Profi für die letzte Lebensphase

Das DRK Hohenstein-Ernstthal ist nicht nur seit August in die ambulante Pflege eingestiegen. Auch die Versorgung Sterbender im Raum Hohenstein-Ernstthal und Glauchau soll professioneller werden.

Lichtenstein.

Über den Tod zu sprechen, fällt vielen Menschen schwer. Bei Doreen Schubert ist das etwas anders. Die 42-jährige Altenpflegerin und stellvertretende Pflegedienstleitung beim DRK-Kreisverband Hohenstein-Ernstthal hat das Thema gewissermaßen zu ihrem Spezialgebiet gemacht.

Mit ihr hat der DRK-Kreisverband Hohenstein-Ernstthal nun seine erste "Fachkraft für geriatrische Palliativpflege". So heißt der Abschlusstitel einer einwöchigen Intensivweiterbildung. Damit ist Doreen Schubert zwar nicht die einzige, aber eine der wenigen mit der Zusatzqualifikation im Altkreis Hohenstein-Ernstthal. Palliativpflege erhalten Patienten, bei denen kaum noch Aussicht auf Heilung besteht. Das Ziel: Den Sterbenden soll ihre verbliebene Zeit so angenehm wie möglich gestaltet werden. Das Problem dabei: "Pflegekräfte sind häufig ratlos, wenn sie es mit Sterbenden zu tun haben", sagt Alexander Baum. Der gelernte Altenpfleger war bis vor Kurzem noch Doreen Schuberts Lehrer.

"Akzeptanz heißt das Zauberwort", sagt die frischgebackene Palliativexpertin. Angehörige, aber auch Pflegende müssten oft lernen, wann es Zeit sei, einen geliebten Menschen loszulassen. "Wenn die 90-jährige Oma sagt, sie habe ein schönes Leben gehabt und möchte nicht mehr, gilt es, das zu akzeptieren." Auch wenn es medizinisch möglich ist, das Leben eines Menschen zu verlängern, müsse der Wille des Patienten zum Ende des Lebens mit all seinen Facetten respektiert werden.

Das begrüßt auch DRK-Verbands-Geschäftsführer Gerd Gräfe: "Es wird höchste Zeit, dass die Pflege von Sterbenden professioneller wird." Zwar steht das Thema auf dem Lehrplan der dreijährigen Pflegeausbildung. "Der Tod ist aber noch immer ein großes Tabuthema." In Anbetracht steigender Lebenserwartung und dem Trend zur häuslichen Pflege bis zum Tod gäbe es Nachholbedarf.

Das DRK hat die Zeichen der Zeit offenbar erkannt und vor vier Monaten eine Sozialstation in Lichtenstein gegründet. Im dicht besiedelten Wohngebiet an der Straße des Friedens dürfte der Bedarf an ambulanter Pflege wohl so schnell nicht versiegen. Im Verband ist die Station die erste ihrer Art. Nach knapp vier Monaten versorgen acht Mitarbeiter mittlerweile 30 Patienten. Darunter befand sich ein Sterbenskranker. "Unser Angebot für Palliativpatienten muss sich erst rumsprechen", sagt Gerd Gräfe. Die DRK-Mitarbeiter fahren auf Wunsch auch nach Glauchau, Lugau oder Mülsen. Ihre Patienten erhält die Sozialstation in der Regel über das Krankenhaus in Lichtenstein oder ansässige Hausärzte.

Um eine professionelle Versorgung für Sterbende anzubieten, müssten Pflegende aber noch mehr sensibilisiert werden, so Schubert, die ein Beispiel nennt: "Auch wenn ein Patient scheinbar nichts mehr mitbekommt, sollte man am Bett nie über ihn, sondern immer mit ihm reden." Denn die Hörfunktion bleibe bis zum letzten Atemzug erhalten. Bevor die Versorgung am Lebensende beginnt, sollten Pflegekräfte vorab so viele Details wie möglich in Erfahrung bringen. "Was war das Lieblingsparfüm der Oma, ihre Lieblingsmusik, selbst ihr Lieblingskissen?" Solche scheinbaren Kleinigkeiten machen einen großen Unterschied, sagt Schubert. Daneben gilt es auch, die Angehörigen in ganz praktischen Angelegenheiten zu beraten und zu unterstützen. Welches Bestattungsinstitut? Hat der Patient schon seinen letzten Willen aufgesetzt? Und natürlich sollte die Pflegekraft wissen, dass zum Beispiel Mormonen, Zeugen Jehovas oder Muslime andere Rituale zum Ende des Lebens pflegen, als andere Glaubensgruppen "Hier gilt es, viele Fettnäpfchen zu vermeiden."

Auch das sei Teil der Weiterbildung gewesen. Doreen Schubert will ihr Wissen weitergeben, an Kolleginnen, an Angehörige, besonders aber an den Nachwuchs. Praxisanleiterin ist Schubert bereits jetzt. Mitte Januar folgt eine Zusatzausbildung zur Pflegedienstleiterin. Als Hauptverantwortliche für die Pflegeschüler will sie das Thema Palliativpflege dann ganz groß schreiben.

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