Bei ihm bleibt alles im Rahmen

Ans Werk! Sie bauen, schleifen, schrauben, drehen und drechseln: Handwerker gestalten unser Umfeld. Die "Freie Presse" stellt einige Gewerke aus der Region in einer Serie vor - und schaut den Handwerkern bei der Arbeit auf die Finger.

Hohenstein-Ernstthal.

Einen Bilderrahmen anzufertigen, scheint auf den ersten Blick keine allzu komplizierte Sache zu sein. Doch Lutz Döhnert, der in Hohenstein-Ernstthal ein Geschäft und einen Onlinevertrieb für maßgefertigte Rahmen betreibt, macht schnell deutlich, dass es nicht so ist. "Massenware gibt es hier nicht, es muss alles richtig passen", sagt der gebürtige Dresdner, der schon einmal eine Firma für Rahmen und Passepartouts leitete, sich nach einer krankheitsbedingten Pause neu aufstellte. Dass er für seine Arbeit und vor allem Qualität steht, ist deutlich zu spüren. Das führt hin und wieder auch dazu, dass er Aufträge ablehnt, wenn die Kunden Vorstellungen haben, die einfach nicht seinen passen: "Nur Geld ist für mich da keine Befriedigung, es soll perfekt sein."

Wünsche für Rahmungen kann der 59-Jährige in scheinbar unbegrenzter Vielfalt erfüllen. Auf Lager hat er seiner Werkstatt, die sich in einem ehemaligen Drogeriemarkt in der Innenstadt befindet, rund 450verschiedene Leisten. "Lieferbar sind aber über 3000", sagt Döhnert. Vom dezenten schmalen und einfarbigen Holzrahmen bis zum üppigen Barockrahmen, der mehr als zehnZentimeter breit sein kann und allein für das Rohmaterial mit Kosten von 100 Euro pro Meter zu Buche schlägt, ist alles machbar. Die Leisten werden von Spezialfirmen gefertigt, teils durch Fräsverfahren und mit aufwendiger Beschichtung.


Doch auch die Weiterverarbeitung bei Lutz Döhnert ist komplizierter als gedacht. Damit die Säge auf Zehntelmillimeter genau arbeitet, müssen die Sägeblätter etwa aller 200 Schnitte getauscht werden. Zudem muss langsam geschnitten werden und die Säge muss sehr ruhig laufen, damit das Holz nicht einreißt. "Die Kanten und Schnittstellen werden farbig angepasst, damit man sie nicht mehr sieht", sagt Döhnert. Deshalb sei bei den Arbeitsschritten auch viel Konzentration nötig, um keinen Ausschuss zu produzieren. Die einzelnen Teile werden verklebt und mit Winkelklammern geheftet, anschließend müssen die Ecken nachbearbeitet werden. Ebenso exakt muss es bei Anfertigen der Rückwand und des Glases zugehen. "Wenn es viele Jahre halten soll, muss es Museumsglas sein", weiß der Fachmann. Denn bei anderen, preiswerteren Glassorten führt die UV-Strahlung des Tageslichtes zum Verblassen der Farben.

Die meisten Bilder oder Fotos bekommen auch noch ein Passepartout, was die Bildwirkung unterstützen soll. Hier hat Döhnert hin und wieder ebenfalls besondere Vorstellungen und kann beispielsweise mit zwei Passepartouts arbeiten, um so eine dünne farbige Linie um das Motiv zu zaubern. Extreme Genauigkeit ist gefragt, auch wenn bei Kundenaufträgen die Bilder unter Speziallicht gleich in die Rahmen eingelegt werden. Die Rückwand wird mit viel mehr Metallstiften befestigt, als sie bei Massenprodukten verwendet werden. "Durch die Schwerkraft will das Bild ja immer nach unten, deshalb ist das entscheidend", sagt Döhnert, der anschließend mit Klebestreifen auf der Rückseite verhindert, dass Staub eindringt.

Während sich viele Rahmungen im Bereich bis 100 mal 70 Zentimetern abspielen, gibt es regelmäßig auch deutlich größere Aufträge. Rahmen mit zweieinhalb mal anderthalb Metern Seitenlänge hat der Experte auch schon angefertigt. Um diese dann zu transportieren, sind einige Spezialkonstruktionen nötig. Auch beim Versand von kleineren Formaten wird alles dafür getan, Transportschäden zu vermeiden. "Wir haben null Reklamationen", berichtet Döhnert stolz. Das sei nicht nur der Qualität zu verdanken, sondern auch der Spezialsoftware, mit der im Internetshop exakt gezeigt werden kann, wie Rahmen und Bild am Ende einmal aussehen.

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