Mobil auf verschiedene Art

Ein Callenberger ist Fan von Motorrollern. Ein 72-Jähriger war mit Tankstelle der Erste vor Ort. Ingrid Wendrock treibt mit dem Fuß das Spinnrad an.

Steffen Wanke (62) aus Callenberg fährt leidenschaftlich gern Motorroller. Drei Stück hat er zu Hause in der Garage stehen. Sein Honda Zoomer, Baujahr 1994, feiert im kommenden Jahr seinen 25. Geburtstag und hat bereits 88.000 Kilometer auf dem Tacho. Wanke hat mit dem heißen Ofen quasi mehr als zweimal die Erde umrundet. "Welcher Roller hält das schon aus", sagt er bedeutungsvoll. Immerhin hat das Gefährt nur einen 50-Kubikzentimeter-Motor und schon einiges an Rost angesetzt. "Er muss wieder in die Werkstatt. Im Moment mute ich ihm nur noch kurze Strecken zu. Denn manchmal bockt er schon ein bisschen. Deshalb fahre ich auch nicht schnell." Die Maschine hat allerhand zu leisten. Auf dem Bock sitzt schließlich nicht gerade ein Leichtgewicht. Das Teil hat sogar ein Gepäckfach hinterm Sitz. "Also, wenn ich da einen Kasten Bier reinpacken will, muss ich die Klappe ein Stück offen lassen", witzelt Wanke. Noch so einen Roller, allerdings in Schwarz, hat Steffen Wanke in der Garage stehen. Roller Nummer drei ist ein Honda Vision 50. "Mit dem werde ich den Festumzug am Sonntag von hinten absichern." An seinem Moped ist dann das Schild "Ende" zu lesen. Auch sonst gehört er bei der Jubiläumsfeier zur Helferschar, schiebt Dienst auf dem Behelfsparkplatz am Feld hinterm Kreisverkehr. (hpk)

Jochen Kunstmann (72) ist sozusagen der Mann der ersten Stunde im Gewerbegebiet "Am Auersberg" in St. Egidien. Genau vor 25 Jahren hat er dort die damals neugebaute Dea-Tankstelle übernommen. Seit 1989 hatte er zunächst die Tankstelle an der Hartensteiner Straße in Lichtenstein unter seinen Fittichen. 1994 dann der Umzug ins Gewerbegebiet. "Wir waren dort so ziemlich die ersten", erinnert er sich. Dieses Jubiläum wird heute auf dem Betriebsgelände gefeiert. Mit Hüpfburg, Kulinarischen Genüssen und der Liveband Strandgut, die von 15bis 17 Uhr ins Geschehen eingreift. Genau vor zehn Jahren hat Tochter Michaela Kunstmann das Geschäft des Vaters übernommen. "Wir haben noch zwei Tankstellen in Gera, von einer allein kann man kaum leben", sagt sie. Schließlich gibt es auch noch Angestellte. Bereut hat Michaela den Schritt nie. "Was an einer Tankstelle so jede Woche passiert, darüber könnte ich ein Buch schreiben. Aber es ist eben auch lustig. Wir haben auch viel Spaß." Was sie mal macht, wenn sich die Elektromobilität durchsetzt, weiß sie noch nicht. "So schnell kommt das nicht", sieht sie das umstrittene Thema vorerst völlig gelassen. (hpk)


Ingrid Wendrock (66) aus Hohenstein-Ernstthal betreibt ein Handwerk, das nicht mehr allzu viele Menschen beherrschen: Aus einem fluffigen Bausch Schafswolle kann sie Fäden spinnen. "Bis in die 70er-Jahre war das auf dem Dorf noch Alltag", sagt sie. Mittlerweile haben natürlich die großen Modeketten mit ihren günstigen Klamotten das bäuer-liche Handwerk größtenteils überflüssig gemacht. Doch ausgestorben ist es noch lange nicht: Wendrock trifft sich regel- mäßig mit Gleichgesinnten in "Beierleins Gasthof" in Reichenbach. Jeden dritten Donnerstag im Monat - jeweils ab 15 Uhr - tauschen sie sich dort aus, zeigen, was sie an schönen Garnen gemacht, was sie gestrickt haben. Einen Einblick in die alte Kunst gab Ingrid Wendrock am vergangenen Wochenende bei den Feiern zum 40.Jubiläum des Heimatmuseums Gerthturm in St. Egidien. In traditioneller Kluft saß sie am Spinnrad und zeigte Interessierten, wie aus Wolle ein Faden wird. Das ist gar nicht so einfach: Der rechte Fuß wippt auf einem Pedal, womit das Spinnrad angetrieben wird. Dann werden die Fasern aus der Wolle herausgezupft und zu einem Faden gezwirbelt. Dieser wird im Spinnrad eingehängt. Während dann das rechte Bein wippt und wippt, führt die rechte Hand den Faden zum Spinnrad, die linke Hand löst gleichzeitig immerweiter die Wollfasern vom fluffigen Bausch. Wendrock erledigt dasmit einer faszinierenden Ruhe und Eleganz. Auch die ungeschicktesten Schüler lobt sie mit beachtlicher Geduld. So macht Handwerk Spaß. (bjsc)

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