Fäkaliendesaster: Erste Mieterin kündigt

Abwasser flutet ein Haus in Hohenstein-Ernstthal. Der Vermieter untersagt den Mietern den Toilettengang - und stellt ein Dixi-Klo in den Hauseingang. Eine Mieterin hat jetzt die Nase voll.

Hohenstein-Ernstthal.

Betti Rau hat die Nase voll. Jetzt soll sie auch noch aufs Dixi-Klo gehen, das seit Montag im Hauseingang steht. Während die Mieter des Hauses Nummer 44 in der Dresdner Straße dort ihre Notdurft verrichten, brausen die Autos vier Meter davon entfernt vorbei. "Leute von sechs Wohnungen auf ein Klo, das ist unhygienisch." Das Fäkaliendrama stinkt ihr mächtig. Die 57-Jährige hat endgültig entschieden: "Ich ziehe aus."

Seit zwei Jahren wohnt sie hierund fühlte sich wohl in der kleinen Wohnung. Bis zum 21. Dezember. Da stank es plötzlich nach Fäkalien im ganzen Haus. Ein verstopftes Abflussrohr sorgte dafür, dass der Kellergang überflutete. Statt des Havariedienstes kam ein Schreiben vom Eigentümer, das den Bewohnern den Toilettengang untersagte. Seit Montag steht ein Dixi-Klo vor der Eingangstür. Eine Rohrreinigungsfirma hat die gröbste Verstopfung zwar beseitigt, der Toilettengang bleibt allerdings weiterhin tabu. Für Betti Rauh ist die Situation mehr als unbefriedigend. Sie suchte in den vergangenen Tagen immer wieder per E-Mail und telefonisch Kontakt zum Verwalter. Eine Antwort hat sie bis heute nicht. "Ich habe zur Sicherheit noch einen Brief geschickt." Keine Reaktion. Jetzt schickt sie die Kündigung. Fristlos. Eine Mietminderung hat sie vorgenommen.

"Das ist ihr gutes Recht", sagt der Hohenstein-Ernstthaler Rechtsanwalt René Eurich. Die Minderung bezieht sich immer auf die Bruttomiete und richtet sich nach der Stärke des Mangels. "Grundsätzlich sind Sätze von einem bis 100 Prozent möglich", sagt Eurich. Allerdings sei der Mieter verpflichtet, dem Vermieter den Mangel anzuzeigen und ihm die Chance zur Beseitigung zu geben. "Und der Mieter sollte eine Frist zur Behebung des Mangels setzen", sagt er. Seien die Beeinträchtigungen derart schwerwiegend und unzumutbar, dass der Aufenthalt in der Mietwohnung nicht mehr möglich ist, darf die Mieter sogar vorübergehend in eine andere Wohnung, eine Unterkunft oder sogar ein Hotel ziehen und sich die Kosten dafür vom Vermieter erstatten lassen. Eurich empfiehlt aber, sich vor solch einer drastischen Maßnahme lieber anwaltlich beraten zu lassen.

Bei der Wohnungsverwaltung herrscht nach wie vor Schweigen. Das Gesundheitsamt des Landkreises will sich nun auch einschalten: "Grundsätzlich ist das ein privatrechtliches Problem. Wir schauen uns das trotzdem an und schreiben dann dem Eigentümer, was wir von ihm erwarten", sagt Mitarbeiterin Christa Götze.

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