Experten werfen für Besucher alten Maschinenpark an

In der Crimmitschauer Tuchfabrik Gebr. Pfau konnte man zum Denkmaltag erleben, wie der Arbeitsalltag aussah. Und wie laut er oft war.

Crimmitschau.

Was ist eine Schlagnase? Was passiert, wenn ein Faden gerissen ist? Wie merkt der Weber, dass etwas im Stoff nicht stimmt? Mit diesen und vielen weiteren Fragen ist gestern Christian Morawiak regelrecht bombardiert worden. Der 79-Jährige stand an einem voll funktionsfähigen Webstuhl, einst gefertigt in Karl-Marx-Stadt, der Tuchfabrik Gebrüder Pfau und beantwortete geduldig alles, was die zahlreichen Besucher über die Arbeit von einst wissen wollten.

"Ich war allerdings nicht hier in diesem Websaal, sondern habe im Werk I der Tuchfabrik in der heutigen Straße Unter den Weiden gearbeitet", erzählte der rüstige Senior, der bei Gebrüder Spengler Wolltuchmacher gelernt hatte. Später machte der Crimmitschauer seinen Mechaniker- und Maschinenmeister. "Ungefähr ein halbes Jahr, kurz bevor das Werk nach der politischen Wende für immer schloss, war ich dann auch noch Webmeister", erinnerte sich Christian Morawiak an eine arbeitsreiche Zeit.

Laut war es im Websaal. "Der Krach von einer Maschine ist ja schon enorm gewesen. Unvorstellbar, wenn alle in Betrieb waren", sagte Sybille Vensmann aus Schmölln, deren Töchterchen Sophia (7) sich jedes Mal die Ohren zuhielt, wenn der einstige Meister den Webstuhl anwarf. "Eigentlich mussten alle Arbeiter Gehörkappen tragen. Das wurde sogar extra vergütet. Aber viele taten es nicht, weil es vor allem bei Hitze unbequem war und man auch nicht richtig hören konnte, wenn mit der Maschine etwas nicht stimmte", erinnerte sich der 79-Jährige an den Arbeitsalltag in der Tuchfabrik an der Leipziger Straße.

Die suchten gestern zum Tag des offenen Denkmals Hunderte Neugierige auf. "Gleich ab 10 Uhr hatten wir guten Besuch", freute sich Museumsmitarbeiterin Petra Prade über das Interesse der Leute. Das neue Konzept des Fördervereins ging also auf. "Sonst haben wir zum Denkmaltag drei Führungen angeboten. Wer zwischendrin kam, hatte halt Pech." In diesem Jahr durften die Besucher die Fabrik auf eigene Faust erkunden. In allen Bereichen waren Mitarbeiter eingesetzt, die viel über den Ablauf erzählen konnten. "Wir haben dafür auch unsere alten Verbindungen zu den Ehemaligen genutzt. Leider werden diese Experten immer weniger", sagte Wolfgang Zerrenner, der sonst auch Schulklassen oder Studiengruppen durch die historische Tuchfabrik führt.

Zum Denkmaltag luden noch andere Objekte in der Region ein. So konnten sich Besucher in der Crimmitschauer Laurentiuskirche umschauen, eine Führung durch den Werdauer Bahnhof erleben und eine Stippvisite in der Tuchfabrik Otto Ullrich in Werdau machen.

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