Pizzabäcker retten die Gastronomie im "Drei Schwanen"

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Kaum ein Gastronom ist in den vergangenen Jahren im ersten Haus am Platz in der Karl-May-Stadt wirklich sesshaft geworden. Jetzt will im "Schwan" eine Familie mit Wurzeln in Mazedonien durchstarten.

Hohenstein-Ernstthal.

Ausgebucht von Teams des Motorrad-Grand Prix, Insolvenz, Besitzerwechsel, Hausmannskost, Sterneküche und nun auch noch Corona-Pause. Das Hotel "Drei Schwanen" am Altmarkt in Hohenstein-Ernstthal hat schon vieles erlebt. Gastronomen sind in den vergangenen Jahren im ersten Haus am Platz nicht glücklich geworden. Das wollen die Brüder Arsim und Armend Sadiki jetzt ändern. Die beiden Mazedonier sind nicht nur Pizzabäcker in zweiter Generation, sondern auch Akrobaten im Umgang mit dem Rohstoff.

Was Arsim Sadiki mit dem Pizzateig anstellt, der zu einem Fladen von 50 Zentimeter Durchmesser ausgerollt ist, hat im "Schwan" noch keiner gesehen. Der 30-Jährige lässt den Teigling auf seinen Fingerspitzen wie eine Frisbee-Scheibe in bester italienischer Pizzabäcker-Manier kreisen und wirft ihm seinen mehrere Meter entfernten Bruder Armend zu, der ihn elegant abfängt und weiter rotieren lässt. Auch der 27-Jährige ist ein Meister der Pizza-Jonglerie. "Das erfordert viel Übung. Mit solchen Kunststücken erfreuen wir in der Regel unsere Gäste", sagt der 27-Jährige. Doch wie andere Gastronomen auch sind die Männer vom "Ristorante Due Fratelli" derzeit zum Ausliefern von Pizza, Pasta, Schnitzel und Co. verurteilt.

Den "Schwan" sogar in Coronazeiten zu übernehmen hat sich Arsim Sadiki reiflich überlegt. Im Sommer vorigen Jahres sei er zum ersten Mal in Hohenstein-Ernstthal gewesen und habe vorm Hotel auf der Terrasse gesessen, erzählt er. "Da hat mich ein kleines Mädchen im Vorbeigehen gegrüßt und ein alter Mann sagte freundlich Hallo. Diese Freundlichkeit habe ich in Berlin nie erlebt", sagt Arsim. "Ich habe damals nicht gewusst, wer Karl May und was der Sachsenring eigentlich ist." Er bewarb sich im "Schwan", arbeitete eineinhalb Monate als Kellner und hatte genügend Zeit, die Wünsche der Gäste und das geschäftliche Umfeld zu studieren. Danach war er überzeugt: "Das Restaurant im Schwan hat Potenzial." Und so ein traditionsbeladenes Haus dürfe nicht ohne Gastronomie sein." Am 1. November eröffnete er dort das "Due Fratelli". Die komplette Familie zog von Berlin nach Hohenstein-Ernstthal um. Das soll nun die neue Heimat der Mazedonier werden. Gelernt haben die beiden Brüder die Pizzabäckerei von ihrem Vater. Der 54-jährige Routinier arbeitet in der Küche mit. "Er lebt schon seit 30 Jahren in Deutschland und ist in Berlin-Mitte unter dem Namen Salvatore eine Legende. Die Leute haben ihm diesen Spitznamen gegeben, weil er weit und breit die beste Pizza gemacht hat", sagt sein Sohn. Auf seinen richtigen Namen höre er sowieso nicht. Das "12 Apostel" in Berlin-Mitte, wo sein Vater viele Jahre arbeitete, hat an manchen Tagen bis zu 1000 Pizzen an den Mann gebracht, erzählt Arsim, der selbst seit 15 Jahren in Deutschland lebt und seitdem die Reihen der Berliner Pizzabäcker verstärkte. "Ich wollte unbedingt aus Berlin weg, fühlte mich dort nicht mehr wohl. Hier ist alles viel friedlicher als in der Hauptstadt. Es geht ruhiger zu", sagt Arsim. "Ich habe drei Kinder. Auch wegen ihnen bin ich mit der Familie hergezogen. Hier fühle ich mich in der Kleinstadt einfach viel sicherer", sagt er. Dank der Internet-Werbung auf etlichen Plattformen läuft das Bestellgeschäft schon gut.

Nach Corona will er erst richtig zeigen, was er kann. Sind erst wieder Gäste im Restaurant, dann lässt er auch wieder den Pizzateig über den Köpfen der Gäste kreisen.

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