgeschichte, die aber keine Selbstverständlichkeit sei, ergänzt die Leiterin des Umweltamtes im Landratsamt, Brit Wendler.

Der Kiebitz ist eine Vogelart aus der Familie der Regenpfeifer. Er brütet typischerweise in Marschwiesen und Weidelandschaften. Der Watvogel ist für seine spektakulären Balzflüge bekannt. Kiebitze sind Bodenbrüter. Ihre Eier galten früher als Delikatesse, dürfen heute nicht mehr gesammelt werden, da der Kiebitz in seinem Bestand global bedroht ist. 2015 wurde die Art auf die Internationale Rote Liste gefährdeter Vogelarten gesetzt.

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