Hoffnung auf Zulauf vor dem Lockdown

Der Schließung der Läden am Montag macht Händlern zu schaffen. Doch die Geschäfte stecken den Kopf nicht in den Sand.

Hohenstein-Ernstthal/Lichtenstein.

Im Geschäft "Allerlei und Meer" prangen bereits seit einiger Zeit die gelben Rabattmarken. "Ich will so viele Waren wie möglich loswerden, bevor es zur großen Schließung kommt", sagte Inhaberin Alexandra Klepzig noch am Dienstagvormittag. Dass der harte Lockdown kommen würde, da war sich die Lichtensteinerin bereits Tage zuvor ziemlich sicher.

Viele Regale ihres Geschenkartikelladens sind voll von Produkten, die sie nach Weihnachten nicht mehr los werde. "Eine Schließung zwischen Weihnachten und Neujahr wäre sinnvoller gewesen, Jetzt werden die Leute massenweise in die großen Center strömen", sagt Klepzig. Wie gut die gelernte Reiseverkehrsfrau die nächste Zeit überstehen wird, hänge auch von Hilfen des Staates ab. Aber eben nicht nur. Bereits zum ersten Lockdown im Frühjahr rief Klepzig einen Online-Shop ins Leben. Die Pakete gehen per DHL raus. "Auch jetzt wird das Online-Geschäft mir helfen." Dafür nötiges Wissen eignete sich die Ladeninhaberin selber an. Lediglich für das Layout engagierte sie eine externe Firma. Nun hofft Klepzig auch auf die Unterstützung der Kunden, vor und während des Lockdowns. Denn ihr Laden bedeutet ihr viel. "Ich will nie wieder als Angestellte arbeiten müssen."

Nicht weit entfernt, an der Glauchauer Straße, betreibt Gabi Schuster ihr Schuhgeschäft. Hinter der Theke wartet sie auf Kunden. "Gerade die älteren Leute trauen sich doch schon seit Wochen nicht mehr aus dem Haus." Ihr wäre es fast lieber gewesen, die Ladenschließung wäre bereits früher ergangen. "Das Geschäft offen zu halten verursacht aktuell mehr Kosten, als es einbringt." Freiwillig schließen sei jedoch nicht in Frage gekommen. "Sonst erzählen sich die Leute, ich hätte Corona." Gabi Schuster nimmt die Hygiene sehr ernst. Etwa alle zwei Stunden reinigt sie Türklinken, Theke und EC-Geräte. Auch sämtliche Schuhe im Laden hat sie mehrmals auf Hochglanz gebracht. "Doch es blieb immer noch so viel Zeit, die ich einfach hinter der Theke stehe." Darum hat Gabi Schuster sich einen Laptop eingerichtet und erledigte sämtliche Buchhaltung im Laden statt von zu Hause.

Einen Tag später in der Geschenk-Galerie Vogel in Hohenstein-Ernstthal: Dass der Lockdown kommen wird, ist nun sicher. Inhaberin Yvonne Vogel sieht sich etwas um das Weihnachtsgeschäft betrogen. "Die nächste Woche hätte man uns noch lassen können." Jedoch habe seit Dienstag der Andrang zugenommen. "Außerdem haben viele Kunden die Geschenke vorsorglich bereits im November gekauft." Bis Montag hofft Yvonne Vogel weiter auf gute Umsätze. "Die Restekäufer, also alle, die sonst erst kurz vor Heiligabend ihre Geschenke einkaufen, müssen dieses Jahr wohl früher kommen."

Nicole Leichsenring betreibt das Geschäft "Blumen Mimi" in Oberlungwitz. Auch ihr half der vergangene Lockdown, vorbereitet zu sein. "Wir haben im Frühjahr extra einen Abholservice aufgebaut." Die Kunden können im Geschäft anrufen, Nicole Leichsenring klärt dann per Telefon alle Details zur Abholung und Bezahlung ab. "Das hat bislang super funktioniert und dafür bedanke ich mich bei allen Kunden."

Charlotte und Sophia Winkler vom gleichnamigen Schuhgeschäft in Hohenstein-Ernstthal sehen zwar die Notwendigkeit der Kontaktreduzierung ein. Das wichtigste sei die Gesundheit. "Andererseits leisten wir mit unseren zwei Geschäften eine wichtigen Beitrag zur Grundversorgung der Region". Das falle nun weg. "Dennoch schauen wir optimistisch in die Zukunft und wünschen uns gute Kundenkontakte für die Frühjahrssaison und allen eine frohe Weihnacht."

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.