Warum die Kinder Chinesisch lernen

Der Chef eines ägyptischen Autokonzerns besucht Einrichtungen der Saxony International School Carl Hahn. Und er macht dabei erstaunliche Erfahrungen.

Glauchau.

Montagmorgen um neun Uhr in Glauchau. Elf Knirpse sitzen in der Kita "Firlefanz und Wirbelwind" im Kreis um Erzieher Jeremias Eis und machen begeistert mit. Diese Beschäftigung in der zur Gesellschaft zur ganzheitlichen Bildung gemeinnützigen GmbH Sachsen (GGB) gehörenden Einrichtung ist etwas anders als in den anderen Kindergärten der Stadt. Jeremias Eis holt aus einem kleinen Koffer Spielzeug. Er nennt den chinesischen Begriff dafür, und die Kinder sprechen nach. Nun holt er Essstäbchen aus dem Koffer und sagt den Kindern auf Englisch, dass sie damit die Gummibärchen aus den vor ihnen stehenden Schüsseln von einer in die andere wechseln sollen. "Dürfen wir die auch essen?", fragt ein blondes Mädchen. "Yes, but only with the Chopsticks", sagt der aus Thüringen stammende Erzieher. Auf Deutsch: Ja, aber nur mit den Essstäbchen.

Raouf Ghabbour und seine Begleiter staunen. "Sehr außergewöhnlich und überraschend, dass hier bereits Kleinkinder Chinesisch lernen", sagt der Chef eines der mit 13.500 Mitarbeitern größten Unternehmen in Ägypten. Das sei ein progressives Bildungssystem. Ghabbour ist für einen Tag in Westsachsen, um sich über neue Bildungskonzepte zu informieren. Wer mit dieser Wirtschaftsmacht erfolgreich Geschäfte machen will, müsse diese Sprache sprechen. Und Kinder, die später einmal in internationalen Unternehmen arbeiten wollen, müssten eine andere Bildung erhalten. Er denkt dabei nicht nur an den Berufsnachwuchs in seinem Konzern. In Ägypten betreibt die GD-Group in Zusammenarbeit mit dem SIS vier Bildungseinrichtungen. Zehn weitere sollen dazukommen.


Kurze Zeit später wird die Delegation in der Internationalen Grundschule Glauchau mit Orchester und Chor und einem kleinen Programm auf Englisch empfangen. Die Kinder lernen hier bereits ab der ersten Klasse Englisch. Im Ganztagsangebot kommt Chinesisch hinzu. "Die Eltern haben oft Sorge, dass die Fremdsprache ihre Kinder überfordert. Doch in dem Alter lernen die Jungen und Mädchen sehr spielerisch", sagte Schulleiterin Bianka Teichmann. Professor Carl Hahn, der Gründer der Bildungseinrichtungen, pflichtet dem bei. "Kinder sind extrem neugierig, sie saugen Sprachen bereits im frühen Kindesalter auf." Als ehemaliger Chef des Volkswagen-Konzerns und immer noch weltweit umtriebiger Manager weiß er um die Bedeutung von Internationalität in der Wirtschaft. Mit den Einrichtungen will er dazu beitragen.

Wenig später im Englischunterricht einer vierten Klasse stellen die Schüler sich und ihre Familien vor. Warum sie Englisch lernen, will ihr Lehrer wissen. Weil es eine coole Sprache ist, sagt Pauline. Weil es viele Menschen auf der Welt sprechen und Englisch wichtig ist, meint ein anderes Mädchen. "Du bist gut auf die Welt von morgen vorbereitet", sagt Carl Hahn zu ihr. Er befürchtet, dass Deutschland den internationalen Bildungswettbewerb und damit auch den globalen wirtschaftlichen Wettbewerb verliert. "Deutschland ist ein Kleinstaat im Vergleich zu Giganten wie China. Deshalb müssen wir uns sehr viel Mühe geben, um dauerhaft mit führend zu sein."


33 Einrichtungen

Die Saxony International School - Carl Hahn gemeinnützige GmbH (SIS) betreibt 15 Grund- und Oberschulen sowie Gymnasien hauptsächlich in Westsachsen. Zur GGB Gesellschaft zur ganzheitlichen Bildung gemeinnützige GmbH gehören in der Region 18 Kindertagesstätten und vier Küchen.

Zum Besuchsprogramm der ägyptischen Delegation am Montag in Westsachsen zählten auch eine Stippvisite in den Bildungseinrichtungen der SIS in Meerane sowie ein Abstecher in das August-Horch-Museum Zwickau. Am Abend gab es ein gemeinsames Abendessen im Glauchauer Hotel Meyer. (sto)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    0
    kw05b5chns
    13.02.2019

    Wer mehr dazu sehen möchte, schaut bei Sachsen Fernsehen Chemnitz, Drehscheibe vom 12.02.2019 rein. https://www.sachsen-fernsehen.de/kategorie/chemnitz/



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